Erstellt am 16. Dezember 2015, 05:03

von Wolfgang Millendorfer

Böse Burgenländer? Aufregung um Landkrimi. Empörte Reaktionen auf „Kreuz des Südens“. Die Filmfirma sieht den TV-Krimi aus einem anderen Blickwinkel.

Szene im Film "Kreuz des Südens"  |  NOEN, ORF, Filmfonds Wien
Für die Burgenland-Ausgabe der ORF-Reihe Landkrimi gab es, wie berichtet, seitens der Kulturabteilung aus budgetären Gründen kein Fördergeld. Ein Umstand, der nach der Ausstrahlung von so manchem Seher begrüßt wird.

Nicht nur im Landhaus ist man wenig angetan; mit Jutta Treiber empört sich jetzt eine der bekanntesten burgenländischen Autorinnen mittels Leserbrief: „Im Südburgenland gibt es jede Menge dummer, saufender, fremdenfeindlicher, zigeunerhassender Wirtshausbrüder, schleimige Bürgermeister, Mörder, Lynch-Justizler, Brandstifter, Vergewaltiger, Rächer und Hasser, gewaltbereite testosterongesteuerte Männer, Leichenvergraber und die Kopftuch-Mafia, die im Südburgenland den reinsten und unverständlichsten (mittelburgenländischen) Piringer Dialekt spricht – wie authentisch und witzig!“

„Klischees, die nicht der Realität entsprechen“

Ihren Brief schließt Treiber mit den Worten: „Gäbe es ein derartiges ,Porträt‘ über (zum Beispiel) einen syrischen Asylwerber, wäre der Aufschrei der Menschenrechtsorganisationen groß. Aber wir Burgenländer lassen uns sowas doch gern gefallen!“ Tourismus-Landesrat Ale-xander Petschnig (FPÖ) hat den TV-Film zwar noch nicht gesehen, verwehrt sich aber gegen „Klischees, die nicht der Realität entsprechen“: „Sicher gibt es künstlerische Freiheit, aber das sollte nicht zur Beleidigung der Bevölkerung führen.“

Auf Anfrage der BVZ bei „Lotus Film“ erklärt Geschäftsführer Tommy Pridnig: „In der Geschichte geht es vielmehr um Auswanderung und die Probleme, die diese mit sich bringt. Das zeigt, dass die aktuelle Debatte keine einseitige ist. Diese Thematik ist aus unserer Sicht viel stärker am Schirm als eine Fremdenfeindlichkeit, die man den Burgenländern sicher nicht pauschal zuschreiben will.“


Leserbrief

Burgenland – tolles Image

Also, es ist so:
Im Nordburgenland trällert man in Mörbisch fröhlich vor sich hin, und in Podersdorf ärgern sich die Surfer über Käfig-Kautionen.
Manchmal spielt man ein bisschen Haydn in Eisenstadt.
Das mittlere Burgenland existiert nicht, und wenn überhaupt, dann trinkt man dort den lieben langen Tag Blaufränkisch.
Das Südburgenland aber, ooooh, das hat es in sich!
Grade, dass das “Kreuz des Südens” nicht am Reingrabener Himmel erscheint. (Wo immer Reingraben auch sein mag.)
Im Südburgenland gibt es jede Menge dummer, saufender, kartenspielender, fremdenfeindlicher, zigeunerhassender Wirtshausbrüder,
schleimige Bürgermeister, Mörder, Lynch-Justizler, Brandstifter, Vergewaltiger, Rächer und Hasser, gewaltbereite testosterongesteuerte Männer, Leichenvergraber (daher wahrscheinlich der Ortsname Rein-graben), und die Kopftuch-Mafia, neugierige Tratschweiber, die im Südburgenland den reinsten  und unverständlichsten (mittelburgenländischen) Piringer Dialekt sprechen – wie authentisch und witzig!
Im Südburgenland gibt es auch Polizisten, die aus Jux und Tollerei einen Menschen in die Lynchjustiz jagen würden.
Und – es gibt im Südburgenland keinen einzigen integren sympathischen Menschen !!!!!!!!!!! Da sollten Sie doch glatt hinfahren!
Aber – immerhin: die Elektrifizierung dieses eigenartigen Landstrichs ist im Jahr 2015 doch fertiggestellt!
Gäbe es ein derartiges “Porträt” über (z.B.) einen syrischen Asylwerber, wäre der Aufschrei der Menschenrechtsorganisationen groß.
Aber wir Burgenländer lassen uns – capite demisso - sowas doch gern gefallen, und das am Tag der Menschenrechte!
Wenigstens einmal hat die burgenländische Kulturpolitik gut daran getan, ein solches Machwerk NICHT zu subventionieren!

Jutta Treiber
Schriftstellerin