Erstellt am 20. Oktober 2012, 08:32

275 Leistungssportler trainieren täglich beim Heer. Für den Leistungssport in Österreich ist das Bundesheer eine tragende Säule.

 |  NOEN, Bundesheer / Josef Moeseneder
Im Kontingent des Heeres stehen jährlich 192 Fixplätze für Leistungssportler - sogenannte "Militärpersonen auf Zeit" - bereit, zusätzlich kommen übers Jahr verteilt noch 150 Grundwehrdiener in den Genuss, vom Militär bei ihrem Training unterstützt zu werden. Im Durchschnitt gehen laut Verteidigungsministerium also täglich 275 Männer und Frauen beim Bundesheer ihrem Sport nach.

Die Förderung von Leistungssport beim Bundesheer gibt es seit 1962, damals wurde das Heeressportzentrum gegründet. Die Zahl der Fixplätze wurde zuletzt unter Verteidigungsminister Günther Platter (V) erhöht, und zwar um 20. Dies war nötig, weil mit der Öffnung des Heeres für Frauen ab 1999 auch das weibliche Geschlecht in den Genuss der Sportförderung kam und somit die Plätze äußerst knapp wurden. Im Schnitt sind unter 275 Sportlern laut Auskunft des Ministeriums rund 80 Frauen - verglichen mit den übrigen Heeressparten ist der weibliche Anteil also außerordentlich hoch.

Sieben Disziplinen sind von "militärischem Interesse" und deswegen Schwerpunkte: Fallschirmspringen, Militärischer Fünfkampf, Orientierungslauf, Schießen/Gewehr, Schießen/Pistole, Ski/Biathlon, und Ski/Langlauf. Die Kosten hierfür trägt überwiegend das Ministerium, sie fallen aber unter Personalkosten und lassen sich daher nicht genau beziffern, hieß es. Unterstützt werden aber auch andere Sportarten, sofern deren Fachverbände Mitglieder in der Bundessportorganisation sind und es sich vorzugsweise um olympische Sportarten handelt. Sportspezifische Aufwendungen werden in diesen Fällen aber ausschließlich von den Fachverbänden getragen. Auf der Liste der geförderten Sportler finden sich jedenfalls u.a. auch einige Fechter, Judoka, Badminton-Spieler, Schwimmer, Ruderer und Kanuten.

Trainiert wird in zehn Leistungssportzentren, drei davon in Niederösterreich, zwei in Tirol und je eines in Oberösterreich, Salzburg, der Steiermark, Kärnten und Vorarlberg. Jedes Zentrum hat einen eigenen Schwerpunkt: zum Beispiel jenes in Seebenstein () den Militärischen Mehrkampf und jenes in Hochfilzen vor allem Langlauf und Biathlon.

Bei Olympischen Spielen stellten die Heeressportler in den vergangenen 20 Jahren zwischen 30 und 65 Prozent der aus Österreich entsandten Teams. Dabei wurden 63 Medaillen gewonnen: 17 aus Gold, 21 aus Silber und 25 aus Bronze. Wintersportarten hatten deutlich die Nase vorne - auf sie entfielen nämlich zwölf Gold-, 13 Silber-und 20 Bronzemedaillen.

Leistungssportler beim Bundesheer kann grundsätzlich jeder werden - wenn er nur gut genug ist. Für Männer führt der Einstieg über den Grundwehrdienst, für Frauen über den freiwilligen Ausbildungsdienst. Nach einjähriger Ableistung desselbigen ist eine Übernahme in das fixe Kontingent der 192 "Militärpersonen auf Zeit" möglich. Dort erhalten die Sportler einen dreijährigen Vertrag, der zweimal um je drei Jahre verlängert werden kann. Danach sind weitere Verlängerungen um jeweils ein Jahr möglich, bis der Sportler entweder 15 Jahre beschäftigt war oder das 39. Lebensjahr erreicht hat.

Wer qualifiziert genug ist, um Heeressportler zu werden, entscheidet ein Gremium in Abstimmung mit den Sport-Fachverbänden. Ein Ausscheiden aus dem Militärsport erfolgt in der Regel wegen der Beendigung der Karriere, zu wenig Leistung oder - vielleicht überraschend - auch zu guter Leistung. Ziel ist es nämlich, junge Sportler zu fördern, die sich durch den Sport alleine nicht selbst erhalten können. Profis, denen das gelingt, sollen daher rasch Platz für Nachwuchssportler machen. Ein Rauswurf ist ebenfalls möglich, aber selten, hieß es beim Verteidigungsministerium. Heeresschädigendes Verhalten, Straffälligkeit sowie Doping können ausschlaggebend dafür sein.