Erstellt am 25. November 2012, 11:38

Waffenschmuggelprozess: Kein baldiges Urteil. Seit 2. November 2011 befindet sich ein 32-jähriger Burgenländer wegen des Verdachts des Waffenschmuggels in Kairo in Untersuchungshaft.

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Hannes F. war mit vier deklarierten Gewehren und 200 Schuss Munition wegen eines Auftrags zur Bewachung eines Schiffstransports nach Ägypten gereist. Am Dienstag muss er zum zehnten Mal vor das Staatssicherheitsgericht. Das Beweisverfahren ist abgeschlossen, das Schlussplädoyer des Anwalts vorgetragen. Dass in zwei Tagen ein Urteil verkündet wird, glaubt der Angeklagte selbst jedoch nicht, wie er in einem Brief schilderte.

"Ich rechne fest mit einer sehr hohen Strafe - für was jedoch, bleibt mir ein Rätsel. Aber es wird noch eine Zeit dauern, bis überhaupt ein Urteil fällt", so Hannes F. Auch mit seiner Ehefrau Lisa kommuniziert er in Form von Briefen. Das sei legal und erlaubt. Es sei ein langer, harter Kampf gewesen, Briefe versenden zu dürfen, "aber diesen habe ich gewonnen".

Physisch hatte der 32-Jährige, der in wenigen Tagen seinen Geburtstag feiert, in den vergangenen Wochen mit einer Lungenentzündung bzw. deren Nachwirkungen zu kämpfen. Außerdem plagten ihn Bauch-, Zahn- und Rückenschmerzen.

Psychisch sorgt er sich besonders um seine Ehefrau. "Meine Ängste, die ich täglich niederkämpfe, drehen sich eigenartigerweise nicht um mich, sondern um meine kleine Familie in Österreich", so F. Dass er seiner Ehefrau nicht helfen und beistehen könne, "nagt an mir - und zwar richtig."

Auch seinen Alltag bzw. die Erlebnisse der vergangenen zwölf Monate schilderte er in seinem Brief. Während im Sommer Temperaturen von bis zu 68 Grad Celsius herrschten, habe man im vergangenen Winter "immer um die fünf bis sieben Grad" gehabt. Stromausfälle seien normal, würden meist einige Stunden oder länger dauern. Eine Matratze gebe es nicht, die Betten seien schmal und bestehen aus Beton. Wenn er abends darauf sitzt, schreibt und liest er. "Manche Bücher (wurden ihm von seiner Ehefrau geschickt, Anm.) kann ich auswendig."

Von den Ereignissen zu Hause bekommt F. in der U-Haft nichts mit, Zeitungen gibt es nicht. Seine Ehefrau liefert ihm in ihren Briefen daher auch eine Art Nachrichtendienst mit Informationen aus allen möglichen Bereichen. Sie versorgt ihn beispielsweise auch mit Klatsch und Tratsch aus der Welt der Promis, wer wen geheiratet hat oder wer gestorben ist. "Banale Dinge, die man normalerweise beiläufig mitbekommt und über die eben gesprochen wird", so Lisa F.

Bei der zehnten Verhandlung wird sie erneut von zu Hause aus die Daumen drücken. An eine Urteilsverkündung am Dienstag und somit an ein Ende glaubt auch sie nicht.