Erstellt am 12. September 2011, 12:16

Behinderung: Jobvermittlungs-Kampagne des AMS. Eine neue Initiative des Bundessozialamtes und des Arbeitsmarktservice soll die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung forcieren und bestehende Informationsdefizite abbauen.

Die Kampagne "Meine Chance - Ihr Nutzen" wurde am Montag präsentiert. Die Kampagne sei ein wichtiger Schritt in Richtung Chancengleichheit beim Arbeitsmarkt-Zugang, sagte der Initiator und ÖVP-Behindertensprecher Huainigg.

"In Österreich sind derzeit rund 100.000 Personen mit Behinderung in Beschäftigung, rund 6.000 waren im August 2011 arbeitslos", sagte Wirtschaftsminister Mitterlehner. Unternehmen, die 25 oder mehr Arbeitnehmer beschäftigen, müssen pro 25 Mitarbeiter einen Begünstigten Behinderten einstellen. Derzeit erfüllen nur 3.950 von 17.186 einstellungspflichtigen Betrieben in Österreich diese Pflicht - der Rest bezahlt stattdessen eine Ausgleichstaxe. Diese vorgeschriebene Taxe betrug im Jahr 2010 insgesamt 91,4 Millionen Euro.

"Die Erfahrung zeigt, dass Betriebe, die bereis Menschen mit Behinderung beschäftigt haben, eher bereit sind, weitere Menschen mit Behinderung einzustellen, als Betriebe, denen diese Erfahrung noch fehlt", sagte Sozialminister Hundstorfer.

"Das Ziel der Kampagne ist eine Bewusstseinsänderung, Vorurteile sollen abgebaut werden", so Mitterlehner. Außerdem sei die Einstellung von Menschen mit Behinderung aus mehreren Gründen notwendig: Einerseits würden sie gebraucht werden, um Arbeitskräfteprobleme, die sich aus dem demografischen Wandel ergeben, mittelfristig zu beseitigen. Weiters würden der Motivationsfaktor innerhalb der Betriebe steigen, der Teamgeist gefördert und das Betriebsklima verbessert werden, erklärte der Wirtschaftsminister.

"Gesetzliche Barrieren haben wir bereits abgebaut. Jetzt geht es darum, diese in den Köpfen der Menschen abzubauen", sagte Huainigg. Der Kündigungsschutz für Menschen mit Behinderungen wird seit 1. Jänner 2011 bei neuen Beschäftigungsverhältnissen nicht wie bisher nach sechs Monaten, sondern erst nach vier Jahren wirksam. Eine wissenschaftlich fundierte Aussage über Auswirkungen des geänderten Kündigungsschutzes könne man erst am Jahresende machen, sagte Hundstorfer.