Erstellt am 05. Juni 2013, 08:19

Ärzte drängen auf Einbindung bei Gesundheitsreform. Nachdem die Gesundheitsreform nun endgültig auf Schiene ist, gibt sich die Ärztekammer konziliant und drängt auf Einbindung bei der Umsetzung.

"Das System hat Potenzial in sich, um besser zu werden", sagte Kammer-Präsident Artur Wechselberger. Sorgen bereitet ihm die Finanzierung des niedergelassenen Bereichs, mögliche Rationierungen und ein steigender Administrationsaufwand für die Ärzte. Monatelang war die Ärztekammer gegen die Gesundheitsreform Sturm gelaufen. Nun erblickt Wechselberger darin die Chance, einen Paradigmenwechsel Richtung "Public Health" zu schaffen, bei dem die Versorgung der Patienten und nicht die Angst vor den Kosten im Mittelpunkt steht.

Wichtig sei die Einbindung der Ärzte, denn das österreichische Gesundheitssystem habe sich jahrzehntelang anbietergetrieben entwickelt - und das seien neben den Kommunen als Spitalserhalter vor allem die Mediziner in ihren Praxen gewesen. Diese nun auszugrenzen, sorge nicht nur für Irritation, sondern bedeute auch einen Verlust an Innovationskraft und Know-how und könnte nicht zuletzt zu einem ärztlichen Nachwuchsmangel führen, so der Kammer-Chef.

Dass sich einiges ändern muss, ist für Wechselberger klar. In Österreich fehle der systemhafte Zugang, bei dem die Gesellschaft überlege, was notwendig sei, die Bevölkerung gesund zu halten bzw. zu machen, meinte er. Im Sinne der "Primary Health Care" will die Kammer den Allgemeinmediziner in seiner Ordination in den Mittelpunkt des Systems stellen. Notwendig sind dafür aus Kammersicht zeitgemäße Leistungskataloge, größere Praxiseinheiten, aber auch die höhere Qualifizierung des Praxispersonals, die Entlastung durch ambulante Pflegeteams und mehr Kooperation mit anderen Leistungserbringern.

Offenheit für Neues sieht Wechselberger bei seinen Kollegen allein durch die demografische Entwicklung in der Ärzteschaft. Es stehe ein Generationswechsel an, 50 bis 70 Prozent der Kassenärzte seien wie er selbst "präpensionär", so der Präsident. "Da kommt eine ganz andere Generation heran, und die hat andere Lebensentwürfe."