Erstellt am 30. Juli 2012, 09:43

AMS-Kritik an Neuregelung der Invaliditätspension. Das AMS kritisiert einen wichtigen Teil der Neuregelung der Invaliditätspension - konkret den Qualifikationsschutz für Menschen, die ihren bisherigen Beruf krankheitsbedingt nicht mehr ausüben können und umgeschult werden sollen.

Das sei zwar bei Lehrberufen sinnvoll, so AMS-Chef Herbert Buchinger im ORF-Radio, bei Studien müsste der Staat aber eine zweite lange und teure Ausbildung finanzieren. Bricht bei einem Bäcker eine Mehlstauballergie aus oder bei einer Friseurin eine berufsbedingte schwere Hauterkrankung, dann sollen diese nicht mehr in Invaliditätspension geschickt, sondern umgeschult werden. Mit Unterstützung des AMS soll eine neue gleichwertige Ausbildung gefunden werden, dadurch sollen die Menschen wieder in den Arbeitsprozess integriert, statt wie bisher oft in Invaliditätspension geschickt zu werden. So das Ziel der geplanten Reform. Statt eines Berufsschutzes gibt es nämlich einen sogenannten Qualifikationsschutz, erklärte Buchinger. Im Gegensatz zu früher sei es nun zumutbar, "einen neuen Beruf zu lernen, wenn dadurch ungefähr die gleiche Bildungshierarchiestufe eingehalten wird".

Es ist also nicht zumutbar, jemanden mit Lehre auf eine Anlerntätigkeit umzuschulen oder jemanden mit Matura oder Studium auf einen Job, für den diese Abschlüsse keine Voraussetzung sind. Wenn also jemand zum Beispiel Englisch und Deutsch studiert und in einem Gymnasium als Lehrer gearbeitet hat, wegen psychischer Probleme Jugendliche aber nicht mehr unterrichten kann, dann müsste ihm laut vorliegendem Gesetzestext ein komplettes neues Studium finanziert werden, warnte Buchinger. Er schlägt deshalb der Politik vor, beim Qualifikationsschutz noch eine Art Bremse einzuziehen, zum Beispiel eine Altersgrenze.

Das Gesetz zur Neuregelung der Invaliditätspension ist noch bis 7. September in Begutachtung und soll im Herbst im Parlament beschlossen werden. Inkrafttreten soll es erst mit 1. Jänner 2014.