Erstellt am 02. Juli 2011, 13:15

Skelett vollständig, Verdächtiger nicht geständig. Das Skelett von Julia Kührer aus Pulkau (Bezirk Hollabrunn), die seit fünf Jahren vermisst war, ist vollständig gefunden worden. Mit der Auffindung des vollständigen Skeletts stehe fest, dass die Leiche der am 27. Juni 2006 im Alter von 16 Jahren aus Pulkau verschwundenen Jugendlichen nicht zerstückelt wurde.

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 Das hat Helmut Greiner, Sprecher des Bundeskriminalamtes (BK), am Samstag mitgeteilt. Der am Vortag in der Früh als Verdächtiger in dem Kriminalfall festgenommene Michael K. (50) aus Wien sei "nach wie vor nicht geständig". Die Befragung des ehemaligen Videothek-Betreibers im Heimatort des Mädchens dauerte im Landeskriminalamt NÖ in St. Pölten an.

Mit der Auffindung des vollständigen Skeletts von Julia Kührer stehe fest, dass die Leiche der am 27. Juni 2006 im Alter von 16 Jahren aus Pulkau verschwundenen Jugendlichen nicht zerstückelt wurde, sagte Greiner zur APA. Die Ermittlungen von BK, Landeskriminalamt NÖ und Staatsanwaltschaft Korneuburg liefen "auf Hochdruck" weiter.

Beamte der Tatortgruppe hätten an der Auffindungsstelle in Dietmannsdorf 3 in der Gemeinde Zellerndorf (Bezirk Hollabrunn) "gesiebt und gegraben", so Greiner. Dabei sei das vollständige Skelett gefunden worden. Was die Ermittlungen angehe, stünden u.a. auch Befragungen "im näheren und weiteren Umfeld" des verdächtigen Michael K. an. Der 50-Jährige soll eine Lebensgefährtin in Wien haben.

Neben einem teilweise verbrannten Englisch-Lexikon - ein solches hatte Julia Kührer am Tag ihres Verschwindens vor fünf Jahren bei sich - wurden auf dem Grundstück in der Weinviertler Katastralgemeinde auch verwitterte Kleidungsreste sichergestellt. Ob sie dem Mädchen zuzuordnen sind, müsse noch abgeklärt werden, so Greiner.

Weiterhin unklar blieb am Samstag, wie Julia Kührer ums Leben gekommen war. Die Kriminalisten, die nun auch auf die Gerichtsmedizin setzen, gehen jedenfalls von einem Verbrechen aus. Ob der Auffindungsort der sterblichen Überreste der jungen Niederösterreicherin auch der Tatort war, stand ebenfalls noch nicht fest.

Das Skelett war in Dietmannsdorf 3, nur wenige Kilometer vom Elternhaus Julia Kührers in Pulkau entfernt, durch Zufall entdeckt worden. Beim Spielen mit einem Hund war Nachbarn am Donnerstagabend ein Ball über die Grundstücksgrenze gefallen, berichtete BK-Ermittlungsleiter Ernst Geiger am Freitag. Bei der Suche stießen die Männer auf menschliche Knochen, nachdem sie mit Taschenlampen ein mit einer Spanplatte abgedecktes Erdloch in Augenschein genommen hatten, und alarmierten die Polizei. Anhand des Zahnschemas wurde festgestellt, dass es sich um die sterblichen Überreste Julia Kührers handelte.

Der noch am Freitag in der Früh in Wien festgenommene Michael K. war Verfügungsberechtigter über das Grundstück Dietmannsdorf 3, so Geiger. Der Mann hatte einst eine von Jugendlichen offensichtlich stark frequentierte Videothek in Pulkau betrieben. Er habe das Geschäft "einige Zeit" nach dem Verschwinden Julia Kührers aufgegeben und das mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten erklären können. Der nun 50-Jährige, der sich im sozialen Netzwerk Facebook jünger ausgab und dort 28 bis auf eine Ausnahme weibliche "Freunde" zählt, war in der Folge mehrfach befragt worden. Eine Hausdurchsuchung bei Michael K. habe es nicht gegeben. Er sei wie viele andere auch eine "Gelegenheitsperson" und "kein Verdächtiger" gewesen, sagte Geiger.