Erstellt am 06. April 2012, 11:56

Büroleiter-Stelle im ORF sorgt wieder für Diskussionen. Die Grünen orten einen zweiten Fall Pelinka im ORF. Grund dafür ist die Bestellung Christine Lackners zur Büroleiterin von ORF-Finanzdirektor Richard Grasl.

Lackner war einst Sprecherin von FPÖ-Minister Mathias Reichhold und BZÖ-Minister Hubert Gorbach. Danach war sie vorübergehend für die PR-Agentur Peter Hocheggers tätig, der zuletzt in der Korruptionsaffäre um die Telekom Austria für öffentliches Aufsehen sorgte. Im ORF weist man die Kritik zurück: Die beiden Bestellungen seien nicht miteinander vergleichbar.
 
Die Grüne Verfassungssprecherin Daniela Musiol äußerte in der Tageszeitung "Der Standard" die Sorge, "dass der ORF von Netzwerken benützt und Opfer von parteipolitischem Einfluss wird". Und der grüne Mediensprecher Dieter Brosz zieh den ORF am Freitag der "strukturellen Lernunfähigkeit". Langsam könne am Küniglberg eine "Hauptabteilung für schiefe Optik und politische Unvereinbarkeit" gegründet werden. "Eine ehemalige Pressesprecherin Gorbachs und Reichholds ist als Büroleiterin des Finanzdirektors unabhängig von der Qualifikation ebenso ein No-Go, wie es der Leiter des SP-Freundeskreises Pelinka bei Wrabetz gewesen wäre", so Brosz in einer Aussendung. Lackners Tätigkeit bei Hochegger sei da nur "ein krönender Nebenaspekt".
 
Lackners Bestellung ist ORF-intern bereits über die Bühne, die entsprechenden Verträge sind unterschrieben. Die neue Büroleiterin des Kaufmännischen Direktors wird am 16. April ihren Dienst und damit die Nachfolge von Roland Weißmann antreten, der seit Jänner als "Chefproducer Fernsehen" in der Kaufmännischen Direktion tätig ist. Die Bestellung sei nicht mit der verhinderten Bestellung des SPÖ-Stiftungsrats Niko Pelinka vergleichbar, die rund um den Jahreswechsel für heftige Auseinandersetzungen gesorgt hatte, heißt es im ORF. Lackner sei sieben Jahre aus der Politik draußen, sei nie in parteipolitischer Funktion und bei der damals erfolgreichen PR-Agentur Hocheggers eine von 130 Mitarbeitern gewesen. Und Lackner wechsle auch nicht direkt aus dem ORF-Aufsichtsgremium auf den Büroleiterposten bei Grasl. Die ehemalige Minister-Sprecherin arbeitete zuletzt bei einer Pharma-Firma im Public Affairs-Bereich.
 
Finanzdirektor Grasl erklärte am Freitag, Lackner bringe "als gelernte Juristin mit Medienerfahrung die nötigen Qualifikationen mit, und sie hat sich nach korrekter Ausschreibung und dem Hearing klar gegen die anderen Bewerber durchgesetzt". Darüber hinaus wollte der Kaufmännische Direktor die Bestellung nicht näher kommentieren.
 
Die Ausschreibung für den Büroleiterposten bei Grasl war ursprünglich wie jene des Büroleiters bei ORF-Chef Alexander Wrabetz bereits im Dezember erfolgt, wurde aber im Zuge der Aufregung um das von der SPÖ gewünschte Avancement Pelinkas zum Büroleiter von Wrabetz gestoppt. Die Stelle war zunächst wie der Pelinka-Posten als Redakteursstelle definiert und wurde später wegen der Proteste der ORF-Redakteure gegen die Pelinka-Bestellung als "Referenten"-Posten neu ausgeschrieben.