Erstellt am 18. Juli 2011, 18:58

Sanader wird nach Kroatien ausgeliefert. Der wegen Korruptionsverdacht in Österreich festgenommene kroatische Ex-Premier Ivo Sanader soll am Montagabend in seine Heimat ausgeliefert werden. Der frühere Ministerpräsident soll in Begleitung der Cobra über die Tauernautobahn nach Kärnten zur slowenischen Grenze gefahren werden.

Die Übergabe an die slowenischen Beamten ist vor dem Karawankentunnel geplant. Anschließend werde Sanader mit einem weiteren Fahrzeug über Slowenien nach Kroatien transportiert. Ursprünglich hatte es geheißen, die Abfahrt aus Salzburg solle um 18.30 Uhr erfolgen. Eine offizielle Bestätigung gab es zunächst nicht. Aus dem Landesgericht Salzburg hieß es, dass die formellen Voraussetzungen für eine Auslieferung gegeben seien.

Der ehemalige kroatische Ministerpräsident Sanader soll auch nach Berichten kroatischer Medien am Montagabend wieder nach Kroatien kommen, meldeten das unabhängige kroatische Fernsehen "Nova TV" und die Internet-Portale "net.hr" und "Index". Alle diese Medien nannten keine offiziellen Quellen.

Die Berichte wurden vom Anwalt Sanaders, Goran Suic, weder bestätigt noch dementiert. Der kroatische Innenminister Tomislav Karamarko sagte gegenüber "net.hr", dass alle technischen Fragen für eine Ankunft Sanaders gelöst seien.

Justizministerin Beatrix Karl hatte erst am Wochenende die Auslieferung Sanaders angeordnet. Das Ministerium hatte zuvor noch geprüft, ob völkerrechtliche Gründe einer Auslieferung entgegen stehen. Sanader hatte am 20. Juni überraschend seine Beschwerde gegen das Auslieferungsverfahren zurückgezogen und einer vereinfachten Auslieferung zugestimmt. Ursprünglich hatte der Ex-Premier argumentiert, dass er in seiner Heimat kein faires Verfahren erwarten könne.

Der kroatische Ex-Politiker war am 10. Dezember 2010 auf der Tauernautobahn in Salzburg aufgrund eines internationalen Haftbefehls festgenommen und anschließend in der Justizanstalt Salzburg in Auslieferungshaft genommen worden. Sanader soll durch dubiose Transaktionen über ihm nahestehende Firmen das kroatische Staatsbudget um sechs Millionen Euro geschädigt haben.

Auch in Österreich läuft ein Ermittlungsverfahren gegen Sanader wegen Geldwäscheverdachts über ein Bankkonto in Tirol. Sanader wird auch vorgeworfen, Provisionen bei Geschäften der Kärntner Hypo Alpe Adria Bank in Kroatien kassiert zu haben. Er bestreitet alle Vorwürfe vehement und will seine Unschuld vor kroatischen Gerichten beweisen.