Erstellt am 24. November 2011, 11:26

Sänger Ludwig Hirsch gestorben. Der Liedermacher Ludwig Hirsch ist tot. Dies bestätigte die Ehefrau des Sängers, die Schauspielerin Cornelia Köndgen. Demnach ist der Künstler in der Nacht auf heute, Donnerstag, verstorben, wobei vonseiten der Familie keine Angaben zur Todesursache gemacht wurden.

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Seine "Dunkelgrauen Lieder" sind bei der "Gänsehautnah"-Tour in diesem Jahr zum letzten Mal live erklungen: In der Nacht auf Donnerstag ist der österreichische Sänger und Schauspieler Ludwig Hirsch im Alter von 65 Jahren verstorben, wie sein Agent Karl Scheibmaier bestätigte. Nach ersten Informationen geht die Polizei von Selbstmord aus. Hirsch war in der Früh unter einem Fenster des Wiener Wilhelminenspitals gefunden worden, wo er sich in Behandlung befunden haben soll.

Tief betroffen vom Ableben des Musikers zeigte sich dessen Manager Scheibmaier, der ihn als einen "der größten Künstler der vergangenen 70 Jahre" bezeichnete. "Ludwig Hirsch hat an den Wänden gekratzt, um dahinter zu schauen, was los ist", so Scheibmaier im Gespräch. Auch Kulturministerin Claudia Schmied würdigte den Liedermacher in einer Aussendung als "Teil der österreichischen Seele", dessen Songs "den Zustand unserer Gesellschaft mit poetischen Texten beschrieben" haben. Für Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) stand Hirsch "in der Tradition großer Namen wie Randy Newman und Georg Kreisler, die schwarz bis bitter, bissig und zynisch, kritisch oder aggressiv ihr Umfeld pflügen".

Musikerkollege Rainhard Fendrich zeigte sich in einer ersten Reaktion "tief traurig, bestürzt und erschüttert darüber, wie verzweifelt ein Mensch sein muss in dem Moment, wo er beschließt, seinem Leben ein Ende zu setzen". Hirsch habe er "als exzellenten Schauspieler und als introvertierten, sehr feinsinnigen Künstler" kennengelernt, "der mit seiner Stimme Menschen verzaubern konnte". "Er war ein Seelenfreund, den ich sehr geschätzt habe." Für Marianne Mendt "ist wieder ein ganz Großer gegangen. Ich bin schockiert und traurig."

Geboren wurde Ludwig Hirsch am 28. Februar 1946 in Hartberg (Steiermark), wiewohl er als Komponist von Liedern mit urwienerischem Zuschnitt seine Fans begeisterte und auch anlässlich der Auszeichnung mit dem "Goldenen Rathausmann" im Juni erklärte: "Ich bin eigentlich Wiener, ich wurde nur zufällig dort geboren." Vor seinem musikalischen Durchbruch studierte Hirsch an der Universität für angewandte Kunst in Wien Grafik und besuchte die Schauspielschule Krauss. Nach Theaterengagements und seiner Zeit als Ensemblemitglied am Theater in der Josefstadt sollte sein Debütalbum "Dunkelgraue Lieder" seine musikalische Karriere begründen.

Neben inhaltlicher Morbidität und Hintergründigkeit zeichneten sich seine Songs auch durch feine Zwischentöne aus, wie etwa sein letztes Studioalbum "In Ewigkeit Damen" (2006) belegte. "Im letzten Album, da ging es um die Damen und bei denen wird naturgemäß ein bisschen weniger stark gezwickt - aber das kommt schon wieder", erklärte Hirsch noch 2010 im Interview mit der APA. Insgesamt veröffentlichte er in seiner über 30-jährigen Karriere mehr als 20 Platten, erhielt für "Perlen" (2002) sowie für "In meiner Sprache" und "Sternderl Schaun" (jeweils 1992) goldene Schallplatten, wurde mit einem Amadeus Music Award ausgezeichnet und erreichte mit der Single "Gel', du magst mi" 1983 die Spitze der heimischen Charts.

Im Rückblick auf sein Schaffen meinte der Sänger einmal, dass er "immer wieder positiv überrascht" wurde: Es gebe "uralte Lieder, in die bin ich immer noch verliebt". Unter dem Titel "Ich weiß es nicht, wohin die Engel fliegen" erschien vor einem Jahr ein Sammelband mit Hirschs Texten, vor zwei Jahren veröffentlichte er ein Hörbuch mit "Weihnachtsgeschichten". Dem Theater hat Hirsch in dieser Zeit nie gänzlich den Rücken zugekehrt, 2004 war er etwa bei den Festspielen Reichenau in Tschechows Untergangskomödie "Der Kirschgarten" und 1998 im Volkstheater ("Irma La Douce") zu sehen. Anfang der 1990er Jahre komplettierte er das Ensemble beim Salzburger "Jedermann".

Noch vergangenes Jahr erklärte Hirsch der APA, dass er sich diesen Herbst für ein neues Album "hinsetzen und ein bissl grübeln" wolle. Thematisch sollte es um für ihn Typisches gehen: "Träumen, Staunen, Lächeln, bissl Gänsehaut immer wieder, und das Zwicken in die Wadeln. Das hab ich immer gern gemacht, die Leute einzulullen, dass sie sich wohl fühlen und zum Schluss ein bissl zwicken." Ein gemeinsam mit dem deutschen Regisseur Joseph Vilsmaier geplantes Filmprojekt mit dem Arbeitstitel "Es lebe der Zentralfriedhof" sei Scheibmaier zufolge nicht mehr realisiert worden.