Erstellt am 04. Oktober 2011, 20:52

Tochter jahrelang missbraucht: 18 Jahre Haft für Wiener. Weil er seine Tochter ab dem Alter von fünf Jahren bis zu ihrem zwölften Lebensjahr hinweg sexuell missbraucht und vergewaltigt haben soll, ist am Dienstag in Eisenstadt ein 55-jähriger Wiener zu 18 Jahren Haft und Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher verurteilt worden.

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Die Anklage legte dem Mann insgesamt 18 Delikte, darunter schweren sexuellen Missbrauch, Blutschande, Kinderpornografie sowie Nötigung und gefährliche Drohung zur Last. Ein Schöffensenat unter Vorsitz von Wolfgang Rauter sprach den Angeklagten in allen Punkten - ausgenommen dem Besitz einer verbotenen Waffe - schuldig. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Die Übergriffe, der Staatsanwalt sprach von "einer dreistelligen Anzahl", sollen im Zeitraum vom Herbst 2000 bis Anfang Dezember 2007 verübt worden sein. Der Wiener hatte längere Zeit mit seiner Familie im Burgenland gelebt. Im Oktober des vergangenen Jahres kam es zu einem Streit mit seiner damaligen Frau. Der 55-Jährige soll sie dabei getreten, geschlagen und ihr gedroht haben: "Ich könnte dich töten, vielleicht tue ich es noch." Die Frau erstattete Anzeige, daraufhin erzählte ihr ihre Tochter von den Übergriffen, worauf sie sich erneut an die Polizei wandte.

Der Angeklagte habe seine Tochter bei Übergriffen auch manchmal ans Bett gebunden, ihr eine Maske über den Kopf gezogen und ihr den Hals zusammengedrückt, so der Staatsanwalt. Die Tochter habe eine Persönlichkeitsentwicklungsstörung erlitten, die einer schweren Körperverletzung gleichkomme. Der Freund der mittlerweile 16-Jährigen berichtete von zeitweisen Angstzuständen des Mädchens, "wenn es dunkel wird".

Seinen Halbbruder soll der Wiener einmal aufgefordert haben, seine Tochter im Intimbereich zu berühren, als sie teilweise entkleidet auf dem Bett gelegen sei. Als dieser entsetzt ablehnte, soll ihm der Wiener gedroht haben, dass seinen Kindern etwas passiere, wenn er nicht über den Vorfall schweige.

Die Übergriffe des Angeklagten gegenüber der eigenen Tochter hätten erst dann eine Ende genommen, als das Mädchen "offenbar den pädophilen Neigungen des Angeklagten nicht mehr entsprach", so der Anwalt des Opfers. Die 16-Jährige leide an Angstzuständen, Depressionen und Flashbacks: "Sie sieht immer wieder diese Bilder der sexuellen Gewalt vor sich." Die Forderung nach 30.000 Euro Schmerzensgeld sowie der Übernahme künftiger Kosten, die womöglich aus den Taten resultieren sollten, akzeptierte der 55-Jährige, der am Prozessende betonte, er habe "das Beste" für seine Tochter gewollt.

Der 55-Jährige zeigte sich zu den Vorwürfen der Anklage teilweise geständig. Er gab die sexuellen Übergriffe an seiner Tochter zu, bestritt jedoch, Gewalt angewendet zu haben. "Über das Alter meiner Tochter war ich mir immer im Klaren", sagte der 55-Jährige auf eine Frage des Richters. Auch, dass er von dem Mädchen Fotos gemacht habe, gab der Wiener zu. Den Streit mit seiner Frau schilderte der Angeklagte anders als der Staatsanwalt: Er sei selber verletzt worden und hätte auch seine Frau anzeigen können.

"Sind sie wirklich der Meinung, dass so etwas an einem jungen Menschen ohne Folgen vorbeigeht?", wollte der Vorsitzende vom Angeklagten wissen. "Ich habe geglaubt, weil ich immer mit ihr reden konnte über diese Dinge, dass sie sie ohne Schaden überstanden hat", antwortete dieser.

Die Ex-Frau des Angeklagten verzichtete auf eine Aussage. Die psychiatrische Gutachterin stellte fest, dass der 55-Jährige fähig gewesen sei, zu erkennen, was er tue: "Er ist für sein Handeln verantwortlich." Sie konstatierte bei dem Wiener eine pädophile Störung. Die Gefährlichkeit, die von ihm ausgehe im Sinne weiterer pädophiler Delikte, sei "als sehr hoch einzuschätzen."

Der Staatsanwalt beantragte "einen Schuldspruch vollinhaltlich im Sinne der Anklageschrift" sowie eine Ausdehnung des Strafhöchstmaßes von 15 auf 20 Jahre, wie dies laut § 39 des Strafgesetzbuches (Strafschärfung bei Rückfall) vorgesehen sei. Der Senat gab diesem Antrag statt.

Der Verteidiger hob die nach seiner Meinung "im Großen und Ganzen" geständige Verantwortung des Angeklagten hervor. Der in Vergangenheit zweifach einschlägig wegen sexuellem Missbrauch mehrerer Kinder Verurteilte habe sich vier Jahre "wohl verhalten", bevor es zu den angeklagten Straftaten gekommen sei. Er ersuche "um eine schuldangemessene Bestrafung", meinte der Jurist.

Als der 55-Jährige im Prozess emotional darauf hinwies, dass er früher unter den Haftumständen sehr gelitten habe, antwortete ihm der Richter: "Mitleid habe ich in dem Verfahren mit einem Menschen, mit Ihrer Tochter."

"Es tut mir leid, das Ganze", betonte der Angeklagte in seinem Schlusswort. Er habe "gedacht, dass mit meinen Kindern vielleicht das gut werden können würde, was in meiner Kindheit schlecht war und was ich in den folgenden Jahren an Verbrechen begangen habe. Ich bin gescheitert", bekannte der 55-Jährige. Nach der Verkündung des Strafausmaßes von 18 Jahren meinte der Mann: "So alt kann ich ja nimmer werden."

"Es ist dem Senat überhaupt noch nie eine derart widerliche Ansammlung von strafbaren Handlungen untergekommen", stellte der Vorsitzende fest. Erschwerend wertete das Gericht neben dem kindlichen Alter des Opfers die große Zahl der Delikte und Tathandlungen. Als mildernd wurden das teilweise Geständnis und der Umstand bewertet, dass es teilweise beim Versuch geblieben sei. Der Verurteilte legte Berufung ein, der Staatsanwalt verzichtete auf Rechtsmittel.