Erstellt am 20. Juni 2015, 13:39

von APA/Red

Mindestens zwei Tote bei Amokfahrt in Graz. Die Amokfahrt eines Mannes mit einem Geländewagen in der Grazer Innenstadt hat am Samstag laut einem Augenzeugen zumindest zwei Todesopfer gefordert.

 |  NOEN, Stefan Obernberger

Das Ausmaß der Tat dürfte enorm sein: Laut Polizei wurden 34 Personen verletzt. Unter den drei Toten bei der Amokfahrt in Graz ist ein vierjähriger Bub aus Österreich, der in der Herrengasse angefahren worden war, teilte die Polizei am Abend mit. Bei den beiden erwachsenen Toten handelt es sich um einen 28-jährigen Österreicher – ihn erwischte es nahe der Synagoge – sowie eine 25-jährige Frau, die wie der Bub in der Herrengasse gerammt worden war.

Der Täter ist laut Augenzeugen mit rund 100 km/h durch die Herrengasse auf der Höhe des Hauptplatzes gerast, wo sich mehrere Cafés befinden. "Wir dachten zuerst an eine Schießerei, da der Wagen auch mehrere Sessel erfasst hat", berichtete eine Augenzeugin. Unter den Passanten herrschte Panik, die Menschen versuchten sich in die Gebäude zu retten.

LH Schützenhöfer bereits auf dem Weg nach Graz

Der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) sowie Landeshauptmann-Stellvertreter Michael Schickhofer (SPÖ) brachen in der Zwischenzeit ihren Besuch bei einer Feuerwehrveranstaltung ab und machten sich auf den Weg in die steirische Hauptstadt. Ein Krisenstab wurde eingerichtet.

In einer ersten Stellungnahme verurteilte Schützenhöfer das Geschehene als "abscheuliche Tat", für derartiges gebe es "weder eine Erklärung noch eine Entschuldigung". Seine Gedanken seien bei den Angehörigen der Opfer und bei den Verletzten, so der Landeshauptmann.

Angesichts der großen Anzahl von Verletzten ist ein Großaufgebot an Rettungskräften im Einsatz: Rund 60 Kranken- und Notarztautos sind in Herrengasse und Hauptplatz, der ÖAMTC hat vier Rettungshubschrauber im Einsatz.

Auch Einsatzkräfte aus Oberwart helfen

"Wir haben alles aus der Region mobilisiert", so der Sprecher des Roten Kreuzes Steiermark, August Bäck. Erschwerend sei hinzugekommen, dass man noch eine Hundertschaft an Kräften beim Formel 1-Grand Prix im obersteirischen Spielberg habe. Man habe alle Ressourcen aus Eskalationsstufe mobilisiert, auch Rotkreuzwagen, die aus anderen Bezirken gerade in Graz waren. Es sei ein richtiggehender "Massenanfall" an Patienten gewesen, die binnen kurzer Zeit versorgt werden mussten.

Auch der ÖAMTC schickte alles nach Graz, was gerade verfügbar war, so ein Sprecher: "Die Hubschrauber C3 aus Wiener Neustadt, C11 aus Klagenfurt, der Christophorus 12 aus Graz sowie der C16 aus Oberwart, die Verletzte in die Kliniken flogen".

Innenministerin ist erschüttert

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) hat die Amokfahrt in der Grazer Innenstadt als "erschütternde Tat" bezeichnet. "Unser Mitgefühl gilt jetzt vor allem den Opfern und ihren Hinterbliebenen dieser unfassbaren Tat. Die Betreuung der Betroffenen und die Sicherung des Tatorts stehen jetzt an erster Stelle", so Mikl-Leitner am Samstagnachmittag.

Die Polizei arbeite jetzt auf Hochtouren an der Klärung der Hintergründe und des Motivs, so die Innenministerin in ihrer Stellungnahme.