Erstellt am 17. Juli 2011, 09:03

2.000 Besucher beim Open Air. Mit einer fragwürdigen und zugleich irrwitzigen Show von The Pogues bzw. von deren Sänger Shane MacGowan ist in der Nacht auf Sonntag das heurige Forestglade Festival im burgenländischen Wiesen zu Ende gegangen.

"Streams Of Whiskey" war der Opener der irischen Folk-Punkband der 1980er Jahre, die sich MacGowan offenbar vor seinem Auftritt hinter die Binde kippte. Zuvor spielten Bands wie Airbourne, Levellers und Clawfinger. Wirklichen Headliner gab es nach der Absage von Bush nicht. Dennoch gab es kleine Highlights im Erdbeerparadies.

Zu The Pogues gab es im Grunde nicht mehr zu sagen, als dass MacGowan mit seinem Lallen einfach nur für etliche Lacher im sich sehr gut unterhalten fühlenden Publikum sorgte. Schunkeln und Tanzen war angesagt. Wiesen verwandelte sich nach 23.15 Uhr, als die Mannen die Bühne betraten, in ein großes irisches Pub, gefüllt mit gut gelaunten 2.000 Besuchern.

Zuvor versuchte die australische Rock-Truppe Airbourne den Preis für die lauteste Show des Forestglades an sich zu reißen und gewann ohne viel Mühe. Drummer Ryan O'Keeffe war umzingelt von jeweils zwölf Verstärkern auf beiden Seiten. Sein Bruder, Sänger und Gitarrist Joel O'Keeffe, schrie ins Mikro was das Zeug hielt und bewies gekonnt, dass er seine Saiten voll im Griff hat. Schwacher Start, weil die gespielten Gitarrenriffs alles übertönten - auch seinen Gesang. "No Way But The Hard Way" wurde vom Publikum fleißig mitgegrölt. Lustige Einlage von Joel: Der Sänger schmiss sich so lange zwei Bierdosen gegen den Kopf, bis diese platzten und sich eine Fontäne über ihn ergoss.

Gestampft, getanzt, geklatscht und gesprungen wurde zuvor bei den britischen Levellers. Nett gespielte Folkloreklänge, aber mehr schon nicht. Anders hingegen der Auftritt von Clawfinger: Die selbst ernannte Rapmetal-Band, besonders deren Sänger Zak Tell, brachte die Menge zum Toben. Akrobatikeinlagen auf der Bühne, sämtliche Hits aus den besten Zeiten in den 1990er Jahren und als krönenden Abschluss ein extra-langes "Do What I Say" wurden geboten. Dass die Show reibungslos und gut abgelaufen sei, sei übrigens nicht selbstverständlich gewesen, wie Tell im Anschluss verriet: "Unser Gitarrist dachte, dass unser Auftritt am Freitag ist, nicht heute, Samstag. Da sein Stiefsohn aber am Samstag Hochzeit hatte, mussten wir uns kurzerhand um einen Ersatzmann kümmern. Aber wir hatten eine tolle Zeit und haben die Show genossen", sagte Tell.

Sichtlich genossen haben ihren Auftritt auch die Wiener 3 Feet Smaller, die im Vorjahr beim Two Days A Week Festival für mächtig Stimmung am Nachmittag gesorgt hatten. Beim heurigen Forestglade fiel ihnen das mangels Publikum etwas schwieriger. Die Herausforderung nahm die Truppe aber gerne an. Und so heizte man dem "Mässchen", denn Masse war das keine, mit Interaktionsspielchen ordentlich ein.

"Das ist ein Rockfestival und kein Kindergeburtstag" hatte Sänger und Frontmann Marcus Smaller richtig festgestellt, der im elften Bandjahr zum ersten Mal verletzungsbedingt auf seine Gitarre verzichten musste. Keinen "Kindergeburtstag" feierten Kids In Glass Houses: Die britische Band lieferte am Nachmittag nach den Shows von Golden Kanine und Graveyard einen ersten kleinen Höhepunkt. Gut gespielter alternativer Rock, der zur frühen Stunde auf dem Forestglade recht gut ankam. Nach ihrem Österreich-Debüt in Wiesen dürfen die fünf Musiker sicher gerne wiederkommen.

Das Forestglade 2011 fiel heuer nur eintägig aus und leider auch ohne wirklichen Headliner. Allerdings tat das der Stimmung keinen Abbruch. Die Rückkehr der Mutter der österreichischen Festivals im vergangenen Jahr hat sich gelohnt. Fortsetzung bitte.