Erstellt am 01. Juli 2011, 18:26

Vermisste Julia Kührer tot - Skelettteile identifiziert. Die seit fünf Jahren vermisste Julia Kührer ist tot: Bei den in einem Keller in Dietmannsdorf (Bezirk Hollabrunn) entdeckten Skelettteilen handelt es sich um die Überreste der 16-jährigen Schülerin aus Pulkau im gleichen Bezirk. Die Identifizierung Julia Kührers sei über das Zahnschema erfolgt, teilte Ermittlungsleiter Ernst Geiger vom Bundeskriminalamt mit.

Das gaben die Kriminalisten unter Ernst Geiger (Bundeskriminalamt) Freitagabend in Pulkau bekannt. Am Vormittag war in Wien der 50-jährige Michael K., ehemals Betreiber einer Videothek in dem Ort, festgenommen worden. Er befindet sich in Verwahrungshaft.

Die 16-Jährige war am 27. Juni 2006 von der Schule nicht mehr nach Hause. Sie wurde damals um 13.33 Uhr zuletzt beim Aussteigen aus einem Linienbus von Horn im nördlichen Niederösterreich kommend auf dem Hauptplatz ihrer Heimatgemeinde gesehen. Jahrelange Erhebungen der Kriminalisten hatten zunächst zu keinem Ergebnis geführt.

Das änderte sich Donnerstag schlagartig. Wie in anderen großen Fällen habe der Zufall eine Rolle gespielt, berichtete Ermittlungsleiter Ernst Geiger vom Bundeskriminalamt am Freitag in Pulkau. Nachbarn hatten die Skelettreste am Donnerstagabend in Dietmannsdorf gefunden, nachdem beim Spielen mit einem Hund ein Ball über die Grundstücksgrenze gefallen war. Exakt um 19.07 Uhr wurde die Exekutive informiert, teilte Andreas Thenner vom Landespolizeikommando NÖ mit.

Die Nachbarn hatten Geiger zufolge mit Taschenlampen ein mit einer Spanplatte abgedecktes Erdloch, ein Gewölbe, in Augenschein genommen. Dabei stießen sie auf die Reste eines menschlichen Skeletts. Wie der Ermittlungsleiter weiter ausführte, wurde auch ein verbrannter Teil eines Englisch-Lexikons entdeckt. Ein solches Buch war mit Julia Kührer verschwunden.

Im Laufe des Freitags lieferte die Gerichtsmedizin den Beweis, dafür, dass die Vermisste tot ist. Die Identifizierung Julia Kührers sei über das Zahnschema erfolgt, teilte Geiger mit. Die Eltern des Mädchens seien informiert worden. Eine DNA-Analyse stehe noch aus. Ernst Geiger (Bundeskriminalamt) nannte im Zusammenhang mit der Identifizierung die Stellung der Zähne und die Extraktion von zwei Schneidezähnen als eindeutige Merkmale. Es sei von einer Gewalttat auszugehen. Ob der Fundort der Skelettteile auch der Tatort für das Verbrechen gewesen sei, bezeichnete der Kriminalist als noch offene Frage. Man stehe wieder am Beginn umfangreicher Ermittlungen.

Unklar ist bisher offenbar auch die Rolle des am Freitag in den Morgenstunden festgenommenen Michael K. (50) aus Wien. Der Mann - Verfügungsberechtigter für das Haus mit dem Erdkeller - bestreitet laut dem Kriminalisten, mit der Tat in Zusammenhang zu stehen. Der Mann sei kein Unbekannter, aber auch kein Tatverdächtiger gewesen. Er sei im Zuge der jahrelangen Ermittlungen "viermal auf 20 Seiten einvernommen" worden. Daraus habe sich "kein konkreter Tatverdacht" gegen den Mann ergeben, welcher ehemals eine Videothek in Pulkau betrieben hatte. K. kannte jedenfalls Julia Kührer.

Der Wiener Anwalt der Familie Kührer, Gerald Ganzger, bat Freitagabend im Namen der Eltern der Toten um Zurückhaltung der Medien. "Es kann sich wohl jeder vorstellen, wie es den Eltern nun geht. Die Medienvertreter werden ersucht, die Privatsphäre der tief geschockten Eltern zu respektieren, um ihre Betreuung durch das Krisenteam nicht zu gefährden", so der Jurist.

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