Erstellt am 19. Mai 2015, 15:36

von Stefan Obernberger

Susanne Prager rettete Freundin das Leben. Ob Schutzengel anwesend oder nicht: 45-Jährige überlebte nur dank prompter Hilfe ihrer Leopoldsdorfer Bekannten.

Susanne Prager stellte ihr Wissen, welches sie in ihrer Sani-Ausbildung erworben hatte, unter Beweis und rettete damit ihrer Freundin das Leben.  |  NOEN, Stefan Obernberger
Selbst seit etwas mehr als zwei Jahren als Sanitäterin beim Roten Kreuz in Schwechat (NÖ) freiwillig engagiert, ist Susanne Prager aus Leopoldsdorf (Bezirk Wien-Umgebung) es gewohnt, in Not geratetenen Mitmenschen zu helfen. Allerdings im Dienst, im Team, unter halbwegs geregelten Abläufen. Doch am Samstag war ihr Können außer Dienst – ohne Unterstützung von fachkundigen Kollegen und ohne jeglicher Ausrüstung gefordert.

Denn als das Herz einer 45-jährigen Freundin aus Ebenfurth (Bezirk Wiener Neustadt) zu schlagen aufhörte, lag alles an ihr. Und sie wurde aktiv und half beherzt – mit Erfolg! Wie es dazu kam, schildert Prager im NÖN-Gespräch.

„Plötzlich schrien die Leute überall um Hilfe“

Es war am vergangenen Samstag, kurz vor elf Uhr. Susanne Prager, passionierte Hundeliebhaberin und Mutter eines Sohnes, war an diesem Tag mit ihrer Hündin Allegra in Rotenturm im Bezirk Oberwart auf einer Hundeausstellung. Mehr als Hundert Menschen waren anwesend. „Eigentlich wollte ich in der Früh gar nicht einmal hinfahren. Ich weiß auch nicht, was mich dann überredet hat. Vielleicht sollte es so kommen.“

Im ersten Moment reagiert man nur und macht das,
was man zuvor gelernt hat. Das Nachdenken kommt erst später.“
Susanne Prager

Jedenfalls: „Ich war als Schriftführerin im Rahmen des Bewerbs gerade beschäftigt“, schildert die 48-Jährige, „als plötzlich nach einem Sanitäter gerufen wurde.“ Prager fühlte sich angesprochen und rannte sofort auf die andere Seite des Platzes, woher die Hilferufe herkamen. Dort lag bereits die 45-Jährige bewusstlos am Boden, einige wenige Atemzüge, als plötzlich gar keine Atmung mehr feststellbar war – Pragers Freundin, mit der sie noch kurz zuvor gelacht hatte, erlitt einen Atem-Kreislaufstillstand. Trotzdem behielt Prager einen kühlen Kopf und machte genau das Richtige: „Wie unzählige Male trainiert, begann ich mit den Wiederbelebungsmaßnahmen.“

30 Mal Herzdruckmassage, zwei Beatmungen. 30 Herzdruckmassagen, zwei Beatmungen. Zeitgleich holte ein ebenfalls privat anwesender Polizist einen Defibrillator vom nächstgelegenen Gemeindeamt, eine weitere Frau alarmierte die Rettung. Alles nahm seinen Lauf.

„Sie hat sogar wieder mit uns geredet“

Was dann jedoch passierte, grenzt an ein enormes Glück, womit niemand gerechnet hätte. „Noch bevor wir den Defi anschließen konnten, begann meine Freundin wieder zu atmen und war wieder ansprechbar. Sie sprach sogar mit uns“.

Die inzwischen anwesende Notärztin setzte die Versorgung fort. Ein Hubschrauber brachte die Ebenfurtherin schließlich ins Uniklinikum nach Graz, wo sie derzeit intensivmedizinisch betreut wird. Akute Lebensgefahr bestand am Montag bereits nicht mehr.

Prager: „Ich bin unendlich froh, dass alles so ausgegangen ist.“ Das Training beim Roten Kreuz habe ihr eindeutig geholfen. Ihr Appell: „Das einzige Falsche in so einer Situation wäre gewesen, einfach nichts zu machen! Erste Hilfe ist das Motto!“