Erstellt am 15. Juli 2014, 15:12

von Dietmar Baurecht

„Aida“ & „Anatevka“: Festival-Start geglückt. Im Steinbruch gibt es trotz Finanzsorgen künstlerische Erfolge. Am See glänzt das Ensemble in einer klassischen Inszenierung.

 |  NOEN, Nina Sorger
An beiden Premierentagen der beiden großen Festivals des Kultursommers war es kalt – umso heißer ging es auf den Bühnen in St. Margarethen und Mörbisch zu.

„Hals- und Steinbruch“ wünschte Moderatorin Barbara Rett vor der Premiere der letzten Produktion unter Intendant Wolfgang Werner und seinem Team. Robert Dornhelm hat in St. Margarethen bereits mit „La Boheme“ bewiesen, dass er den Steinbruch bändigen kann, auch wenn sich heuer die Massenszenen emotionsloser in das von Manfred Waba mit weniger Schnörkeln versehene Bühnenbild einpassen.

„Aida“: Klassiker mit technischen Finessen

„Aida“ ist eine klassische Dreiecksbeziehung: Der ägyptische Feldherr Radames liebt die Sklavin Aida und soll vom Pharao mit dessen Tochter Amneris verbunden werden, die ebenso innig Radames liebt. Das endet in einer Konfrontation, die dazu führt, dass Radames – kräftig gesungen von Martin Muehle – in einem Gewölbe lebendig eingemauert wird. Hier ist er aber nicht allein: Aida geht mit ihrem Geliebten in den Tod. Annunziata Vestri als Gegenspielerin Amneris ist mit Kristin Lewis als Aida die ideale Besetzung: Beide überzeugen gesanglich wie auch darstellerisch.

Regisseur Robert Dornhelm versteht es, in dieser „Aida“ die bewegten Bilder richtig zu inszenieren: Während die beiden Kontrahentinnen die Breite der Bühne für ihren Kampf nutzen, krachen sie – projiziert auf die Steinbruchwand – Gesicht an Gesicht aufeinander.

„Anatevka“: Tragik und Komik am See

Mit Karl Absengers Umsetzung des Musicals „Anatevka“ überraschten die Seefestspiele Mörbisch bei der Premiere: Klassisch, traditionell, nicht abweichend von den deutschen Erstaufführungen und ähnlich dem Musical-Film aus den 60er- und 70er-Jahren, kann die Inszenierung durch die ausgezeichnete Ensembleleistung punkten.

Höhepunkt ist die Traumszene, in der Milchmann Tevje seiner Ehefrau Golde den reichen Metzger für seine Tochter ausreden möchte. Stück für Stück laufen hier das Ensemble und die Technik zur Höchstleistung auf und überraschen das Publikum. Gerhard Ernst als Tevje ist die goldrichtige Besetzung. Intendantin Dagmar Schellenberger spielt die Golde resolut, aber auch als liebende Mutter ihrer Töchter, die reihenweise unter die Haube gebracht werden – aber nicht so, wie sich das die Eltern erwartet hätten.

Das Stück „Anatevka“ bietet komödiantische Typen und endet mit Geigenklängen und der Vertreibung der jüdischen Bevölkerung aus der titelgebenden russisch-ukrainischen Stadt. Für Musical-Begeisterte ist das heurige Stück auf der Seebühne ein Muss. 2015 gibt es wieder Operette am See.