Erstellt am 26. Mai 2011, 11:00

Ständig im Training: Polizisten und Spürhunde üben Ernstfall. Die Gefahr am Neusiedler See lauert nicht in der Tiefe des Gewässers, sondern meist darin, eben diese zu unterschätzen, sind sich Polizisten einig.

 Jedes Jahr müssen Einsatzkräfte oft tagelang nach verunglückten bzw. vermissten Personen suchen. Unterstützung erhalten die Beamten dabei von ihren vierbeinigen Kollegen. Die sechsjährige Pandora präsentierte mit zwei ihrer Kollegen im Zuge eines dreitägigen Seminars des See- und Stromdienstes der Polizei und der Polizeidiensthundeführer im Fachbereich der Leichen- und Blutspurensuche in Podersdorf ihre Arbeit den Medienvertretern.

Mit erschwerten Arbeitsbedingungen wie bei jedem "normalen" Einsatz hatte Pandora am Mittwochnachmittag bei der Übung vor zahlreichen Journalisten zu kämpfen. Vier Tage zuvor wurde in der Nähe des Schilfgürtels eine geschützte Box mit Gewebeteilen eines toten Menschen eingesetzt, der seine Überreste der Wissenschaft zur Verfügung stellte, erklärte Gruppeninspektor Wolfgang Schneider vom Bundesausbildungszentrum für Polizeidiensthunde. Dabei handle es sich um ein "ethisch hoch sensibles Thema".

Trotz starken Windes und hohen Wellengangs dauerte es nur wenige Minuten, bis die Hündin mit lautem Bellen auf ihren Fund aufmerksam machte. Um Überblick zu bewahren, wird der See bei jedem Sucheinsatz rasterförmig eingeteilt und sukzessive abgefahren. Schlägt ein Diensthund an einer Stelle Alarm, werden meist zwei weitere in diesen Bereich geschickt, um auf Nummer sicher zu gehen. Liegt kein Zweifel an dem Fund, kommen die Taucher zum Einsatz. "Hier geht das nur mit Ertasten", so Schneider.

Die Hunde erschnüffeln bei ihrer Arbeit am See "Fettgeruchsstoffe, die im Zuge der Verwesung freigegeben werden", erklärte der Gruppeninspektor. Antrainiert wird dies zuerst an Land: "Die Hunde werden über die Landsuche aufgebaut und dann zum Medium Wasser geführt." Der Bereich der Blut- und Leichenspuren ist für die Vierbeiner eine Zusatzausbildung.

In Österreich gibt es momentan 16 Polizeidiensthundeführer, die in diesem Spezialgebiet tätig sind: 15 Männer und Pandoras Frauerl, Sabrina Lendway, verschaffen Gewissheit. "Das Recht auf Gewissheit für Angehörige steht immer im Vordergrund", sagte Schneider. Man könne eher zur Ruhe kommen, wenn die vermisste Person gefunden und geborgen wurde.

Die Hunde kommen meistens im Alter von nur wenigen Wochen zu den Diensthundeführern und werden dann ausgebildet. Sofern die Gesundheit mitspielt, sind die Kommissare auf vier Beinen bis zum neunten oder zehnten Lebensjahr im Einsatz, erklärte Schneider. "Danach gehen die Hunde in Pension."