Erstellt am 25. März 2013, 15:35

Sieben Jahre Haft für Hannes F.. Ein 33-jähriger Burgenländer ist Montagnachmittag in Kairo zu sieben Jahren Haft und einer Geldstrafe - nicht rechtskräftig - verurteilt worden.

APA12053128-2 - 25032013 - KAIRO - €GYPTEN: ZU APA-TEXT CI - Für den Burgenländer Hannes F., der am 02. November 2011 wegen des Verdachts des Waffenschmuggels am Flughafen in Kairo festgenommen worden war und sich seither in Untersuchungshaft befindet, geht am Montag, 25. März 2013, der Prozess in die mittlerweile elfte Runde. Die vorerst letzte Verhandlung hatte am 27. November 2012 stattgefunden (UNDATIERTES ARCHIVBILD). +++ WIR WEISEN AUSDRÜCKLICH DARAUF HIN, DASS EINE VERWENDUNG DES BILDES AUS MEDIEN- UND/ODER URHEBERRECHTLICHEN GRÜNDEN AUSSCHLIESSLICH IM ZUSAMMENHANG MIT DEM ANGEFÜHRTEN ZWECK ERFOLGEN DARF - VOLLST€NDIGE COPYRIGHTNENNUNG VERPFLICHTEND +++ APA-FOTO: PRIVAT  |  NOEN, PRIVAT (APA)
Hannes F. war im November 2011 wegen des Verdachts des Waffenschmuggels in Ägypten festgenommen worden und befand sich seither in Untersuchungshaft. Die Familie sei "erschüttert. Für mich war es wirklich ein Schock. Es war so, als ob man mir die Luft zum Atmen nehmen würde", so die verzweifelte Ehefrau, Lisa F..

Gegen 15.00 Uhr MEZ wurde F. in den Gerichtssaal geführt. Zunächst sei man davon ausgegangen, dass die mittlerweile elfte Verhandlung bis in die Abendstunden dauern könnte. "Aber dann ging alles sehr schnell", so Lisa F.

Ein Vertreter der Botschaft, der die Ehefrau über den Ausgang des Prozesses informiert hatte, sprach unmittelbar nach der Urteilsverkündung mit dem 33-Jährigen. "Der Konsul hat kurz mit ihm geredet. Hannes hat nur gesagt, dass er sich das mit der Berufung durch den Kopf gehen lässt", sagte Lisa. Laut Außenministerium gehe man davon aus, dass der Burgenländer Berufung einlegen werde, er müsse dies nun aber mit seinem Anwalt abklären, so ein Sprecher. Hannes F. habe nun 40 Tage Zeit dafür.

Wirklich gerechnet haben dürfte Hannes F. mit dem Urteil nicht, schilderte die Ehefrau. "Wir haben gestern (Sonntag, Anm.) noch miteinander telefoniert. Er hatte so große Hoffnung, dass er Ende März nach Hause kommen kann. Er hat mit einem Ende gerechnet." Der 33-Jährige wollte laut Lisa F. auch nicht über das "Worst Case Szenario" sprechen. "Er war sich einfach so sicher. Er wollte nicht darüber reden."

Die Frage, die sich nun stelle, sei jene der Auslieferung nach Österreich. Vom Außenministerium hieß es dazu, das man sich das nach dem Ende des Verfahrens - also sobald das Urteil rechtskräftig ist - ansehen müsse.

Bleibt Hannes F. in Ägypten und muss dort die Haftstrafe absitzen, besteht für die Familie die Möglichkeit, ihn im Gefängnis zu besuchen. "Ich könnte ihn bis zu zwei Mal pro Woche für je eine halbe Stunde sehen", so Lisa F. Allerdings könnte er in ein anderes Gefängnis verlegt werden. Details dazu seien jedoch noch nicht bekannt. "Meiner Meinung nach müsste der Fall komplett neu aufgerollt werden, aber das kann sich niemand leisten", sagte die Ehefrau.

Nicht nur Hannes F. ist am Montagnachmittag verurteilt worden, auch drei Mitangeklagte fassten mehrjährige Haftstrafen aus. Ein deutscher Kollege des Burgenländers sowie ein Ägypter wurden zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Ein weiterer Ägypter erhielt ebenfalls sieben Jahre. Eine Geldstrafe in der Höhe von 31.500 Ägyptischen Pfund (3.575,36 Euro) werde unter den vier Angeklagten aufgeteilt, sagte die Ehefrau.

Auslöser für den Prozess und die Festnahme war ein Auftrag zur Bewachung eines Schiffstransports. Am 2. November 2011 reiste der 33-Jährige deshalb mit vier deklarierten Gewehren und 200 Schuss Munition im Gepäck nach Ägypten. Noch am Flughafen in Kairo, kurz nachdem er seine Koffer vom Förderband genommen hatte, klickten die Handschellen.

Hannes F. hatte in seiner bisherigen Zeit als Untersuchungshäftling sowohl psychische als auch physische Probleme. Er litt an einer Lungenentzündung, kämpfte im Sommer mit Temperaturen von über 60 Grad. In seiner Zelle befanden sich bis zu 67 weitere Personen.
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Hannes F. reagierte bei Verurteilung in Kairo "gefasst"

Der am Montag in Kairo wegen Waffenschmuggels zu sieben Jahren Haft (nicht rechtskräftig) verurteilte Burgenländer Hannes F. hat im ersten Moment "gefasst und kämpferisch" reagiert. Das teilte ein Konsul der österreichischen Botschaft in Ägypten der Ehefrau Lisa F. heute, Dienstag, mit. "Die Botschaft schaut nun, dass sie Hannes so schnell wie möglich besuchen kann, um weitere Schritte zu besprechen", so Lisa F..

Denn noch ist nicht klar, wie es in dem Fall weitergeht. Der 33-Jährige habe 40 Tage Zeit, um in Berufung zu gehen, hieß es vom Außenministerium. Ob er das tun wird, sei noch nicht klar. "Ich habe seit der Urteilsverkündung keine Möglichkeit gehabt, mit Hannes zu telefonieren. Meine Aufgabe in den nächsten Tagen wird es sein, sämtliche Informationen in Zusammenarbeit mit der Botschaft und dem Außenministerium zu sammeln, damit sich Hannes einen Überblick über alle möglichen Konsequenzen verschaffen kann und Bescheid weiß", erzählte die Ehefrau.

Schließlich gebe es mehrere ungeklärte Fragen: "Es ist offen, ob er in Berufung geht oder nicht. Wenn ja, mit welchem Anwalt. Geht er nicht in Berufung, ist zu klären, wie es mit einer Auslieferung nach Österreich aussieht. Wann könnte man das beantragen? Und ganz wichtig ist die Frage nach der Dauer eines Haftjahres in Ägypten", so Lisa F. In den vergangenen Monat sei einmal zu Sprache gekommen, dass ein Haftjahr "nur" neun Monate dauere. Von offizieller Seite - sowohl vom Außenministerium als auch von der ägyptischen Botschaft in Wien - war dazu auf Anfrage zunächst keine Information zu erhalten.

Vor allem die Frage nach einem eventuell neuen Anwalt macht der Ehefrau Sorgen. Beim aktuellen Verteidiger handle es sich bereits um den dritten. Das Problem sei, dass die Anwälte zum Teil nicht ihre Arbeit machten, nicht erreichbar seien, E-Mails nicht abgerufen oder F. im Gefängnis nicht besucht hätten. Ein weiterer Punkt ist das Geld. "Es ist einfach enorm schwer, einen ordentlichen Anwalt zu finden, der keine utopischen Preise verlangt", sagte Lisa F.

Der finanzielle Aspekt macht der Ehefrau auch im Bezug auf einen möglichen Besuch ihres Mannes einen Strich durch die Rechnung. "Natürlich würde ich ihn gerne besuchen, aber das ist finanziell leider nicht drin. Ich würde ihn einfach gerne emotional etwas auffangen und aufbauen. Die große Anteilnahme, die wir seit Anbeginn und vor allem nach Bekanntwerden des Urteils erfahren haben, ist überwältigend. Vor allem Hannes hat das in der Vergangenheit sehr viel Kraft gegeben."