Erstellt am 24. Dezember 2013, 14:27

Schönborn- und Fischer-Appelle zum Heiligen Abend. Kardinal Christoph Schönborn hat in der ORF-Weihnachtssendung "Licht ins Dunkel" am Heiligen Abend dazu aufgerufen, "alle Kräfte zu sammeln", weil wir "in einer schwierigen Zeit" seien. Der Wiener Erzbischof appellierte, die Menschen sollten "nicht nur schimpfen".

 Bundespräsident Fischer brachte indes die Hoffnung zum Ausdruck, dass sich die Politik um Fairness und Anständigkeit bemüht. Jede Regierung habe es jetzt schwer, weil die Situation schwer sei, meinte Schönborn. Solidarität ist für den Kardinal das Stichwort für die nächsten Jahre. Er rief dazu auf, aufeinander zu schauen und nicht nur auf sich selbst. Der Erzbischof erinnerte daran, dass vor 30 Jahren ein Alleinverdiener seine Familien noch halbwegs gut versorgen konnte, heute sei das fast nicht mehr möglich. Das sei aber ein europaweites Phänomen. Deshalb müsse vor allem bei den schwächeren Einkommensverhältnissen etwas getan werden. Sozialer Friede sei nur dann möglich, wenn der Wohlstand halbwegs gerecht verteilt wird.

Unterdessen meinte Fischer, es müsse ein permanentes Ziel sein, Fairness und Sauberkeit einzufordern. Das abgelaufene Wahljahr sei dafür nicht gerade die beste Zeit gewesen. Der eingetretene Vertrauensverlust in die Politik sei auch mit dem Wahlkampf zu erklären. Wenn man die Leistungen des anderen herabwürdigt, dann bleibe das nicht ohne Wirkung. Fischer hält es für notwendig, in diesem Bereich jetzt wieder aufzuholen. Er könne sich aber vorstellen, dass die neue Regierung hier wieder Boden gut machen könne. In diesem Zusammenhang unterstrich der Bundespräsident auch die Bedeutung der EU-Wahl im Frühjahr.

Bundeskanzler Faymann zeigte sich "sehr stolz" Regierungschef in einem Land wie Österreich sein zu dürfen. Auch wenn jeder Arme und jeder Arbeitslose einer zu viel sei, stehe Österreich sehr gut da. Es gehe darum, die Stärken Österreichs zu erhalten. Faymann verwies darauf, dass es in Österreich sowohl soziale Unterstützung des Staates als auch Spendenhilfe der Bevölkerung gebe, die es in vielen anderen Ländern nicht in dieser Form gebe.

ÖVP-Klubomann Lopatka verwies in Vertretung von Vizekanzler Spindelegger darauf, dass Gerechtigkeit eine ständige Aufgabe sei. Hauptaufgabe der Politik sei es, an die Armen zu denken. Die Politik müsse dafür sorgen, dass eine wirtschaftliche Situation gegeben sein, um die Mittel zu haben, den Schwachen helfen zu können.

Der stellvertretende Klubobmann der Grünen, Werner Kogler, führte den Vertrauensverlust der Politik vor allem darauf zurück, dass die Parteien viel Energie "ins Gegeneinander" investieren. Da gebe es einiges zu verbessern. FPÖ-Obmann Strache sieht das Ergebnis der Nationalratswahl mit einem lachenden Auge, weil die FPÖ der Wahlsieger gewesen sei, aber auch mit einem weinenden Auge, weil man viele Stimmen an das BZÖ"verschenkt" habe, die zu einer Mehrheit gefehlt hätten. Deshalb gebe es nun eine rot-schwarze "Leidensverlängerung".

Waltraut Dietrich, die geschäftsführende Klubobfrau des Team Stronach, wünscht sich mehr Menschlichkeit und mehr Miteinander. Man soll sich mehr um die Probleme der Menschen kümmern und nicht die eigenen Eitelkeiten pflegen. NEOS-Klubobmann Strolz verteidigte den Aktionismus seiner Partei. Man versuche die Botschaften in Bilder zu packen, um sie deutlicher zu machen. Die Gefahr des Überziehens gestand Strolz ein, das sei immer eine Gratwanderung.

Der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari will zwar keine weihnachtliche Konsumschelte halten, er warnt aber vor übertriebenen Geschenken. "Schenken ist grundsätzlich etwas vom Schönsten, das Menschen tun können. Es kann aber, wie alles Menschliche, auch übertrieben und pervertiert werden", sagte Kapellari den "Salzburger Nachrichten".

Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg und der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft Fuat Sanac riefen bei "Licht ins Dunkel" die Menschen dazu auf, bei sich selbst mit dem Frieden zu beginnen. Eisenberg meinte, Weltfriede sei zwar ein "frommer Wunsch", der aber nicht unbedingt unerfüllbar sein müsse. Jeder müsse aber bei sich im kleinen Kreis, in der Familie damit beginnen. Auch Sanac meinte, jeder müsse sich selbst fragen, ob er etwas für den Frieden tun könne. Die Menschen müssten Frieden mit sich selbst und ihren Mitmenschen schließen.

Der evangelische Oberkirchenrat Karl Schiefermair verwies darauf, dass es Frieden ohne Gerechtigkeit nicht geben werde. Deshalb müssten zuerst gerechte Verhältnisse geschaffen werden. Dompfarrer Toni Faber bezeichnete Weihnachten als "Fest des Friedens".