Erstellt am 03. Juli 2011, 10:52

U-Haft über Verdächtigen verhängt. Der im Kriminalfall Julia Kührer verdächtige Michael K. (50) aus Wien ist am Sonntag über Anordnung der Staatsanwaltschaft in die Justizanstalt Korneuburg überstellt worden. Es sei die Verhängung der U-Haft beantragt worden, sagte Friedrich Köhl, Sprecher der Korneuburger Anklagebehörde.

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 Das Gericht habe darüber binnen 48 Stunden zu entscheiden. Es bestehe Mordverdacht, so Köhl. Dazu lägen Flucht- und Verdunkelungsgefahr vor - letztere, weil Mittäter nicht ausgeschlossen werden könnten.
 
Michael K. sei bis Samstagabend im Landeskriminalamt NÖ in St. Pölten von der Polizei einvernommen worden, teilte Helmut Greiner, Sprecher des Bundeskriminalamtes (BK), auf Anfrage mit. Der Verdächtige sei bei seiner Verantwortung geblieben, mit einem Verbrechen an dem Mädchen aus Pulkau (Bezirk Hollabrunn) nichts zu tun zu haben. Er habe jeden Zusammenhang bestritten.
 
Staatsanwalt Köhl merkte am Sonntag zur weiteren polizeilichen Arbeit an, dass die intensive Untersuchung des Wohnhauses Dietmannsdorf 3 in der Gemeinde Zellerndorf (Bezirk Hollabrunn) anstehe. Bisher habe die Konzentration einem Erdgewölbe auf dem Grundstück gegolten, wo am Donnerstagabend - durch Zufall - zunächst Knochenreste und in der Folge das vollständige Skelett von Julia Kührer gefunden wurden. Michael K. ist Verfügungsberechtigter über das Haus, hatte Ermittlungsleiter Ernst Geiger vom BK am Freitagabend erklärt.
 
Mit dem vollständigen Skelett stehe fest, dass die Leiche Julia Kührers nicht zerstückelt wurde, merkte Greiner am Samstag an. Beamte der Tatortgruppe hätten an der Auffindungsstelle "gesiebt und gegraben". Anhand des Zahnschemas war noch am Freitag eindeutig festgestellt worden, dass es sich um die sterblichen Überreste der jungen Niederösterreicherin handelte. Das Skelett befand sich ab Samstag in der Gerichtsmedizin.
 
Dietmannsdorf 3 gilt als ein Ort, an dem Julia Kührer ums Leben gekommen sein könnte. Die Tatortgruppe und Spuren-Sachverständige hätten die Arbeit aufgenommen, erklärte Greiner am Sonntag in den Mittagsstunden. Dass es in dem Kriminalfall um das fünf Jahre vermisst gewesene Mädchen weitere Hausdurchsuchungen gegeben habe, bestätigte der Sprecher nicht. Es habe sich - wie vorgesehen - um "Ermittlungen im näheren und weiteren Umfeld" des 50-Jährigen gehandelt.
 
Michael K. will "viele Feinde" gehabt haben, hatte Greiner am Samstagabend mitgeteilt. Der Verdächtige versuche, die Schuld von sich abzulenken. So argumentiere der frühere Betreiber einer von Jugendlichen offensichtlich stark frequentierten Videothek in Pulkau, dass die Leiche des Mädchens auf dem Grundstück Dietmannsdorf 3 abgelegt worden sei.
 
Auch nach der Auffindung des Skeletts der seit 27. Juni 2006 vermisst gewesenen Julia Kührer und der Festnahme von Michael K. gibt es in dem Kriminalfall viele offene Fragen. So stehen der Zeitpunkt und der Ort der Tat, die Todesursache (diesbezüglich ist die Gerichtsmedizin eingeschaltet) sowie ein Motiv noch nicht fest. Die Kriminalisten gehen jedenfalls von einem Verbrechen aus.
 
Unter dem Titel "Im Gedenken Julia Kührer" findet sich im sozialen Netzwerk "Facebook" (http://www.facebook.com/home.php#!/JuliaKuehrer) eine Seite, die an das Mädchen erinnern soll. Sie sei "den Eltern, der Familie, den Freundinnen und Freunden" zur Verfügung gestellt, "als Facebook Gedenk- und Kondolenzbuch".
 
Michael K. ist ebenfalls in Facebook zu finden, wo er sich sieben Jahre jünger als 50 ausgibt. Er zählt im sozialen Netzwerk 28 bis auf eine Ausnahme weibliche "Freunde". Unter der Rubrik "Interessiert an" hat er "Frauen" angeführt.