Erstellt am 25. September 2012, 15:51

Scharfe Kritik von Ex-ÖBB-Manager an Faymann. Der frühere ÖBB-Personenverkehr-Vorstandsdirektor Stefan Wehinger reitet im aktuellen "Falter" schwere Attacken auf Kanzler Werner Faymann...

WESTbahn-Chef Stefan Wehinger.  |  NOEN
... und Staatssekretär Josef Ostermayer (beide S) im Zusammenhang mit der Inseratenaffäre.
Wehinger kritisiert, "dass Faymann auf Kosten der ÖBB persönliche Werbung gekauft hat". An den ÖBB habe er "null Interesse" gehabt. Im Gegenteil: Für die ÖBB sei die Kampagne, bei der sich der damalige Infrastrukturminister Faymann 2007 in der "Kronen Zeitung" als Bahn-Ombudsmann vermarktete, ein "Schlag in die Magengrube" gewesen.

Wehinger hat Faymann und Ostermayer bereits vor der Staatsanwaltschaft belastet. U.a. gab er zu Protokoll, dass die Krone-Kampagne Faymanns ohne Wissen des ÖBB-Managements initiiert worden sei. Als er mit Faymanns damaligem Büroleiter Ostermayer darüber diskutieren wollte, habe ihm dieser gesagt, "dass er mein Weiterverbleiben in der Position des Vorstandes in Zusammenhang mit der Kooperationsfähigkeit bei solchen Dingen sehe". Ostermayer bestreitet dies. Er ist am 2. Oktober im Ausschuss geladen.

Im "Falter" bekräftigt Wehinger, dass die Kampagne ohne Wissen des ÖBB-Managements initiiert worden sei. Wegen der Kosten habe es "massiven Ärger in den ÖBB und im Vorstand" gegeben. Laut Wehinger entstanden den ÖBB über die unmittelbaren Inseratenkosten von bis zu 700.000 Euro hinaus auch noch Zusatzkosten für die Beantwortung tausender Leserbriefe im Zusammenhang mit der Kampagne. Man habe extra Personal dafür anstellen und dafür mehrere zehntausend Euro zahlen müssen.

Verwundert ist der frühere ÖBB-Manager allerdings auch über den Umgang der SPÖ mit der Inseratenaffäre. Er selbst sei vor einem Jahr davon ausgegangen, dass die Frage, ob der Minister ÖBB-Inserate eingefädelt habe, letztlich als "liederliche Sünde" abgetan werde, nun sei der Eindruck aber "verheerend". "Faymann muss von Wahnsinnigen beraten worden sein. Es wäre für ihn ganz einfach gewesen, ganz früh offen zu sein. Aber durch sein unsinniges Verhalten haben sich er und Ostermayer ein Loch gegraben, das immer tiefer wird", so Wehinger.