Erstellt am 19. März 2013, 14:07

Dem Papst bereits Hand geschüttelt. Eine Horitschonerin und ein Deutschkreutzer waren live in Rom dabei. Unterpetersdorfer lernten Papst in Buenos Aires kennen.

Am heiligen Abend 2012 in der Kathedrale in Buenos Aires: Werner Stiller, Ulf Schlaffer, Stefan Iby und Christian Forauer mit Kardinal Jorge Mario Bergoglio, dem jetzigen Papst Franziskus I.  |  NOEN, PRIVAT
Von Michaela Grabner

Zehntausende Menschen drängen sich dicht an dicht und blicken auf einen kleinen Schornstein. Mitten unter ihnen die Horitschonerin Raphaela Spadt und ihr Freund Markus Reinfeld aus Deutschkreutz. Die beiden waren live dabei, als vom Balkon des Petersdoms verkündet wurde: „Habemus Papam“.

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„So etwas erlebt man nur einmal“, ist sich Spadt sicher. Sie hat in Rom studiert und zeichnet seit Jahren für die internationale Kommunikation beim Rom-Marathon verantwortlich. Jedes Jahr um diese Zeit befindet sie sich in der italienischen Hauptstadt. „Dieses Mal sind wir zufällig ein paar Tage früher dort gewesen. Am Weg zurück ins Hotel haben wir beim Petersplatz vorbeigeschaut, weil wir einmal Rauch aufsteigen sehen wollten“, schildert sie. Trotz Regens und Kälte harrten sie gemeinsam mit den Gläubigen und Touristen aus und wurden belohnt.

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"Am Anfang war der Rauch eher dunkel und keiner war sich sicher, was es bedeutet. Als dann klar wurde, dass es sich um weißen Rauch handelt, war die Stimmung sehr freudig. Alle haben gejubelt und sich vorgedrängt, um alles genau zu sehen“, erzählt sie. „Als der Name des Papstes verkündet wurde, hat man gemerkt, dass es ein Überraschungskandidat war, mit dem keiner gerechnet hatte. Alle wirkten verblüfft und dann ist ein Raunen durch die Menge gegangen“, erinnert sich Spadt. „Der Papst wirkt sehr locker, sympathisch und volksnah.“
Einen ähnlichen Eindruck haben auch die vier Unterpetersdorfer Werner Stiller, Ulf Schlaffer, Stefan Iby und Christian Forauer gewonnen. Sie brachen vergangenen Dezember zu einer kleinen Südamerika-Rundreise auf, erste Station: Buenos Aires.

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Am 24. Dezember schlenderten sie durch die Stadt und kamen an der Kathedrale vorbei – zufällig fünf Minuten vor Beginn der Mette, also nutzten sie die Gelegenheit und nahmen daran teil. Diese wurde vom jetzigen Papst, damals noch Kardinal Jorge Mario Bergoglio, gehalten. „Nachdem die Mette vorbei war, hat der Kardinal alle Messbesucher persönlich verabschiedet und ihnen frohe Weihnachten gewünscht. Er spricht perfekt Deutsch und hat uns gefragt, aus welcher Stadt wir kommen. Er hat sich sehr volksnahe, umgänglich, geduldig und freundlich präsentiert“, schildert Werner Stiller. Und Ulf Schlaffer ergänzt: „Er hat einen sehr angenehmen Eindruck gemacht, wirkt sehr bescheiden und ruhig und hat sich Zeit genommen für uns.“

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Von Martin Gebhart

Rund 150.000 Gläubige waren am vergangenen Sonntag auf dem Petersplatz in Rom versammelt, als Papst Franziskus sein erstes Angelus-Gebet sprach. Seine Botschaft an die versammelten Menschen, die immer wieder mit lautem Applaus reagierten: „Etwas mehr Barmherzigkeit verändert die Welt, es macht sie weniger kalt und mehr gerecht.“
Mehr als eine Woche ist es nun her, dass Kardinal Jorge Mario Bergoglio aus Buenos Aires zum Nachfolger von Benedikt XVI. gewählt worden ist. Am Dienstag wurde er offiziell im Petersdom in sein Amt eingeführt.

„Kardinäle haben sehr guten Hirten gewählt“

„Riesig gefreut“ habe er sich über die Wahl des Argentiniers, so Kardinal Christoph Schönborn, der ja am Konklave teilgenommen hatte. „Alles spricht dafür, dass die Kardinäle einen sehr guten Hirten gewählt haben“, so der Wiener Erzbischof. Und: „Ich denke, wir werden mit Papst Franziskus noch gute und schöne Überraschungen erleben.“

In einer Pressekonferenz in Rom ortete Kardinal Schönborn auch dringende Aufräumarbeiten innerhalb des Vatikans. Er hoffe, dass es Papst Franziskus bald gelingen werde, den guten Ruf des Vatikans wieder herzustellen. Spekulationen, wonach er demnächst eine führende Position innerhalb der vatikanischen Kurie einnehmen könnte, wollte Schönborn nicht kommentieren. Er erklärte nur, dass er sich freue, nach Wien zurückzukehren und er hoffe, „im Stephansdom einmal mein Grab zu finden“.
Für Aufsehen sorgte Papst Franziskus in den ersten Tagen bereits, weil er auch als Papst ungewohnte Schlichtheit an den Tag legte. So holte er persönlich sein Gepäck aus dem Gästehaus ab, wo er während des Konklaves gewohnt hatte.

Schlichtes Leben und Einsatz für die Armen

In seinen ersten Ansprachen bezeichnete er sich immer wieder als „Bischof von Rom“ und nicht als „Papst“. Als Kardinal hatte der Jesuit in Argentinien ebenfalls ein sehr schlichtes Leben gewählt und sich für die Armen eingesetzt. Er wohnte nicht in der bischöflichen Residenz und war meist mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs.

Mit seiner Wahl tauchte auch die Kritik auf, dass Jorge Mario Bergoglio während der Militärdiktatur in Argentinien mit den damaligen Machthabern paktiert habe. Dagegen trat nun der argentinische Friedensnobelpreisträger Adolfo Perez Esquivel auf. Der 81-Jährige hielt gegenüber der BBC fest: „Es gab Bischöfe, die Komplizen der Diktatur waren, aber Bergoglio nicht.“

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Reaktionen und Papst-App

„Eine Überraschung, die Grund zur Freude ist. Franziskus steht, so denke ich, nicht nur für einen großen und einzigartigen Heiligen, er steht gleichzeitig für ein Programm. Die Fähigkeit Papst zu sein, hängt nicht nur vom Alter ab, sondern auch von der Konstitution und letztendlich von der Offenheit der Person.“
Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics

„Wir freuen uns, dass der neue Papst den Namen unseres Ordensvaters Franziskus gewählt hat. Der Heilige Geist hat entschieden, da-rum muss es eine kluge Wahl sein.“
Bruder Elias Unegg, Franziskanerorden Frauenkirchen

„Dem neuen Papst wünsche ich den Geist und den Segen Gottes, und dass er in seiner schweren und verantwortungsvollen Aufgabe den Blick für das Evangelium und die Basis nie verlieren möge.“
Superintendent Manfred Koch, Evangelische Kirche Burgenland

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Die App zur Papstwahl

Wer wählt den Papst? Wie wird gewählt? Und brandaktuell: Wer ist der neue Mann am Petersthron? Die Antworten gibt‘s in einer Learning-App für PC und Handy – gestaltet von den Schülern des Gymnasiums Wolfgarten unter der Leitung von Walter und Margaretha Hermann. Unter www.papamobile1.wordpress.com findet man Infos rund um den Papst und seine Wahl, Videos und ein Papstquiz. Die „papa-mobile App“ ist ein Erfolg: 6.000 mal wurde sie schon benutzt.