Erstellt am 10. Januar 2012, 15:19

Sind Burgenländer noch immer trinkfest?. Obwohl das Burgenland beim Alkoholkonsum noch immer schlechten Ruf „genießt“, ist Problem laut Experten rückgängig.

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VON DORIS SEEBACHER

Dass im Burgenland gerne Alkohol – und vor allem Wein – getrunken wird, ist kein Geheimnis. Eine Studie des Anton-Proksch-Institutes aus dem Jahr 2011 gibt Aufschluss darüber, dass der Alkoholkonsum im Burgenland zwischen 1994 und 2008 zugenommen haben soll. Demnach gaben die befragten Burgenländer im Jahr 2008 an, täglich durchschnittlich rund 44 Gramm reinen Alkohol zu sich zu nehmen (ein Krügerl Bier enthält etwa 20 Gramm Alkohol). Im Vergleich dazu: Der wenigste Alkoholkonsum wurde von den Befragten in Kärnten angegeben, nämlich nur 23 Gramm pro Tag.
Wie entstehen nun diese Werte? Studienautor Alfred Uhl vom Anton-Proksch-Institut meint gegenüber der BVZ, dass gerade die Burgenland-Ergebnisse der Umfrage aufgrund des geringen Stichprobenumfangs nur wenig aussagekräftig seien. Jedoch: „Der Wein hat im Burgenland immer schon eine große Rolle gespielt, und in Weinanbaugebieten wird traditionell mehr Alkohol konsumiert.“ Uhl vermutet, dass die Einstellung zum Alkohol im Burgenland immer „etwas anders“ war. Auch der große Anteil an Pendlern könne die Einstellung zum Alkohol im Land „nachhaltig geprägt“ haben.

Tatsächlich wird weniger getrunken
Tatsache ist jedoch, dass der Alkoholkonsum im Burgenland rückläufig ist. Zahlen, Statistiken aber auch Verkehrskontrollen der Polizei beweisen das. So ist beispielsweise die Zahl der abgenommenen Führerscheine im Burgenland gleichbleibend niedrig. „Bei 300 Alkotests landen wir durchschnittlich vier Treffer“, bilanziert der stellvertretende Polizeidirektor des Burgenlandes, Oberrat Karl Kilian. Und auch dabei handle es sich hauptsächlich um geringfügige Überschreitungen. Hingegen kommen „richtig schwere Überschreitungen mit über 1,6 Promille“ laut Kilian eher selten vor.

Laut dem letzten „Todesursachen-Atlas“ ist die Sterblichkeit im Zusammenhang mit Alkohol ebenfalls um 14 Prozent gesunken. Dazu gehören Todesursachen wie beispielsweise Leberzirrhose und Kehlkopfkrebs genauso wie Unfälle oder Selbstmord.
Dass der Alkoholismus im Burgenland immer mehr abnimmt, kann auch Ärztekammerpräsident Michael Lang aus Erfahrung sagen. Er merkt jedoch an: „Ein Problem sind nach wie vor die Jugendlichen, die mehr trinken.“ Auch Zehn- bis Zwölfjährige, die mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden, seien ihm bereits untergekommen.
Relativ konstant hingegen ist laut dem Kuratorium für Verkehrssicherheit im Burgenland die Zahl der Unfälle unter Alkoholeinfluss. So gab es beispielsweise im Jahr 2005 insgesamt 108 Verletzte in diesem Zusammenhang, im Jahr 2010 waren es 96 Verletzte.

Studie: „Vielleicht sind die Burgenländer ja ehrlicher“
Studienautor Uhl betont, dass die Menschen bei Umfragen erfahrungsgemäß durchschnittlich rund zwei Drittel weniger Alkohol angeben, als sie tatsächlich konsumieren. „Der hohe Wert im Burgenland könnte demnach auch dadurch entstanden sein, dass die Burgenländer ehrlicher sind als der Rest von Österreich“, meint Uhl .
Jene, die im Bezirk Eisenstadt in der Praxis mit Alkoholkonsum und seinen Folgen zu tun haben, zeichnen ein durchwachsenes Bild von der Situation. Oberst Franz Füzi, Chef der Verkehrsabteilung im Landespolizeikommando, weiß aus dem Alltag zu berichten: „Die Studie trifft auf den Straßenverkehr nicht zu. Um es krass auszudrücken, es gibt keine Säufer im Straßenverkehr.“

Füzi ist sich sicher, dass die Schwerpunktkontrollen greifen. „Wir hatten mehr Verkehrsunfälle, aber weniger Verletzte und Tote“, stellt er fest und führt dies auf die Bewusstseinsbildung, den Probeführerschein und die Kontrollen zurück.
Natürlich käme es, so der Exekutivbeamte, auch vor, dass jemand über den Durst trinkt und noch fährt. Aber das werde immer weniger und treffe auf die „reiferen“ Autofahrer zu. Die Jugend hänge, so Füzi, zu sehr an ihrem Führerschein und trinke dann nicht, wenn sie fahre. Christian Reumann von der Kinder- und Jugendanwaltschaft Burgenland ist oft damit konfrontiert, was Jugendliche im Alkoholrausch anrichten können: „Bis zum 18. Lebensjahr passieren oft nur Kleinigkeiten. Bei den 18 bis 25-Jährigen kommt es meist zu Schlägereien mit Körperverletzungen oder zu Sachbeschädigungen.“

„14-Jährige, die betrunken heimkommen: Einzelfälle“
Allerdings betont er, dass er nur beratend beistehen kann, wenn es zur Anzeige kommt: „Oft schalten sich vorher schon andere Institutionen, wie das Jugendamt, ein oder die Jugendlichen gehen gleich zu einem Rechtsanwalt. Zu uns kommt der Rest.“ Reumann weiter: „Natürlich gibt es hin und wieder 14-Jährige, die betrunken nach Hause kommen, aber das sind meist Einzelfälle, die man sich aber dennoch anschauen muss.“

Einen gegensätzlichen Trend stellen hingegen die Anonymen Alkoholiker fest, wie ein Mitglied der Gemeinschaft betont, das seit 17 Jahren dabei ist: „Früher waren es meist ältere Personen, die zu den Meetings gekommen sind. Mittlerweile stelle ich fest, dass immer mehr junge Menschen mit einem Alkoholproblem kommen, die ursprünglich nur mal auf einer Party etwas mehr getrunken haben.“ Auch im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder ist man mit der Alkoholkrankheit konfrontiert: Dr. Gerhard Fruhwürth, Vorstand der Abteilung für Sozialpsychiatrie: „Aus psychiatrischer Sicht kann man von einer Steigerung des Alkoholkonsums sprechen. Menschen, die an Erkrankungen wie beispielsweise Depressionen oder auch an Angstzuständen leiden, konsumieren Alkohol, um sich nicht näher mit der eigentlichen Krankheit auseinander setzen zu müssen.“ Primar Dr. Karl Silberbauer betont: „Das Gesicht des Alkoholismus hat sich geändert.“ Vor rund 25 Jahren seien weitaus mehr Patienten an den organischen Folgen von Alkoholkonsum gestorben als heutzutage. Dies könnte der Fall sein, weil „die Qualität des konsumierten Alkohols besser ist als früher“.