Erstellt am 05. November 2014, 11:11

von Vanessa Bruckner

Eberauer Hazivar: Vier Achte(r)l macht 100. Robert Hazivar liebt Fußball und versäumt kein Spiel des SV Eberau. Und er liebt Rotwein. „Je älter der Tropfen, umso besser“, sagt er, der es mit seinen 100 Jahren wissen muss.

Alt und gsund. Robert Hazivar ist ein Unikat - und das seit einem Jahrhundert. Krank war der gebürtige Oberschützener Zeit seines Lebens nicht. Ein Glaserl Wein und seine Fußballleidenschaft halten den rüstigen Pensionisten fit.  |  NOEN, Vanessa Bruckner
Rotwein mit einem Schuss Tee zum Frühstück. Ein Achterl zum Mittagessen, eins in Ehren gegen Nachmittag und ein letztes, wohlverdientes Glaserl abends, vor dem zu Bett gehen. „Mein Arzt hat mir ein g'sundes Achterl verordnet, für den Blutdruck. Ich denk mir halt, dass es in vierfacher Dosis besser wirkt,“ sagt Robert Hazivar schmunzelnd.

Schon in der Kaiserzeit auf dem Fußballplatz

Eine Schlussfolgerung, die der gebürtige Oberschützener mit seinem Alter felsenfest untermauert. Am 11. September dieses Jahres feierte Robert Hazivar nämlich seinen 100. Geburtstag. „Und ich muss keine einzige Tablette einnehmen, ich bin pumperlgsund“, erzählt der 100-Jährige.

Ein stolzes Lebensalter, mit dem er im Burgenland zugegeben nicht ganz alleine ist, aber Herr Hazivar ist definitiv der einzige 100-jährige, der kein Heimspiel seiner Lieblingsfußballmannschaft verpasst. Live, vor Ort, versteht sich. Und wir wagen zu behaupten, dass er ein besseres Gedächtnis als so mancher Elefant hat.

Schon als Kind jagte er dem runden Leder mit Begeisterung hinterher. Das war zu einer Zeit, als Österreich noch einen Kaiser hatte. 1930 spielte der Fußballer in der Studentenmannschaft seines damaligen Heimatortes Oberschützen.

„Matches wurden im Wirtshaus ausgemacht“

„Die Bauern hatten eine Mannschaft und wir Studenten. Die Matches wurden im Wirtshaus vereinbart, absagen konnte man nicht, schließlich gab’s da noch nicht mal ein Telefon und zum Spiel selbst sind wir per pedes, also zu Fuß, angereist, weil sich die wenigsten damals schon ein Fahrrad leisten konnten. Wenn wir gegen Schlaining spielten, standen vor dem Match eineinhalb Stunden Fußmarsch auf dem Programm, dafür haben wir uns das Aufwärmen erspart“, erzählt der rüstige Pensionist lachend.

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Die Dressen wurden im Leiterwagerl mittransportiert, die Schiedsrichter wurden vor Ort unter den Spielern ausgelost und als Tor dienten zwei Stöcke in der Erde. „Was glaubst, wie oft da gestritten wurde, ob der Ball zu hoch ins Türl ging“, erinnert sich der ehemalige Lehrer und Bezirksschulinspektor schmunzelnd.

Den Sieg seines Lebens habe er in den 1930ern errungen: „Wir haben gegen Zuberbach gespielt, die waren richtig große Bären und wir schmächtige Studenten, die am Vorabend auch noch ordentlich gefeiert hatten. Trotzdem haben wir sie 10:0 geschlagen, das war ein Erlebnis.“

Hazivar gründete den Sportverein Eberau

Später gründete Hazivar nicht nur die Hauptschule Eberau, sondern führte Fußball auch gleich als Schulsport ein. „Das Grundstück für den Platz habe ich mir beim Bürgermeister hart erkämpfen müssen und den Boden dafür mit einer Kuh vor einem Pflug selbst hergerichtet. Das waren noch Zeiten“, erinnert dieser sich.

1957 gründete der Fußballbegeisterte Hazivar den SV Eberau, der heute in der BVZ Burgenlandliga spielt und zu den Top-Mannschaften des Landes zählt. Trainiert wird sie von Trainerlegende Paul Gludovatz, der außerdem Robert Hazivars Schwiegersohn ist. „Jeden Montag muss ich vor ihm aufsalutieren und Rechenschaft zum vergangenen Spiel ablegen. Er ist mein größter Kritiker“, erzählt Gludovatz mit einem Augenzwinkern.

Bei Heimspielen des SV Eberau ist der 100-jährige Herr Hazivar selbstverständlich höchstpersönlich vor Ort. „Ich hab dort meinen eigenen Stuhl am Spielfeldrand und werde vor Ort von den Fans stets bestens versorgt.“

Als Matchball-Sponsor selbt Ankick vorgenommen

Ein Jahrhundert auf den Beinen hält den Pensionisten noch nicht einmal davon ab, selbst noch den Ball zu kicken.

Hazivar, der einen Matchball sponserte, hat den daraus folgenden traditionellen Anstoß selbstverständlich persönlich vorgenommen. „Den hab ich mit rechts angekickt“, weiß er noch ganz genau und Schwiegersohn Paul Gludovatz fügt schmunzelnd an: „Wir haben mit dem offiziellen Teil sicherheitshalber zehn Minuten früher begonnen.“

Vehementer Kampf für Zweiteilung der Landesliga

Robert Hazivar hat übrigens noch immer viel zu sagen, wenn es um seinen geliebten Fußballsport geht. „Die Landesliga gehört in Nord und Süd geteilt, die jetzige Situation ist komplett unwirtschaftlich und so nicht tragbar.“

Für die Teilung kämpft er vehement, unzählige Anträge hat er bereits an die Verantwortlichen geschrieben, manche sogar höchstpersönlich vorgebracht.

Dem Fußball will er treu bleiben. „Bis an mein Lebensende, aber das kann ruhig noch ein bisserl dauern“, erklärt er lachend und fügt sicherheitshalber trotzdem noch seinen letzten „Fußball-Willen“ an: „Freier Eintritt am Sportplatz für alle über 85 Jahre. Das sollte schon drin sein.“