Erstellt am 29. Mai 2011, 08:13

Rückrufaktion bei österreichischen Biohändlern. Wegen des EHEC-Keims ist jetzt eine Rückrufaktion in Österreich gestartet worden: 33 österreichische Biohändler hatten von zwei deutschen Großhändlern Gemüse der betroffenen spanischen Produzenten bezogen.

epa02756208 A laboratory worker compares EHEC colonies in petri dishes at the Robert Koch Institute in Wernigerode, Germany, 27 May 2011. Spanish authorities denied that two vegetable farms had been temporarily sequestered because of a food-poisoning outbreak that has killed seven people in Germany. The seventh German to be pronounced an EHEC victim was a woman, 38, who died Thursday night after being admitted to hospital in critical condition in the northern city of Kiel. The only male fatality in Germany is a man, 38, found dead in his Hamburg home by emergency services. In little over a week, 1,000 people have fallen ill with haemolytic-uraemic syndrome (HUS), a disease triggered by E. coli bacteria. Survivors risk life-long kidney deficiency. German officials say cucumbers from Spain were the source of the disease. EPA/MATTHIAS BEIN  |  NOEN, MATTHIAS BEIN (DPA)
Das Gesundheitsministerium fordert nun die Konsumenten auf, aus diesen Geschäften bezogene spanische Gurken, Paradeiser und Melanzani auf keinen Fall zu verzehren, sondern zu vernichten. Die Liste der Händler ist auf der Homepage der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) abrufbar.

Die deutschen Lieferanten hätten bereits die Biohändler in Österreich angewiesen, das gelieferte spanische Gemüse umgehend aus dem Sortiment zu nehmen. Die Lebensmittelaufsicht werde ab Montag in den betroffenen Geschäften überprüfen, ob der Rückrufaktion Folge geleistet wurde, kündigte Rendi-Wagner an.

EU-Behörde - EHEC-Ausbruch in Deutschland gravierend

Der Ausbruch der gefährlichen Darmerkrankung mit dem Erreger EHEC in Deutschland ist der europäischen Gesundheitsbehörde zufolge einer der größten seiner Art weltweit. In einem Gefahren-Gutachten geht das Europäische Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention in Stockholm (EDCD) am Samstag zudem davon aus, dass "die Quelle der Infektionen noch aktiv ist", da die Zahl der Erkrankten weiter steige. Überdies seien die Vorfälle außergewöhnlich, da hauptsächlich Erwachsene an dem von dem EHEC-Erreger ausgelösten hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) erkrankten. "Gewöhnlich wird HUS bei Kindern unter fünf Jahren festgestellt. Dieses Mal sind 87 Prozent der Betroffenen Erwachsene und hauptsächlich Frauen (68 Prozent)", teilte die Behörde am Samstag mit. Es handle sich nicht nur um einen der größten Ausbrüche der Krankheit weltweit, sondern auch um den größten jemals in Deutschland.

Die deutsche Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner hält wegen der anhaltenden Erkrankungswelle durch den Darmkeim EHEC an der Warnung vor dem Verzehr für rohe Gurken, Blattsalate und ungekochte Tomaten fest. Aigner sagte "Bild am Sonntag": "Solange es den Experten in Deutschland und Spanien nicht gelungen ist, die Quelle des Erregers zweifelsfrei zu benennen, haben die allgemeinen Warnhinweise für Gemüse weiterhin Bestand."

Der Höhepunkt der EHEC-Welle ist offenbar noch nicht erreicht. Die Zahl der Krankheits- und Verdachtsfälle steigt. Wo die Ursache liegt, ist weiter unklar. Bis zum Samstag sind dem gefährlichen Darmkeim zehn Menschen zum Opfer gefallen. Mehr als die Hälfte der Bundesbürger verzichtet als Konsequenz auf viele Gemüsesorten. Betroffene Bauern beklagen Riesenschäden. Deutsche Erzeugerverbände meldeten unterdessen nach Labortests ihre Ware "EHEC-frei".

Deutschlandweit wurden mittlerweile mehr als 1.000 bestätigte und EHEC-Verdachtsfälle registriert. Normalerweise gibt es im ganzen Jahr etwa 900 gemeldete Infektionen mit den Bakterien. Von den zehn Toten waren neun Opfer Frauen. Bisher stammen alle Todesopfer aus Norddeutschland. In ganz Deutschland schweben mehrere Menschen in Lebensgefahr. Zwei in Österreich erkrankte Deutsche befinden sich unterdessen auf dem Weg der Besserung; ein in Österreich arbeitender deutscher Schauspieler wurde am Freitag unter EHEC-Verdacht in das AKH Linz eingeliefert.