Erstellt am 12. Juni 2011, 20:29

Staub und Härte am zweiten Tag. Heftiger Wind hat am Sonntag den trockenen Boden auf dem Nova-Rock-Gelände, den Pannonia Fields II bei Nickelsdorf im Burgenland, aufgewirbelt, "schwere Klänge" ließen die Ohren dröhnen.

Ein erster Höhepunkt des heavy ausgelegten Programms war der Auftritt von Cavalera Conspiracy am späteren Nachmittag. Die brasilianischen Brüder Max (Gesang, Gitarre) und Igor Cavalera (Drums) ließen den Geist ihrer früheren gemeinsamen Band Sepultura auferstehen und boten perfekten Death-Thrash-Metal.

Die erste Überraschung gelang allerdings Asking Alexandria zur Mittagszeit: Die britische Hardcore-Formation mit Hang zur Melodie weckte die vom Vorabend ermatteten Festival-Besucher auf, vor der "Blue Stage" bildete sich eine für diese Zeit recht große Menschentraube. Jene, die nicht den Darbietungen von Acts wie Blood Command, Kellermensch oder des dynamischen Alternative-Rock-Duos Blood Red Shoes lauschen wollten, verzogen sich an die umliegenden Badestrände. Podersdorf etwa glich einem Ausweichquartier für schwarz gekleidete Rock-Fans.

Lärm servierten Times Of Grace, ein Metalcore-Projekt von Adam Dutkiewicz, einem Multiinstrumentalisten, der sonst bei Killswitch Engage mitwirkt. Mit Sänger Jesse Leach steht auch noch ein Ex-Mitglied dieser US-Gruppe am Mikro. Nun, laut war es zumindest. Auf der zweiten großen Bühne, der "Red Stage" ließ Duff McKagan mit seiner Formation Loaded Hardrock der 80er Jahre mit Punkeinflüssen aufleben. Der Ex-Guns N' Roses-Bassist beherrschte das "Fuck You Motherfuckers" wie kein zweiter bei dem Open Air.

Vorgestellt haben sich zuvor die Broilers auf der "Red Stage". Die Oi-Punks sind bei der Plattenfirma der Toten Hosen unter Vertrag und veröffentlichen dieser Tage ihr Debüt "Santa Muerte" (EMI). Die Single "Harter Weg" ist in Deutschland bereits in die Charts eingestiegen. Live mischten sie Einflüsse aus Ska und Reggae in ihren Sound. Auf der "Blue Stage" machten Black Stone Cherry soliden Old-School-Hardrock mit Power, es rockte für 45 Minuten gut zwischen sonst mitunter belanglosen Auftritten.

Entrisch die Szene für Nicht-Nova-Rock-Kenner: Da torkelten erschöpfte Gestalten in Kostümierung - vom Borat-Outfit über T-Shirts mit seltsamen Botschaften ("Krankes Hirn - Sauftour Kreta 06", "Vollfett" usw.) bis zu Männern in Bikinis, Wikinger und Osterhasen - durch die Staubwolken. So war es vielleicht ganz gut, dass man am Weg zwischen den zwei Bühnen wegen des Staubs keine zehn Meter Sicht hatte.

Am Abend standen noch Gigs von Danzig, Korn, Volbeat, 3 Doors Down und Flogging Molly auf dem Programm. Bis dahin konnte man Kebabs um schlappe fünf Euro mampfen und - so der neue Nova-Rock-Trend - nackt durch die Menge rennen. Besser, als Bierbecher werfen, eine der wenigen wirklichen Unarten bei der Freakshow mit täglich um die 55.000 Besucher (so die Polizei).