Erstellt am 06. Juni 2012, 13:10

"Zeugenschwund" im Terror-Prozess gegen Islamisten. Kürzer als erwartet ist der heutige Verhandlungstag im Prozess gegen vier Wiener Islamisten ausgefallen, denen vorgeworfen wird, die Ziele der Al-Qaida und verwandter Terror-Netzwerke unterstützt zu haben.

Die meisten Zeugen blieben dem Straflandesgericht am Mittwoch fern. Einigen von ihnen hatten die Ladungen nicht zugestellt werden können, da sie vermutlich das Land verlassen haben dürften. So musste sich der Schöffensenat mit der Einvernahme eines gebürtigen Tschetschenen begnügen, für den der Hauptangeklagte Thomas Al J. (26) eine Reise über die Türkei nach Pakistan organisiert haben soll, wo sich der Moslem laut Anklage der "Islamischen Bewegung Usbekistan" anschließen wollte.

"Das höre ich heute zum ersten Mal", meinte dazu der Tschetschene. Was die Reise betrifft, habe er gar nicht mit Thomas Al J. kommuniziert, sondern mit einem anderen Angeklagten. Es habe dabei aber keinen terroristischen Hintergrund gegeben: "Ich wollte nicht nach Pakistan. Ich wollte in der Türkei Urlaub machen."

Die Verhandlung wird am 15. Juni fortgesetzt. An diesem Tag ist eine Videokonferenz mit dem Wiener Maqsood L. (22) und dem deutschen Staatsbürger Yusuf O. (26), der als Gründer der "Deutschen Taliban Mujaheddin" (DTM) gilt, geplant. Gegen die beiden läuft seit Ende Jänner 2012 vor dem Berliner Kammergericht ein Terror-Verfahren. Bei ihnen war einschlägiges Datenmaterial - etwa Pläne zum Bau von Bomben und ein Strategiepapier der Al-Qaida- gefunden worden. Die Gruppe um Thomas Al J. soll sie unterstützt haben, als Yusuf O. mit Audio-Dateien und entsprechenden Anweisungen seines angeblichen Komplizen im Gepäck im Mai 2011 in Wien auftauchte und um Spenden warb.

Die Urteilsverkündung ist für 22. Juni geplant.