Erstellt am 27. Juni 2013, 13:51

Prozess um misshandeltes Baby – „Es war auch ein Hass-Liebe“. In Eisenstadt ist am Donnerstag der Prozess um ein misshandeltes Baby im Südburgenland fortgesetzt worden.

APA13405238 - 26062013 - EISENSTADT - …STERREICH: Die Eltern eines misshandelten Babys stehen ab Mittwoch, 26. Juni 2013, in Eisenstadt vor Gericht. Der 25-jährige Vater und die 23-jährige Mutter des Säuglings wird fortgesetzte Gewaltausübung zur Last gelegt. Die 23-jährige muss sich in dem für zwei Tage angesetzten Prozess auch wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs verantworten. Im Bild: Die Angeklagten im Landesgericht Eisenstadt. APA-FOTO: ROBERT JAEGER  |  NOEN, ROBERT JAEGER (APA)
Der Fall war im September des Vorjahres aufgeflogen. Vor dem Schöffensenat müssen sich seit Mittwoch die Eltern des Mädchens verantworten – beide leugnen die Tat. Die beste Freundin der 23-jährigen Angeklagten meinte vor Gericht: „Es war auch eine Hass-Liebe“ und: „Sie waren aber beide für die Kinder da“.

Die beiden hätten oft gestritten, sagte die Patentante des Erstgeborenen. Auch die psychologische Sachverständige Doris Bach kam am Donnerstag zu Wort und attestierte beiden Elternteilen eine Persönlichkeitsstörung.

Der 25-jährige Vater habe eine abhängige Persönlichkeitsstörung, so Bach. Diese zeichne sich vor allem durch klammerndes Verhalten und Trennungsängste aus. Man sei latent depressiv, melancholisch, stelle sich aufgrund der Trennungsängste wenig Konflikten.

Die 23-jährige Mutter hingegen habe eine – wie bereits am Vortag vom psychiatrischen Sachverständigen Anton Freunschlag attestiert – emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Typ Borderline. Die beiden Angeklagten hätten sich aus Bachs Sicht gefunden, weil es sich bei den beiden um zwei suchende Menschen handle. Beide hätten ein niedriges Selbstbewusstsein, eine Vergangenheit, die nicht immer ganz einfach gewesen sei. „Beide haben sie diese in einer anderen Art ausgelebt, beide sind sehr unerfahren und unreif, beide haben diesen Wunsch nach Bindung, aber gleichzeitig die Angst vor Trennung und vor dem Alleinsein“, führte die Psychologin aus.

Solche Leute würden Partnerschaften wollen, hätten aber Schwierigkeiten sich auf den anderen, auf seine Wünsche einzulassen, erläuterte sie. „Das betrifft meistens sämtliche Leute im Umfeld. Das heißt aber nicht, dass man die Bindung nicht möchte. Man möchte sie, aber man hat Schwierigkeiten, sie zu leben“, so Bach.

Am Donnerstagvormittag sagte neben der besten Freundin der Angeklagten auch der Kinderarzt aus, der den misshandelten Säugling damals behandelte. Ihm sei bei der letzten Mutter-Kind-Pass-Untersuchung Anfang September – etwa zwei Wochen später wurden die schlimmen Misshandlungen entdeckt – nichts aufgefallen. „Ich habe keine Verletzungen oder einen Bruch oder Verhaltensauffälligkeiten bei dem Kind festgestellt“, sagte der Kinderarzt. Laut Gutachten hatte das zwei Monate alte Mädchen damals bereits gebrochen Rippen. „Wie ich das gehört habe (die Verletzungen, Anm.) habe ich mir das noch einmal angesehen und rekapituliert“, so der Mediziner. Aufgefallen sei ihm auch da nichts.

Für den Nachmittag waren noch zwei Polizisten und zwei Sachverständige geladen. Auch ein Beweisstück – ein Stein – soll vor Gericht noch begutachtet werden.

Die Eltern hatten am ersten Verhandlungstag die Tat bestritten und indirekt den jeweils anderen beschuldigt. Beiden wird das Verbrechen der fortgesetzten Gewaltausübung vorgeworfen, die Angeklagte muss sich auch wegen schwerem gewerbsmäßigem Betrug verantworten.