Erstellt am 26. Juli 2016, 12:12

"Tóg Bog É" im Interview. Nach dem Cello und der Gitarre entdeckte ANTONIA DUŠA WERNIG im Alter von elf Jahren den Dudelsack als Instrument für sich. Von 2007 bis 2015 lebte sie in Irland und studierte dort fünf Jahre lang Musik. Vor Kurzem ist nun die Debüt-CD ihrer neu formierten Gruppe TÓG BOG É erschienen: „Slow Down“. Jürgen Plank bat die Künstlerin zum Interview.

TÓG BOG É

Wie war Ihr musikalischer Werdegang?
Antonia Duša Wernig: 
Meine Mutter hat mich, als ich drei Jahre alt war, in die musikalische Früherziehung gesteckt und gesagt: „Du wirst Musikerin!“ Mit fünf Jahren habe ich begonnen, Cello in der Musikschule zu lernen, bis ich 15 war. In der Zwischenzeit – so mit acht oder neune Jahren – habe ich mir selbst Gitarre beigebracht.

Wie sind Sie zur irischen Musik gekommen?
Zur irischen Musik bin ich durch eine Verwandte gekommen, die mir Kassetten von The Dubliners und von irischen Folksongs geschenkt hat. Das hat mir als Kind total gefallen und dann habe ich The Dubliners einmal live gesehen und bei deren Promotionstand wurden Tin Whistles verkauft, mit einem Booklet, in dem genau beschrieben wurde, wie man sie spielt. Und das habe ich mir selbst beigebracht.

Wie ist es dann weitergegangen?
Als ich elf Jahre alt war, habe ich meine Eltern überredet, mit mir nach Irland zu fahren und ein Musikfestival zu suchen, wo ich Tin Whistle lernen kann. Wir sind nach Irland gefahren und haben uns durchgefragt und ein Folkfestival gefunden und ich habe ein paar Tage lang Unterricht auf der Tin Whistle gehabt. Ich habe jemanden Dudelsack spielen sehen und mich total in dieses Instrument verliebt. In Bonn, wo wir damals gelebt haben, habe ich dann irischen Dudelsack gelernt.

Haben Sie sich auch mit anderen Musikrichtungen beschäftigt?
Mein Vater ist Kärntner und so war die Kärntner Volksmusik bei uns zu Hause immer sehr wichtig. Wir haben sehr viel vierstimmig gesungen, vor allem Kärntner Lieder: Mein Bruder hat Bass gesungen und ich Sopran oder Alt, die ganze Familie hat miteinander gesungen. Gelernt habe ich Klassik, eben Cello, aber ich habe auch viel Bob Dylangehört und bin so in die amerikanische Folkgeschichte hineingerutscht. Ich habe mich selbst mit der Gitarre begleitet und habe dadurch viele amerikanische Lieder gesungen, aber eher in Richtung Folk, Bluegrass und ein bisschen Country.

Wie ist Ihre aktuelle Gruppe Tóg Bog É entstanden und was bedeutet der Bandname?
Tóg bog é“ bedeutet so viel wie „take it easy“. Das ist Gälisch und grammatikalisch nicht ganz richtig. Die Redewendung kommt aus West-Kerry, das ist die Dingle-Halbinsel in Irland, wo ich in den letzten Jahren viel Zeit verbracht, viel gespielt und viele Freunde gewonnen habe. Paul Dangl und Christian Troger sind alte Freunde von mir, die ich kenne, seit ich mit 18 Jahren nach Wien gezogen bin. Wir haben uns in der Session-Szene kennengelernt und eigentlich immer miteinander musiziert und unter verschiedenen Namen immer wieder Konzerte gespielt.

Wie ist es zur CD gekommen?
Als ich im Herbst 2015 nach Österreich zurückgekommen bin, haben wir gesagt: „Das ist unsere Chance, ein gescheites Programm zusammenzustellen und das auch mal aufzunehmen.“ Wir spielen sicher schon seit zehn Jahren als Trio zusammen, haben aber nie zuvor eine CD aufgenommen.

„Die Instrumentalstücke auf der CD sind traditionelle irische Tänze.“


Sie spielen auch Traditionals, wie haben Sie diese ausgewählt?
Die Instrumentalstücke auf der CD sind traditionelle irische Tänze, die meisten davon habe ich aus Irland mitgebracht. Wir haben das Programm gemeinsam ausgesucht und mein Input war vor allem, dass wir die Musik ein bisschen gemütlicher angehen, ein bisschen langsamer spielen. Und dabei ein wenig mehr auf den Groove achten. Außerhalb von Irland passiert es oft, dass irische Musik eher schnell und eher gerade gespielt wird, eher zentraleuropäisch betont. In Irland ist das ein bisschen jazziger, grooviger, würde ich sagen, und das haben wir versucht, rüberzubringen.

Es gibt auch einige Gesangsnummern auf Ihrer CD.
Das sind keine Traditionals, das sind Folksongs, wie man in Irland sagt. Das sind zum Teil Balladen, die ein- oder zweihundert Jahre alt sind.

Sie haben in Irland Musik studiert. Welche Fächer haben Sie belegt?
Zuerst habe ich vier Jahre ein Bachelorstudium gemacht, und zwar an der Irish World Academy of Music and Dance in Limerick. Das ist schwer mit einem hiesigen Studium zu vergleichen, es kommt wahrscheinlich am ehesten an Musikwissenschaft heran. Aber es geht dezidiert um irische Musik und es ist ein praktischer Teil dabei, man erlernt ein Haupt- und ein Nebeninstrument, das waren bei mir irischer Dudelsack und irische Fiddle. Und man erlernt auch Tanz. 2015 habe ich mein Masterstudium abgeschlossen.

„Man freut sich immer, wenn man ein altes Stück findet, das einem gefällt und noch nicht so bekannt ist.“

 

Gibt es eigene Stücke von Tóg Bog É, die in Richtung irische Musik gehen?
Ich habe schon ein paar irische Stücke geschrieben, aber gerade bei der irischen Musik gibt es so viele Stücke, die erhaltenswert sind. Es geht eher darum, dass man alte Tunes ausgräbt und am Leben erhält. Es gibt natürlich viele Bands, die selbst komponieren, aber das geht dann mehr in Richtung Fusion und ist nicht traditionell.

Man kann Sie also auch als Forscherin bezeichnen?
Ich denke, wenn man sich wirklich für traditionelle Musik interessiert, ist es ein Teil der Arbeit, in alten Manuskripten zu graben und auch zu versuchen, alte Tonband- und Schallplattenaufnahmen zu finden. Man freut sich immer, wenn man ein altes Stück findet, das einem gefällt und noch nicht so bekannt ist.

Wie haben Sie geforscht?
Meine Hauptquelle waren Konzerte und Sessions, bei denen ich oft mit dem Handy mitschnitten habe. Ich bin von der lebendigen Tradition ausgegangen, habe recherchiert und so Stücke für mich entdeckt und in mein Repertoire aufgenommen.

„Es gibt zwar keine Probleme, Nachwuchs in Irland zu finden, aber der Großteil der Bevölkerung interessiert sich nicht für die traditionelle Musik.“

 

Wie wurden Sie in Irland als Musikerin aufgenommen?
Es ist tatsächlich so, dass es zunächst mal ein Nachteil ist, wenn man als Ausländer in Irland traditionelle irische Musik spielt. Wenn man sozusagen keine Wurzeln, keine Vorfahren hat oder irgendwie irisches Blut in sich hat. Es war oft die erste Frage, woher ich komme und wieso ich irische Musik spiele. Im Prinzip habe ich aber keine schlechten Erfahrungen gemacht. Es gibt zwar keine Probleme, Nachwuchs in Irland zu finden, aber der Großteil der Bevölkerung interessiert sich nicht für die traditionelle Musik.

Sie organisieren ein irisches Festival im Burgenland, das Ende August stattfindet.
Wir veranstalten seit sieben oder acht Jahren am letzten Augustwochenende in Lockenhaus den Trad Music Workshop. Es gibt Workshops für alle möglichen Instrumente, heuer haben wir Workshops für irische, schottische und schwedische Geige und es ist immer ein irischer Dudelsackspieler als Lehrer dabei. Wir schauen auch immer, dass Anfängerinnen und Anfänger Schnupperkurse machen können, zum Beispiel mit der Tin Whistle.

In Kooperation mit mica – music austria