Erstellt am 08. Januar 2016, 04:38

Andreas Liegenfeld: Leben im „Genussland“. Die BVZ präsentiert die Autorinnen und Autoren des Buches „Mein Burgenland“. Diese Woche: Winzer und Ex-Landesrat Andreas Liegenfeld mit dem Regionalitätssong.

Selfie. Die Autoren wurden aufgerufen, sich für das Buch »Mein Burgenland« selbst zu verewigen. Diesem Wunsch kam auch Andreas Liegenfeld gerne nach - natürlich mit einem Foto »live aus dem Weingarten«. Foto: Privat  |  NOEN, Privat/Selfie Liegenfeld
Mein Burgenland ist mein Heimatland. Ich wuchs in Donnerskirchen auf, am Fuße des Leithagebirges, dem Ort, der bis heute meine Heimat darstellt. Ich bin von Jugend an in ein klassisches Winzerleben hineingewachsen, durch den elterlichen Betrieb, das ländliche Leben im Dorf und die Verbundenheit zu Wein und Heimat erfuhr ich früh, was es heißt, Bauer zu sein.

Schulisch und persönlich reifte ich im Oberstufenrealgymnasium der Diözese Eisenstadt, Wolfgarten, wo ich 1984 maturierte. 1984 ging es auch nach Wien. Um genau zu sein, an die Universität für Bodenkultur in Wien. Für mich als Burgenländer war Wien damals ein hartes Pflaster.

Vom Weinskandal zum Top-Niveau

Zusätzlich verschärft wurde dieser Umstand, indem 1985 die „Ursünde“ der Weinwirtschaft aufgedeckt wurde – der Weinskandal. Burgenländer und Weinbauer zu sein, das war eine Symbiose, die mein Selbstbewusstsein in eine Sinnkrise versetzte. Ich hatte zu dieser Zeit einige Tiroler Freunde (einer davon ein gewisser Andrä Rupprechter), die strotzten nur so vor Selbstbewusstsein.

Neidisch war ich, und so wünschte ich mir für das Burgenland die gleiche Anerkennung wie für Tirol. Diese Lebensphase hat mich stetig angetrieben, das Burgenland und seine Bewohner zu stolzen Menschen zu machen. Ziel war ein stolzes Burgenland mit Außenwirkung, das österreichweit angesehen wird. Genau dorthin, auf dieses Niveau, musste das Burgenland gebracht werden.

Und mit Ende der Achtziger begann ein neues Kapitel in Europa, in Österreich, im Burgenland und auch in meinem Leben. Der Fall des Eisernen Vorhangs leitete eine neue Ära ein. Das Burgenland war plötzlich nicht mehr am Rand des westlichen Europas, sondern mitten im Herzen Europas.

Mit der Etablierung des strengsten Weingesetzes weltweit wurde das Vertrauen der Verbraucher zurückgewonnen und langsam änderte sich die öffentliche Wahrnehmung gegenüber uns vormals verschmähten Winzern. Dieser Aufschwung bestärkte mich als Winzer in meiner Überzeugung, den elterlichen Betrieb in eine neue, moderne Richtung zu dirigieren. Genuss rückte ins Zentrum meines Lebens, und dort blieb er auch.

Über Geschmack kann man auch streiten …

Genuss ist eine Schwester des Geschmacks und daher nicht verhandelbar. Über Geschmack kann man nicht streiten. Oder gerade erst recht: nur streiten.

Unter dem Motto „Herkunft hat Zukunft“ setzte ich auf die traditionellen Stärken des Burgenlandes. Lebensqualität lässt sich nicht an der Anzahl entstandener Schnäppchen quantifizieren. Sie ist vielmehr Ausdruck eines lebenswerten Umfeldes.

Das Burgenland ist keine Region der austauschbaren agrarischen Massenprodukte, sondern eine der traditionellen, lokalen Schmankerln und eigenständigen Weine mit einzigartigem Geschmack und mit Herkunftsgarantie. Dafür trete ich ein.

x  |  NOEN, BVZ/Liegenfeld
Andreas Liegenfelds „Regionalitätssong“
Ich koche, esse, genieße und trinke leidenschaftlich gerne. Ich sehe mich als Genussmenschen in einer vielfältigen Kulturlandschaft, deren traditionelle Werte erhalten werden sollen. Der ländliche Raum bringt alles an Voraussetzungen, was für ein lebenswertes Umfeld notwendig ist, und dies will ich auch in Zukunft stärker herausarbeiten.

Neben meiner Familie, meiner Frau Gerda und den vier Kindern stellt der Wein meinen Lebensmittelpunkt dar. Seit Jahren setze ich mich für den burgenländischen Weinbau ein, wie aus vielen meiner Handlungen hervorgeht.

Der Weinbau ist im Burgenland heute der bedeutendste agrarische Betriebszweig, der sich erfolgreich national und international etabliert hat. Man spricht zunehmend von der Lokomotive der burgenländischen Landwirtschaft.

Diese Vorreiterrolle konnte durch zielgerichtete Betriebsentwicklungen in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut werden. Ich habe versucht, diese Entwicklung, als wichtigen Teil der burgenländischen Weinbaupolitik, maßgeblich zu unterstützen.

Heimischer Wein als „stolzer Burgenländer“

Ich bin Winzer aus Überzeugung und mit ganzem Herzen. Heute sind Winzer ein geschätzter Bestandteil der Gesellschaft und fixer Teil der regionalen „Seitenblicke-Szene“. Die Burgenländer sind stolz auf ihre Winzer und die Winzer sind stolze Burgenländer, die auf der ganzen Welt Werbung für ihr Heimatland machen.

Ich denke, das ist jene Sehnsucht, die ich Mitte der Achtzigerjahre gefühlt habe. Die Sehnsucht, dass alle burgenländischen Produkte schließlich Wertschätzung bei den Bauern und den Burgenländern erfahren, führte mich zur Initiative „Herkunft hat Zukunft“.
 

Zur Person: Andreas Liegenfeld, Winzer

  • Geboren 1964 in Eisenstadt, wuchs Andreas Liegenfeld in seinem Heimatort Donnerskirchen auf. Die Volksschule besuchte er in Donnerskirchen, die Hauptschule in der Nachbargemeinde Purbach. Die weitere Ausbildung erfolgte im Oberstufenrealgymnasium der Diözese Eisenstadt, Wolfgarten (Matura 1984).

  • Liegenfeld war bis zum Jahr 2011 Winzer im Familienbetrieb und wurde im Mai 2011 Landesrat. Mit seinem Eintritt in die Burgenländische Landesregierung übernahm seine Frau Gerda Liegenfeld die Agenden im Weingut.

  • Mit der Regierungsumbildung im Vorjahr verließ Liegenfeld die Landespolitik. Als Winzer und Teil des Weinquartetts Donnerskirchen sowie als Weinbaupräsident ist er im ganzen Burgenland unterwegs.

  • Andreas Liegenfeld lebt mit seiner Gattin Gerda in Donnerskirchen. Gemeinsam haben sie vier Kinder.


Zum Buch: „Mein Burgenland“

25 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs für jene Menschen, die hier leben oder die eine engere Beziehung zu diesem Land haben? Was sind ihre Ansichten, Einsichten und Aussichten? Michael Gerbavsits,
Georg Pehm und Walter Schneeberger haben 50 plus eine Antwort erhalten.

x  |  NOEN, Fotos: Leykam

Mit Beiträgen von: Gabriele Ambros, Theodora Bauer, Konstanze Breitebner, Werner Dax und Johannes Wutzlhofer, Julia Dujmovits, Maggie Entenfellner, Heinz Fischer, Elisabeth Gamauf-Leitner, Michael Gerbavsits, Roland Hagenberg, Leo Hillinger, Georg Hoanzl, Norbert Hofer, Manfred Horvath, Stefan
Horvath, Paul Iby, Andreas Ivanschitz, Jason Allen Johnson, Saskia Jungnikl, Richard Karl Kanitsch, Barbara Karlich, Gisela Kramer, Andreas Liegenfeld, Eva Mayer, Peter Menasse, Paul Muehlbauer, Wolfgang Murnberger, Hans Niessl, Fritz Ostermayer, Josef Ostermayer, Elisabeth Pauer, Georg Pehm, Pia Pfneisl, Uta Prantl-Peyrer, Martin Pucher, Karl Reiter, Birgit Sauer, Maria Schaller, Dagmar Schellenberger, Walter Schneeberger, Anton Schubaschitz, Elfie Semotan, Tanja Stacherl, Markus Stefanitsch, Ingrid Tschank, Christian Uchann, Barbara van Melle, Joško Vlasich, Klaus Wölfer, Richard Woschitz, Uschi Zezelitsch

Herausgegeben von Michael Gerbavsits, Georg Pehm, Walter Schneeberger. ISBN 978-3-7011-7952-7

Weitere Infos zum Buch unter www.leykamverlag.at


Nächste Woche

In der kommenden Woche: Managerin Eva Mayer und ihre Liebe zum Neusiedler See.


Bisherige Teile der Serie: