Erstellt am 02. September 2011, 12:49

Unwetter brachten Millionen-Agrarschäden. Eine Gewitterfront mit starkem Hagelschlag hat am Donnerstag in den Nachmittags- und Abendstunden in der Südoststeiermark und im Südburgenland Schäden von bis 2,7 Millionen Euro in der Landwirtschaft angerichtet, wie erste Schätzungen der Österreichischen Hagelversicherung (ÖHV) am Freitag ergaben.

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Golfballgroße Hagelschlosse haben vor allem Obst- und Weinkulturen in den Bezirken Feldbach und Radkersburg massiv beschädigt. Betroffen sind über 5.000 Hektar Agrarfläche. Über 70 Feuerwehren waren in den verschiedenen Bezirken stundenlang im Einsatz, um Straßen freizumachen, Keller auszupumpen und abgedeckte Dächer zu sichern.

Das Unwetter war kurz, aber heftig: Die ersten Schäden durch kleinere Murenabgänge wurden am Nachmittag aus dem Bezirk Murau gemeldet, in Judendorf-Straßengel (Graz-Umgebung) wurden gegen 17.30 Uhr sämtliche Bahnunterführungen überflutet. Kurz darauf musste aus dem gleichen Grund die Autobahnauffahrt Graz-Raaba gesperrt werden. Bis zu 55 Liter Regen pro Stunde und Quadratmeter setzte Nebenstraßen und Keller unter Wasser, Windböen rissen Bäume um.

Im Bezirk Feldbach zerstörte in den frühen Abendstunden vor allem starker Hagel - bis zu tennisballgroße Hagelkörner wurden registriert - Windschutzscheiben von Autos, beschädigten Dächer und verwüsteten Agrarkulturen. Über 500 Mann von 40 Feuerwehren waren allein im Bezirk Feldbach bis spät in die Nacht im Einsatz. Umgeknickte und entwurzelte Bäume behinderten den Verkehr oder drohten auf Häuser zu stürzen und mussten entfernt werden. In Graz rückte die Berufsfeuerwehr 200 mal aus. Wie es vom Landesfeuerwehrverband hieß, waren landesweit rund 60 Wehren mit etwa 700 Kräften im Einsatz.

Im Südburgenland waren die Wehren im Bezirk Jennersdorf am Abend zu zahlreichen Einsätzen gerufen worden: Das Unwetter mit Starkregen überflutete Keller und Straßen im Raum Rax und Jennersdorf, hieß es aus der Landessicherheitszentrale Burgenland am Freitag. Die Landesstraße von Rax nach Weichselbaum war kurzzeitig vermurt.

Laut Hagelversicherung habe es noch nie in der über 60-jährigen Unternehmensgeschichte zu so einem späten Zeitpunkt so großräumige und folgenschwere Hagelereignisse gegeben. "Das zeigt wieder einmal deutlich, wie sehr die Landwirtschaft mit ihrer Werkstatt unter freiem Himmel ganzjährig vom Wetter abhängig ist", so Vorstand Kurt Weinberger.

Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik hat an ihrer Wetterstation im oststeirischen Bad Gleichenberg fiel zwischen 18.30 Uhr und 18.50 Uhr rund 48 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Die Station an der Grazer Uni meldete innerhalb von 40 Minuten 52 Liter Niederschlag. Seit Aufzeichnungsbeginn der kurzfristigen Niederschlagsereignisse im Jahr 1992 seien solche Regenmengen binnen 40 Minuten noch nie gemessen worden.