Erstellt am 25. August 2011, 12:03

Töchter seit 1970 missbraucht. Ein 80-jähriger Innviertler soll sich jahrzehntelang an seinen beiden Töchtern vergangen haben. Dem Mann aus dem Bezirk Braunau in Oberösterreich wird vorgeworfen, sie von 1970 bis Anfang Mai 2011 regelmäßig sexuell missbraucht und körperlich misshandelt zu haben.

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Zudem soll er den Frauen - heute 53 und 45 Jahre alt - jegliche Sozialkontakte untersagt und mit ihnen nur einen Raum eines Hauses bewohnt haben. Das teilte die Sicherheitsdirektion Oberösterreich am Donnerstagvormittag mit und bestätigten damit einen Bericht der "Oberösterreichischen Nachrichten".

Wiederholt mit dem Umbringen bedroht
In den Einvernahmen berichteten die Opfer, dass sie ihr Vater wiederholt mit dem Umbringen und mit Waffen bedroht habe. Er soll auch seine Ehefrau, die vor drei Jahren starb, misshandelt haben. Die Frauen seien offenbar so eingeschüchtert worden, dass sie nie zur Polizei gingen, erklärte Sicherheitsdirektor Alois Lißl am Donnerstagvormittag.

Eine Außenstehende brachte den Fall schließlich ins Rollen: Vergangenen Mai wollte der 80-Jährige erneut seine ältere Tochter vergewaltigen. Die Frau wehrte sich aber und stieß ihn zurück, der Mann stürzte. Er konnte nicht mehr aufstehen, seine Töchter ließen ihn am Boden liegen. Erst zwei Tage später riefen sie eine Sozialarbeiterin, die ihm half. Sie erstattete Anzeige bei der Polizei. Wie man dem Mann dann genau auf die Schliche kam, konnte Lißl vorerst nicht sagen.

Bürgermeister "betroffen, das so etwas passiert"
"Ich bin sehr betroffen darüber, dass so etwas passieren kann", sagte der Bürgermeister der 2.400-Einwohner-Gemeinde. Als er davon in der Zeitung las, sei er sehr schockiert gewesen. Gerüchte über einen Inzestfall habe es im Ort nicht gegeben. "Wenn jemand davon gewusst hätte, hätte er Alarm geschlagen", ist das Gemeindeoberhaupt überzeugt.

Polizist: "Geistige Defizite bei Opfern"
"Bei den mutmaßlichen Opfern sind geistige Defizite vorhanden", berichtete Bezirkspolizeikommandant Martin Pumberger. Die Frauen befänden sich in Betreuung. Der Tatverdächtige werde ebenfalls abgeschirmt und medizinisch versorgt.

Der Verdächtige sei zwar nicht mobil, für sein Alter aber geistig rege, so Pumberger. "Die Frauen sind offensichtlich erleichtert, dass sie von der Last befreit sind."

Die Einvernahme des 80-Jährigen sei abgeschlossen, er streite alles ab, sagte der Bezirkspolizeikommandant. Über die weitere Vorgehensweise werde die Staatsanwaltschaft Ried entscheiden.