Erstellt am 05. Januar 2012, 07:26

„Auch privat Mörbischerin“. Die designierte Seefestspiele-Intendantin Dagmar Schellenberger erklärt, warum es künftig Akademie und Kinderbühne, aber keine TV-Premiere geben wird.

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VON WERNER MÜLLNER & NINA SORGER

BVZ: Was war ausschlaggebend, dass Sie sich als Intendantin in Mörbisch beworben haben?
Dagmar Schellenberger: Meine künstlerische Biografie – dass ich über 30 Jahre auf der Bühne stehe und die Operette meine große Liebe und Leidenschaft ist. Ich war immer sehr vielseitig. Und: Der See, die Bühne, das Ambiente ziehen mich immer wieder erneut in ihren Bann.

BVZ: Wie wollen Sie sich ihre Vielseitigkeit bewahren?
Schellenberger: Wenn ich das so angehen will, wie ich das vorhabe, ist da schon die Vielseitigkeit einprogrammiert. Ich werde verstärkt an das jüngere Publikum denken, interessant werden für mehrere Generationen. Ich möchte das Publikum mit Produktionen begeistern, die unvergesslich werden. Sicher gehe ich als Frau und Vertreterin einer jüngeren Generation anders an alles heran. Dann werde ich mich auch im diplomatischen Umgang mit Regierung, Vorständen – also mit administrativen Belangen – viel mehr beschäftigen, als ich das bisher brauchte. Als Deutsche werde ich auch nichts unversucht lassen, auch deutsches Publikum ins traumhaft schöne Burgenland zu locken. Ich bleibe vor Ort, und als äußeres Zeichen – als klare Bauchentscheidung – habe ich meinen zweiten Wohnsitz nach Mörbisch verlegt. Daneben bleibe ich ja aber auch noch Sängerin, wähle aber genau aus, was ich mir zumuten kann.

BVZ: Woran wird man Ihre Handschrift erkennen?
Schellenberger (lacht): Das werden Sie schon sehen! Ich werde die Tradition der Operette erhalten. Das ist mein Steckenpferd und ich kämpfe wie eine Löwin dagegen, dass das jemals angekratzt wird. Das heißt nicht, dass man nicht mal etwas von einer anderen Seite betrachtet – auch mit einem Musical, das ins Ambiente passt. Es wird auch eine Spielstätte geben, wo für Kinder gespielt wird und die auch mobil sein wird. Es steht auch schon fest, was 2013 die Eröffnungsoperette sein wird – Sie werden von mir jetzt noch nicht den Titel hören … (lacht)

BVZ: Etwas konkreter?
Schellenberger: Es wird eine klassische Operette sein, und da ist auch alles schon unter Vertrag. Ich sitz schon an 2015 dran. Meine Intention ist, dass ich längerfristig in Planung gehe. So bekomme ich Künstler von Weltrang, die kurzfristig keine Zeit hätten. Neben der Kinderbühne wird es auch eine Akademie geben und ein paar andere Sachen, die ab 2013 ins Leben gerufen werden. Dann wird die andere Handschrift auch an der Regie erkennbar sein, aber keine Experimente. Wenn die Leute die Operette hier erleben, dann werden sie von mir nicht geschockt werden. Das Wesentliche ist auch, dass der See eine größere Rolle spielen wird. Dafür kämpfe ich – mit aller Fantasie und allen technischen Möglichkeiten, die wir dann schaffen werden. Außerdem plädiere ich für eine zeitversetzte TV-Übertragung der Aufführung. Es muss nicht die Premiere sein.

BVZ: Das heißt, wir müssen uns in Zukunft wieder verstärkt auf das Stück konzentrieren und weniger auf den Intendanten?
Schellenberger: Ich scheue nicht das Rampenlicht, aber es ist für mich nicht das Primäre. Ich werde auch nicht irgendein Wolkenkuckucksheim um mich erbauen. Ich möchte als wirkliche Arbeiterin gesehen werden, die gern ranklotzt – so, wie ich auch bin. Ich lass mir das Zepter dann nicht aus der Hand nehmen, aber ich werde verstärkt auf das Team setzen. Und das Team ist willens und unglaublich motiviert für neue Akzente. Also gehen wir’s an!

BVZ: Wird man sich vor der Eröffnungsrede dann nicht mehr fürchten müssen?
Schellenberger: Die wird’s bestimmt nicht mehr so geben – überflüssig. Ich werde genug greifbar sein – für jeden, der es möchte. Fürchten und Seefestspiele Mörbisch passt für mich nicht zusammen. Freude und die prickelnde Erwartung sollen maßgebend sein.

BVZ: Wie wollen Sie sich die Mörbischer erobern?
Schellenberger: Viele haben vielleicht den Eindruck, da kommt jetzt irgendeine Deutsche von „da draußen“ – das find ich so lustig (lacht). Ich bin nun mal keine Burgenländerin und ich erheb auch nicht den Anspruch, dass ich das jemals sein werde. Aber ich möchte die Erwartungen, die die Leute einsetzen, erfüllen. Ich bin ein Fan des burgenländischen Weines und habe auch meinen kleinen Weinkeller mit Mörbischer Weinen gefüllt. Ich liebe die Geselligkeit und werde immer ein offenes Ohr für die Befindlichkeiten der Mörbischer Anrainer haben. Außerdem darf sich die bereits bestehende Mörbischer Frauen-Walking-Runde auf ein neues Mitglied freuen.