Erstellt am 26. März 2013, 09:18

Burg Forchtenstein zeigt Etappen Esterhazy'scher Militärgeschichte. Eintauchen in die Welt der Militärgeschichte der Familie Esterhazy können ab 12. April Besucher auf Burg Forchtenstein.

 |  NOEN, zVg
Unter dem Motto "Granaten, Fahnen, Grenadiere" werden Waffen und Ausrüstungen der fürstlichen Truppen aus vergangenen Jahrhunderten präsentiert. Historische Fahnen sowie Gemälde, Beutestücke von Schlachtfeldern und wertvolle Einzelstücke komplettieren die Schau.

Am Beginn der Ausstellung steht die Waffenentwicklung im 17. Jahrhundert im Blickwinkel des 30-jährigen Krieges und der damals drohenden Türkengefahr, die sich vom Balkan Richtung Wien vorschob, schilderte Florian Bayer, der Leiter der Sammlung Privatstiftung Esterhazy. Die Entwicklung der Schusswaffen führte von Luntenschloss-Musketen zunächst zu den Radschlossgewehren und -pistolen, die den Soldaten bereits etwas mehr Flexibilität gaben. Innerhalb weniger Jahrzehnte vollzog sich dann der Umstieg auf Steinschlossgewehre.

Ebenfalls präsentiert wird ein großer Bestand an Glashandgranaten. Diese mit Schwarzpulver gefüllten Kugeln, die mittels Lunte entzündet wurden, waren Kampfmittel, die in einer sehr effektvollen Form eingesetzt werden konnten, so Bayer. Bei Forschungen kam man aufgrund der Sprengwirkung zum Schluss, dass sie als Verteidigungswaffen auf der Burg vorgesehen waren, erläuterte Bayer.

Zu sehen gibt es auch eine Skizze, die im Archiv in Budapest gefunden wurde: Sie zeige im Grund eine Art großer Leiterwagen, wo ein System aufgesetzt war, mit dem man eine Art Rakete hätte zünden können, beschrieb Bayer den Entwurf für ein Kriegsgerät, das allerdings nicht gebaut wurde.

In einem der Ausstellungsräume werden drei Krönungsfahnen aus den Jahren 1618, 1647 und 1655 präsentiert. "Alle drei sind aufgrund ihres Alters und aufgrund ihrer Zuordnung wirklich einzigartig", so Bayer.

Auch Stücke aus der sogenannten "Preußenbeute", darunter Säbel, Schusswaffen sowie ein Offiziers- und ein in der Schlacht von Hochkirch 1758 erbeutetes Mannschaftszelt sind auf Burg Forchtenstein zu begutachten. Wertvolle Aufschlüsse über die Uniform-Trageweise der damaligen Zeit geben 34 aufwendig restaurierte Gemälde des italienischen Malers Gennaro Basile.

Unter den gezeigten Waffen sticht ein ungarischer Reiterpallasch hervor - eine Blankwaffe mit einer mehr als einen Meter langen, etwa acht Zentimeter breiten Klinge, die von leicht gepanzerten Kavallerie in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts am Sattel mitgeführt wurde. Reiter konnten sie aufgrund ihrer Länge auch gegen Infanterie einsetzen, schilderte Bayer.

Auch die Zeit der Napoleonischen Kriege wird in der Ausstellung berührt. "Wir haben auch eine Spur verfolgt, die darauf hinwies, dass wir über einen Säbel des Admiral Nelson verfügen", erzählte Bayer. Zumindest eine in der Schau ebenfalls gezeigte Säbelscheide könnte tatsächlich mit Nelson in Zusammenhang stehen.

Der zeitliche Bogen, den die Ausstellung spannt, endet beim 1912 gestorbenen Prinzen Louis Esterhazy. "Er war letztlich der letzte Esterhazy, der in kriegerische Auseinandersetzungen verwirklicht war", so Bayer. Besucher der Schau können darüber hinaus auch einen Blick in das Waffendepot werfen.