Erstellt am 09. Dezember 2010, 21:51

Vor Berufungsverhandlung gegen Ex-VfGH-Präsident Adamovich. Noch vor Weihnachten wird sich herausstellen, ob der frühere Präsident des österreichischen Verfassungsgerichtshofs (VfGH), Ludwig Adamovich, wegen einer gegen die Mutter von Natascha Kampusch gerichteten Wortmeldung im strafrechtlichen Sinn bezahlen muss.

Das Wiener Straflandesgericht hatte am Heiligen Abend des Vorjahrs gegen den inzwischen 78-jährigen Spitzenjuristen wegen übler Nachrede eine Geldstrafe in Höhe von 10.000 Euro verhängt, wovon die Hälfte unbedingt ausgesprochen wurde. Adamovich legte dagegen volle Berufung ein. Ob dem Rechtsmittel Berechtigung zukommt, hat nun am 22. Dezember im Wiener Justizpalast ein Drei-Richter-Senat des Wiener Oberlandesgerichts (OLG)zu entscheiden.

Adamovich hatte in seiner Funktion als damaliger Leiter der Evaluierungskommission zur Causa Kampusch in einem Interview zu bedenken gegeben, für Natascha Kampusch wäre die Zeit ihrer Gefangenschaft womöglich "allemal besser" gewesen "als das, was sie davor erlebt hat".

Kampuschs Mutter Brigitte Sirny fühlte sich davon persönlich angegriffen und in ihrer Ehre verletzt. Sie brachte gegen Adamovich eine Privatanklage ein und hatte damit zumindest in erster Instanz Erfolg, wobei der Ex-VfGH-Präsident in der Hauptverhandlung seine These nicht nur bekräftigte, sondern sogar noch ein Schäuferl nachlegte, indem er unter anderem darlegte, es gebe "Indikatoren" dafür, dass sich zwischen Kampusch und ihrem Entführer Wolfgang Priklopil "eine positive, sogar liebevolle Beziehung" entwickelt habe.

Für das Erstgericht war die inkriminierte Äußerung geeignet, Brigitte Sirny öffentlich herabzusetzen oder verächtlich zu machen. Ihrem Antrag auf Bestrafung Adamovichs wurde folglich stattgegeben.

Mit dem Termin für das Rechtsmittelverfahren dürfte der eine oder andere Medienvertreter nicht ganz glücklich sein: Zeitgleich befasst sich ebenfalls im Justizpalast der Oberste Gerichtshof (OGH) mit der Nichtigkeitsbeschwerde und der Berufung, die Ex-BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner gegen seine erstinstanzliche Verurteilung zu neuneinhalb Jahren Haft eingelegt hat. Diese Terminkollision könnte Gerichtssaalberichterstatter vor logistische Probleme ste