Erstellt am 22. Mai 2012, 11:31

Veruntreute Oberbank-Millionen - Prozess in Eisenstadt. Ein Betrugsfall, der wegen seiner Dimensionen für Schlagzeilen gesorgt hat, wird heute, Dienstag, im Landesgericht Eisenstadt neu aufgerollt.

Ein ehemaliger Mitarbeiter der Oberbank im Burgenland soll im Zeitraum von September 2008 bis Dezember 2010 in großem Ausmaß Kundengelder abgezweigt haben. Der Staatsanwalt bezifferte in seinem Anklagevortrag den Gesamtschaden mit rund 9,5 Millionen Euro. Der 35-Jährige, der seit 17 Monaten in Untersuchungshaft sitzt, muss sich ebenso wie sein 37-jähriger ehemaliger Geschäftspartner aus Ungarn wegen gewerbsmäßigen schweren Betrugs, schweren Diebstahls und Untreue verantworten.

Der 35-Jährige, damals Teamleiter bei der Oberbank, und der 37-jährige Ungar, ein gelernter Koch-Kellner mit einschlägigen Vorstrafen, hätten sich 2006 kennengelernt und beschlossen, ins Gastgewerbe einzusteigen, so Staatsanwalt Richard Ropper. Beide betrieben zunächst Lokale in Ungarn. 2008 sei man auf eine "vermeintlich große Geschäftsgelegenheit" aufmerksam geworden. Beim ehemaligen Soproner Südbahnhof wurde ein Komplex mit einem Gastronomiebetrieb, einer Diskothek und einer Pension zum Kauf angeboten - zum Preis von vier Millionen Euro.

Beide hätten beabsichtigt, gegen 500.000 Euro Anzahlung die Anlage zunächst für ein Jahr zu mieten, um dann aus den Erträgen den Kredit für den Ankauf zu finanzieren. Um die Anzahlung leisten zu können, habe der 35-Jährige 2008 zum ersten Mal "in die Kassa gegriffen". Schließlich habe der Zweitangeklagte dem Burgenländer eröffnet, dass es mit der in Aussicht gestellten Finanzierung durch eine ungarische Bank doch nichts werde.

In den folgenden Jahren habe sich dieses "Spiel" mehrfach wiederholt: Um vom Geschäftspartner behauptete Aufwendungen abzudecken, habe der Erstangeklagte immer wieder Zahlungen geleistet, für die er die Mittel auf verbotene Weise beschaffte.

Um weiter an Geld zu kommen, habe der Ungar dem Burgenländer 2009 vorgespiegelt, dass seine Tochter entführt worden sei. Schließlich habe er beim 35-Jährigen den Eindruck erweckt, dass er von der Russenmafia bedroht und in Geiselhaft genommen worden sei, so der Ankläger. Allein von April bis Dezember 2010 seien 4,5 Millionen Euro aus Malversationen des mittlerweile entlassenen Bankers an den Mitangeklagten geflossen.

An das Geld sei der Erstangeklagte gekommen, indem er teilweise Bankmitarbeiterinnen mittels fingierter Auszahlungsbelege getäuscht habe. Einmal soll der 35-Jährige eine Kundin bestohlen haben, indem er Bargeld aus ihrem Safe nahm. Und schließlich habe der Bankmitarbeiter auch selbst Überweisungen getätigt, wodurch der Fall schließlich aufgeflogen sei.

Sein Mandant werde sich vollinhaltlich schuldig bekennen, erklärte der Anwalt des Burgenländers. Von der "Vorkarriere" seines Geschäftspartners habe er nichts gewusst. "Diese Geschäfte in Ungarn sind ursprünglich gut gelaufen", erklärte der Verteidiger. Sein Mandant habe zunächst auch profitiert: "Er ist letztendlich in die Falle gegangen. Fatal und sicherlich unverzeihbar war der erste Griff in die Kassa", meinte der Anwalt.

Der Geschäftspartner habe seinen Mandanten "schamlos ausgenützt". Der Burgenländer habe immer "ein Rettungsszenario im Hinterkopf" gehabt. Schließlich habe er sich jedoch in eine Abhängigkeit begeben, aus der er nicht mehr herausgekommen sei.

Angeklagte bekannten sich schuldig
"Mein Mandant ist voll schuldig", erklärte Rudolf Mayer, der Anwalt des 37-jährigen Ungarn. Über die Verteidigungsstrategie des Erstangeklagten zeigte er sich empört: "Mir kommen fast die Tränen, wenn ich das alles so höre." Es stelle sich die Frage, wer mehr Schuld habe - ein Bankmitarbeiter, der sich am Vermögen der Kunden bereichere, die ihm vertraut hätten oder jemand, der bereits im Gefängnis gesessen sei.

Bei der ersten Malversation habe es für den Banker "überhaupt keine Veranlassung" gegeben, in die Kasse zu greifen, meinte Mayer. "Ich bin nur der Böse und das ist der Gute, das spielt's nicht", erklärte der Verteidiger und brachte seine Linie hinsichtlich der Verantwortung auf den Punkt: "Wenn, dann beide."

"Ich bekenne mich schuldig", erklärte der Ex-Bankmitarbeiter, als ihn der Vorsitzende des Schöffensenats, Alfred Ellinger, nach seiner Verantwortung fragte. Sein Geschäftspartner habe ihm anfangs einen Businessplan vorgelegt: "Das war für mich äußerst plausibel" - ebenso wie ein Treffen mit einer Bankangestellten wegen des angestrebten Kredits zur Finanzierung der Anzahlung für den Komplex in Sopron.

Als dann die Nachricht gekommen sei, dass sich die Bereitstellung der 500.000 Euro für die Anzahlung verzögere - und somit das Scheitern des Investments im Raum stand -, sei ihm der Vorschlag gemacht worden, diese "illegale Zwischenfinanzierung" zu finden. "Ja, es stimmt, ich habe das Geld genommen", bekannte der Burgenländer.

Es sei immer geplant gewesen, diesen Betrag wieder auf die Kundenkonten zurückzuzahlen. 2009 teilte ihm der Geschäftspartner mit, seine Tochter sei entführt worden. "Um ihm zu helfen, habe ich die Beträge abgehoben und um die Tochter freizubekommen", erklärte der 35-Jährige.

Als ihm der Vorsitzende vorhielt, er habe damals nicht die Polizei eingeschaltet, um nicht aufzufliegen, antwortete der ehemalige Bankmitarbeiter mit einem knappen "Ja". "Sie haben insgesamt einen sehr aufwendigen Lebensstil betrieben - allein, wenn ich mir die Reisen ansehe", meinte der Richter. "Ich habe von diesem Geld nichts genommen", beteuerte im Gegenzug der Burgenländer. Ob er einsehe, dass sein Handeln auch verbrecherisch gewesen sei? "Das sehe ich ein", meinte der 35-Jährige.

Auch der Ungar bekannte sich vor dem Schöffensenat schuldig. Er habe nie gelogen, was seine Vorstrafen betreffe. Er selbst sei fünf Tage lang entführt gewesen, seine Tochter nicht, meinte der Zweitangeklagte. Der Prozess soll am Nachmittag mit der Einvernahme von Zeugen fortgesetzt werden.