Erstellt am 19. Mai 2011, 09:25

Aktionszentrum und Sprungbrett: Die Cselley Mühle in Oslip wird 35. Ein Aktionszentrum und Sprungbrett für Künstler aller Sparten wird 35 Jahre alt - die Cselley Mühle im nordburgenländischen Oslip.

 |  NOEN
Was am 28. Mai 1976 vom damaligen Unterrichtsminister Fred Sinowatz eröffnet wurde, wussten weder der Politiker, noch die Begründer der "Mü", die Künstler Robert Schneider und Sepp Laubner. Im Gespräch sprachen die beiden über ihre Intention, das Zentrum zu schaffen und über Steine, die im Laufe der Jahre in den Weg gelegt wurden.

   "Wir haben wie der Sinowatz auch nicht gewusst, auf was wir uns hier einlassen. Aber wir haben uns halt darauf eingelassen", blickte Laubner zurück. In einem Buch, das zum 30er der Mühle erschienen ist, sind Bilder von der Eröffnung zu sehen, darunter auch die beiden Künstler mit Vollbart, langem Haar, in Glockenhosen, eben im 1970er-Jahre-Stil. Die Intention die Mühle weit weg vom Ortsrand der kroatisch-sprachigen Gemeinde zum Aktionszentrum zu verwandeln, war "Egoismus", erzählte Schneider: "Wir haben selbst einen Platz gesucht, denn in dieser Zeit hat es für uns und für unsere Ideen eigentlich keinen Platz gegeben."

   Das Konzept zur "Mü", wie sie von der generationenübergreifenden Besucherschaft genannt wird, wurde laut Laubner drei Jahre zuvor "im Sandkasten" durchgespielt: In einem kleinen Bauernhaus in Großhöflein (ebenfalls im Bezirk Eisenstadt Umgebung) wurde die Szenerie belebt. "Dort war binnen kurzer Zeit relativ viel los, sodass die Besitzer gemeint haben, wir sollen uns was anderes suchen", so Laubner. Um keine Probleme mit Anrainern wegen Lärmbelästigung zu bekommen und auch einfach, weil "ich die Mühle gern gehabt habe", entschied man sich für diesen Platz in Oslip, sagte Schneider.

Im Laufe der Jahre rückten die Häuser aber immer näher zum Aktionszentrum und die Beschwerden über die Lautstärke blieben nicht aus. Open Air-Konzerte wie sie einst Musiker wie Joe Cocker, Eric Burden, Konstantin Wecker oder Jimmy Cliff gaben, waren schnell abgesagt. Und auch die Jugend wurde mit ihren alternativen Festen aus dem großen Konzertsaal verbannt. Raum und Zeit für kreative Köpfe gibt es aber immer noch.

Neben zahlreichen Workshops und Seminaren für Kunst unterschiedlichster Art, hat die "Mü" auch vielen Menschen als Sprungbrett gedient: "Es haben alle Spitzenkabarettisten - ob das jetzt Lukas Resetarits, Alfred Dorfer oder Roland Düringer ist - hier einmal vor zehn, fünfzehn Leuten im Kellertheater gespielt. Bis die Säle voll waren, das hat relativ lange gedauert", so Laubner. Und auch die burgenländische Musikszene hat ihre Wurzeln unter anderem in der Cselley Mühle, was die beiden Begründer besonders freut: "Es ist einfach klasse, dass Bands wie Tanz Baby!, Ja, Panik oder Garish erfolgreich sind und du weißt, wie die Burschen hier die ersten Schritte gemacht haben", sagte Schneider.

Mit einigen dieser Künstler feiern Schneider und Laubner gemeinsam mit zahlreichen Wegbegleitern nächstes Wochenende, von 27. bis 29. Mai, den 35. Geburtstag der "Mü". Am Freitag erwartet das Publikum ein "Kabarettspecial" mit Lukas Resetarits, Roland Düringer, Bernhard Ludwig, Maschek und Pepi Hopf. Moderiert wird der ausverkaufte Abend von Willi Resetarits. Samstags spielen beim "Birthday Musicspecial" Garish, Tanz Baby! und die Hörspielcrew auf. Zahlreiche DJs unterhalten die "Mü"-Fans im kleinen Saal mit Electro-Beats. Am Sonntag, wird dann "Ein Fest" gefeiert. Zu sehen gibt es die Vernissage von Jürgen Messensee, zu hören Klänge der örtlichen Tamburizza und der Barrelhouse Jazzband.

An ein Ende der Cselley Mühle denken die Begründer im Übrigen noch lange nicht. Zum 35-Jahr-Jubiläum erscheint eine Broschüre mit dem Titel "500 Jahre Cselley Mühle - die ersten 35 Jahre". "Das ist irgendwie ein bisserl Programm auch dahingehend, dass wir sagen, die Idee der 'Mü' ist viel zu wertvoll und das was da passiert viel zu wichtig, als dass man irgendwelchen Blödheiten wie Anrainerbeschwerden zum Opfer fällt. Es ist ganz einfach angesagt das Problem in irgendeiner Form zu lösen, weil die Sache eben immens wichtig ist", so Laubner.