Erstellt am 10. Juni 2011, 11:52

Sprossen wahrscheinlich Ursache für EHEC. Sprossen sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) mit großer Wahrscheinlichkeit die Ursache für die schwere EHEC-Epidemie in Deutschland. Das sagte RKI-Präsident Reinhard Burger am Freitag in Berlin. "Der Ausbruch ist noch nicht vorbei."

 |  NOEN, Frank Leonhardt (dpa)
Es gebe weiterhin Neuerkrankungen. Bundesweit sind bisher 29 Menschen nach einer Infektion mit dem aggressiven Darmkeim gestorben.

Der Auslöser der EHEC-Epidemie ist wohl ermittelt: Die bereits verdächtigten Sprossen sind mit großer Wahrscheinlichkeit Ursache für den EHEC-Ausbruch in Deutschland. Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, stellte am Freitag in Berlin die jüngsten Untersuchungsergebnisse seiner Experten vor. Paradeiser, Gurken und Blattsalate könnten wieder ohne Bedenken gegessen werden, sagte Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Die Warnung vor Sprossen bleibe dagegen bestehen. Besonders rohe Sprossen sollten nicht gegessen werden.

In Österreich wurde der deutsche Ausbruchsstamm nie nachgewiesen, wie Pamela Rendi-Wagner, Generaldirektorin für öffentliche Gesundheit, im Ö1-Mittagsjournal betonte. Mehr als 470 Proben wurden heuer gezogen, in Österreich habe es keinen Anlass zur Sorge gegeben. Dass es sich in Deutschland bei dem Auslöser um rohes Gemüse gehandelt haben könnte, wurde aufgrund des Geschlechts und des Alters der Opfer angenommen: meist erwachsene Frauen, die sich gesund ernährt haben. Dennoch: "Der endgültige Beweis ist bisher in Deutschland ausgeblieben", so Rendi-Wagner.

Erfreut über die Aufhebung der deutschen Warnung zeigte sich Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich (V). "Diese Warnung hat zu einer massiven Verunsicherung der Konsumenten in ganz Europa geführt", so der Minister. "Das ist eine positive Nachricht für unser Nachbarland und auch für uns. Ich bin überzeugt, dass sie dazu führen wird, das Konsumentenvertrauen in Europa und somit auch Österreich wieder zurückzuerobern", sagte Berlakovich

"Wir sind ein Stück weit erleichtert", sagte auch die deutsche Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU). Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) betonte, es sei gut, dass die Warnung nun auf Sprossen beschränkt wurde. Für die Bürger sei jetzt klarer, wie sie sich schützen könnten. EHEC-Entwarnung könne weiterhin nicht gegeben werden. Die Zahl der Neuerkrankungen sei aber weiter deutlich rückläufig. Er sei sicher, dass die Lage in vielen Krankenhäusern sich wieder normalisiere. RKI-Chef Burger sagte: "Der Ausbruch ist noch nicht vorbei."

Burger erklärte: "Möglich wäre, dass die Infektionsquelle versiegt ist." Dies stehe aber noch nicht fest. Denkbar sei auch, dass die betroffenen Lebensmittel nur über einen bestimmten Zeitraum mit dem EHEC-Erreger in Kontakt gewesen seien. Es gebe noch Klärungsbedarf.

In Niedersachsen ist am Freitag bekanntgeworden, dass eine weitere Frau nach einer EHEC-Infektion gestorben sei. Die 75-Jährige aus dem Landkreis Göttingen starb bereits vor einer Woche, wie das niedersächsische Gesundheitsministerium in Hannover mitteilte. Damit erhöhte sich die Zahl der Todesfälle in Deutschland auf mindestens 30 Menschen.

Der Biohof in Bienenbüttel im Kreis Uelzen ist inzwischen komplett gesperrt und darf kein Gemüse mehr in den Handel liefern, wie Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) in Hannover sagte. Bisher galt das Verkaufsverbot nur für Sprossen. Der Betrieb sei nun definitiv als Hauptauslöser für die Erkrankungswelle ausgemacht worden. Im Labor konnte der grassierende EHEC-Erreger auf Sprossen bisher aber nicht nachgewiesen werden.