Erstellt am 28. August 2015, 06:42

Dax und Wutzlhofer: Schwänke aus der Kanzlei. Die BVZ präsentiert die Autorinnen und Autoren des Buches „Mein Burgenland“. Diese Ausgabe: die Rechtsanwälte Werner Dax und Johannes Wutzlhofer und ihre Arbeit.

Selfie. Die Autoren wurden aufgerufen, sich für das Buch »Mein Burgenland« selbst zu verewigen. Diesem Wunsch kamen auch die beiden Rechtsanwälte Werner Dax (r.) und Johannes Wutzlhofer nach.  |  NOEN, Selfie
Unser Burgenland ist für uns als Anwälte täglich eine Herausforderung, wie zum Beispiel mit dem jungen Mann, der mit seinem Pkw alkoholisiert in den Graben gefahren war und nach dem positiven Alkotest vermeinte, er habe nur eine Mischung getrunken, der Alkoholwert müsse auf die von ihm eingenommenen Tabletten zurückzuführen sein.

Oder der Bezirksrichter, der mit einer Flex einen Nachbarschaftsstreit wegen eines zirka 20 Zentimeter auf das Nachbargrundstück ragenden Zaunteils beendete.

Als Anwalt im Burgenland kann es – wie in keinem anderen Bundesland in Österreich – passieren, dass ein Prozess nach einem Lokalaugenschein in einem Buschenschank endet und aus Prozessgegnern Freunde werden.
Ein Land, in dem Freundschaft noch Freundschaft heißt, in dem Menschen noch über ihren Schatten springen können. Burgenländer, das sind Menschen mit Zug aufs Tor – wenn auch manchmal ohne Ball!
Unorthodoxe Lösung für so manches Problem …

Wenn wir für einen unserer Kanzleistandorte neue Mitarbeiter suchen, gilt die Devise „Burgenländer bevorzugt“ – und dies nicht nur bei uns, auch bei den meisten Unternehmen in Wien oder Graz genießt „der Burgenländer“ höchstes Ansehen. Wir Burgenländer machen unseren Job – auf uns kann man sich verlassen – für jedes Problem gibt (muss) es eine Lösung (geben) – manchmal eine unorthodoxe Lösung.

Ohne dem heiteren Bezirksgericht ernsthaft Konkurrenz machen zu wollen, können wir der Versuchung nicht widerstehen, zwei Schwänke aus unserem Anwaltsleben zu erzählen: Vor einigen Jahren hatten wir einen bereits mehrfach wegen Körperverletzung vorbestraften älteren Herrn zu verteidigen. Nachdem noch eine bedingte Strafe von mehreren Monaten offen war, schien für unseren Mandanten eine länger dauernde Haftstrafe unvermeidbar.

Im Verhandlungsvorbereitungsgespräch schilderte uns der Mandant den Grund seiner Aggression gegen den Verletzten und wir empfahlen ihm, dem Gericht die Situation genau so zu schildern. Das Burgenland ist klein und unser Mandant stand vor jenem Richter, der ihn beim letzten Mal zu einer bedingten Haftstrafe verurteilt hatte.

Dem Richter war unser Mandant offensichtlich nicht unsympathisch und er begrüßte ihn mit den Worten „Schaun Sie, ich habe Sie das letzte Mal eindringlich davor gewarnt, wieder gewalttätig zu sein, habe Ihnen auch die Konsequenzen erklärt – beim nächsten Mal wird es eine empfindliche Haftstrafe werden – und trotzdem haben Sie wieder einen Menschen verletzt. Was haben Sie sich dabei gedacht?“

Unser Mandant antwortete – wie bereits bei dem Gespräch bei uns in der Kanzlei – mit traurigem Blick und reuig und schuldbewusst: „Herr Rat, dass er bei meiner Frau in der Wohnung war, als ich nach Hause kam, war mir egal, dass er meine Hausschuhe trug, hätte mich wahrscheinlich auch nicht veranlasst, ihn zu verprügeln, aber dass er auch meinen Pyjama anhatte – das war zu viel für mich!“

Nicht nur der Richter, sondern auch der Staatsanwalt und einige Zuhörer im Gerichtssaal konnten sich das Lachen nicht verhalten und so bekam unser Mandant nochmals eine bedingte Haftstrafe, zumal selbst der Staatsanwalt ihm eine berechtigte und nachvollziehbare Erregung zugestand. Es war der letzte Vorfall, bei dem unser Mandant im strafrechtlichen Sinn mit dem Gesetz in Konflikt kam.

Verständnis für den Mandanten

Oder der alternde Ehemann, der mit seiner Frau in unsere Kanzlei kam, nachdem ihm der Führerschein abgenommen worden war. Er erzählte uns, dass er in einem Moment der Unachtsamkeit bei der Nachhausefahrt nach einem Treffen mit seinen Freunden gegen einen Trafokasten gefahren sei, wobei sein Auto beschädigt worden sei. Er sei, ohne den Vorfall zu melden, nach Hause gefahren. Ein bis zwei Stunden nach dem Vorfall habe die Polizei bei ihm geläutet und ihn zum Alkotest aufgefordert, welcher positiv verlaufen sei. Er gab an, mit seinen Freunden überhaupt keinen Alkohol getrunken, sondern zu Hause einige Bier und Schnaps konsumiert zu haben.

Wir ersuchten ihn, um dies auch beweisen zu können, um die Namen jener Freunde, mit denen er unterwegs gewesen war, sowie des Lokales, um allenfalls Nachforschungen anstellen und damit die Behauptung des Alkoholkonsums nach Abstellen des Fahrzeuges untermauern zu können.

Wenige Stunden nachdem der Mann mit seiner Ehefrau unsere Kanzlei verlassen hatte, rief er uns an, wir sollten keine weiteren Schritte unternehmen, er sei nicht mit seinen Freunden unterwegs gewesen, sondern mit einer anderen Dame. Er ersuchte uns quasi, ihm schriftlich mitzuteilen, dass ein Vorgehen gegen den Führerscheinentzug sowie die zu erwartende Strafe wenig Aussicht auf Erfolg habe und wir davon abraten.
Dies entsprach im Grundsätzlichen auch unserer Sicht der Dinge, sodass wir ihm den Gefallen auch ohne Gewissensbisse taten.

Solche und viele andere Erlebnisse könnten wir erzählen, doch würde dies den Rahmen dieses Buches sprengen. Als stark im Burgenland verwurzelte Rechtsanwälte, beziehungsweise als Burgenland-stämmige Anwaltskanzlei, haben wir das Privileg, das Burgenland in allen seinen Facetten kennenzulernen.
Die Einblicke, die man durch unsere Tätigkeit bekommt, sind vielfältig. Dabei lernten wir auch, dass wir Burgenländer eine ganz eigene Sprache sprechen und es teilweise gar nicht wissen. Die Sprache beschränkt sich jedoch nicht auf das gesprochene Wort, es sind Gesten und vermittelte Gefühle, die viel mehr sind als nur Worte.

Komplexe Rechtsfragen, umfassende Ausbildung

Ein Freund aus Deutschland, der nunmehr schon jahrelang im Burgenland wohnt, hat in diesem Zusammenhang eine Geschichte erzählt. Er hat mit einem Schweizer Unternehmer, der ebenfalls bereits seit Jahren im Burgenland tätig ist, über die Eigenarten der Burgenländer gesprochen, und der Schweizer hat ihm gesagt: „Ich bin jetzt schon seit über zehn Jahren im Burgenland und verstehe die Burgenländer nach wie vor nicht.“ Unser deutscher Freund antwortete ihm: „Vielleicht ist es deshalb, weil du nicht zuhörst.“

Wir Burgenländer haben eine eigene Form von Identität entwickelt, auf die wir stolz sind. Versteht man die „Sprache“, wird auch die Lösung von komplex scheinenden Problemen relativ einfach.

Der Beruf des Rechtsanwaltes im Burgenland hat sich im letzten Jahrzehnt auch massiv verändert. Dies unter anderem deshalb, da die Burgenländer fleißig und die burgenländischen Unternehmen erfolgreich sind. Die Anforderungen an den Rechtsanwalt und damit verbunden die Qualität der erforderlichen Ausbildung sind höher geworden. Die burgenländischen Unternehmen arbeiten in komplexen Bereichen. Auch haben Globalisierung und Internationalisierung vor dem Burgenland nicht haltgemacht.

Um als Anwalt in diesem Umfeld erfolgreich sein zu können, reicht es nicht mehr, die oben dargestellten „Soft Skills“ zu beherrschen, auch wenn diese das tägliche Leben massiv erleichtern. Eine gute Ausbildung, ständige Weiterentwicklung, die Kenntnis von Fremdsprachen sind Grundvoraussetzungen, um jene Qualität an Beratungsleistung bieten zu können, die sich Mandanten berechtigterweise erwarten.

Wir sind stolz, Burgenländer und Anwälte im Burgenland zu sein, ein tolles Land mit tollen Menschen!
 

Zur Person: Werner Dax, Rechtsanwalt

  • Wurde 1967 in Güssing geboren, wo er auch aufgewachsen ist. Er studierte Rechtswissenschaften in Graz und war danach als Assistent am Institut für Kirchenrecht tätig.

  • 1994 legte er die Anwaltsprüfung ab und war damals der jüngste Rechtsanwalt in Österreich. Im selben Jahr gründete er die Rechtsanwaltskanzlei Dax & Partner, die heute mit 55 Beschäftigten die größte Kanzlei des Burgenlandes ist.

  • Seine Schwerpunkte liegen im Wirtschaftsrecht, Gesellschaftsrecht, Insolvenzrecht, Energie- und Umweltrecht, Beihilfen-/Förderrecht, Vertragsrecht. Außerdem ist er Vortragender an der FH Burgenland und eingetragener Rechtsberater in Ungarn. Werner Dax lebt in Güssing, ist verheiratet und hat drei Söhne.

Zur Person: Johannes Wutzlhofer, Rechtsanwalt

  • Wurde 1978 in Eisenstadt geboren und ist in Forchtenstein aufgewachsen. Er studierte Rechtswissenschaften am Juridicum Wien und erlangte zusätzlich den Master of Laws der Pennsylvania State University. Nach einer Assistententätigkeit am Institut für Rechtsgeschichte am Juridicum Wien wurde er Rechtsanwaltsanwärter bei verschiedenen Kanzleien.

  • Seit 2009 ist er Anwalt und Partner in der Kanzlei Dax & Partner. Seine Schwerpunkte liegen im Öffentlichen Recht, Gesellschaftsrecht, Bank- und Wertpapierrecht, Mergers & Acquisitions. Außerdem ist er Vortragender an der FH und Akademie Burgenland. Johannes Wutzlhofer lebt in Sigleß, ist verheiratet und hat einen Sohn.


Zum Buch: „Mein Burgenland“

25 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs für jene Menschen, die hier leben oder die eine engere Beziehung zu diesem Land haben? Was sind ihre Ansichten, Einsichten und Aussichten? Michael Gerbavsits,
Georg Pehm und Walter Schneeberger haben 50 plus eine Antwort erhalten.

x  |  NOEN, Fotos: Leykam

Mit Beiträgen von: Gabriele Ambros, Theodora Bauer, Konstanze Breitebner, Werner Dax und Johannes Wutzlhofer, Julia Dujmovits, Maggie Entenfellner, Heinz Fischer, Elisabeth Gamauf-Leitner, Michael Gerbavsits, Roland Hagenberg, Leo Hillinger, Georg Hoanzl, Norbert Hofer, Manfred Horvath, Stefan
Horvath, Paul Iby, Andreas Ivanschitz, Jason Allen Johnson, Saskia Jungnikl, Richard Karl Kanitsch, Barbara Karlich, Gisela Kramer, Andreas Liegenfeld, Eva Mayer, Peter Menasse, Paul Muehlbauer, Wolfgang Murnberger, Hans Niessl, Fritz Ostermayer, Josef Ostermayer, Elisabeth Pauer, Georg Pehm, Pia Pfneisl, Uta Prantl-Peyrer, Martin Pucher, Karl Reiter, Birgit Sauer, Maria Schaller, Dagmar Schellenberger, Walter Schneeberger, Anton Schubaschitz, Elfie Semotan, Tanja Stacherl, Markus Stefanitsch, Ingrid Tschank, Christian Uchann, Barbara van Melle, Joško Vlasich, Klaus Wölfer, Richard Woschitz, Uschi Zezelitsch

Herausgegeben von Michael Gerbavsits, Georg Pehm, Walter Schneeberger. ISBN 978-3-7011-7952-7

Weitere Infos zum Buch unter www.leykamverlag.at

Bisherige Teile der Serie:

Liebeserklärungen an das Burgenland – Vorschau

Ab Mittwoch in der BVZ-Printausgabe: In der kommenden Woche präsentiert Snowboard-Olympiasiegerin Julia Dujmovits ihre poetischen Liebeserklärungen an das Burgenland.