Erstellt am 25. September 2015, 05:42

Elisabeth Gamauf-Leitner: Mit allen Sinnen genießen. Die BVZ präsentiert die Autorinnen und Autoren des Buches „Mein Burgenland“. Diese Woche: Moderatorin Elisabeth Gamauf-Leitner.

Selfie. Die Autoren wurden aufgerufen, sich für das Buch »Mein Burgenland« selbst zu verewigen. Diesem Wunsch kam auch Moderatorin und Sängerin Elisabeth Gamauf-Leitner gerne nach.  |  NOEN, Selfie Elisabeth Gamauf-Leitner
50.000 Kilometer im Jahr mit dem Auto, zahlreiche Flugmeilen quer durch Österreich und Europa. In meinem Job komme ich viel herum, lerne viele Länder und Kulturen kennen. Wechsle phasenweise Hotelzimmer wie Outfits, toure durch die Stadien und Sporthallen, bewaffnet mit dem sky-Mikrophon. Immer bereit, wenn das rote Licht an ist. Aufregend, interessant, Horizont erweiternd – aber manchmal auch einfach nur stressig und anstrengend.

x  |  NOEN, Selfie Elisabeth Gamauf-Leitner


Umso schöner ist es, nach Hause zu kommen. Koffer in die Ecke, raus aus dem „Arbeitsoutfit“, Stress und Sorgen abstreifen und vergessen. Adieu Alltag – Servus Heimat! Servus Burgenland! Ehemalige Grenzregion. Östlichstes, jüngstes Bundesland. Nicht das reichste, nicht das kaufkräftigste. Nicht die Region, die Fremden als Erste in den Sinn kommt, wenn sie an Österreich denken. Aber ein Landstrich mit viel Charme, Herzlichkeit und Schönheit – wenn auch für viele erst auf den zweiten Blick.

Nicht für mich. Ich bin hier geboren, aufgewachsen und fühl mich hier zuhause. Und ich genieße diesen Landstrich mit allen Sinnen – mit jedem Lebensjahr bewusster und intensiver. Ich weiß, wie das Burgenland klingt, wie es riecht, schmeckt und wie es mich spüren lässt, dass ich mit ihm verbunden bin. Tief verwurzelt – egal, wie weit weg.

„Ein Anblick – fast schon kitschig …“

Es ist der Anblick der sanften Hügel, umhüllt von zartem Nebel am Morgen, an dem ich mich nicht sattsehen kann. Die weißen, zarten Blüten im Obstgarten im Frühling. Dazwischen die Schafe der Nachbarin. Fast schon kitschig. Das leuchtende Rot der Kirschen, die den Sommer einläuten. Die Schwalben, die immer wieder in Richtung Stall fliegen, wo sie die Brut mit frischen Würmern und Käfern versorgen, damit sie groß und stark wird für die weite Reise in den Süden.

Es sind die imposanten Burgen, dominant auf den höchsten Punkten der Regionen, die mich immer wieder staunen lassen. Die idyllischen Kellerstöckel, liebevoll restauriert oder von der Zeit gezeichnet. Beides hat Charme.

Ich liebe den Duft der blühenden Lindenbäume, die die Straße meines Heimatdorfes säumen und Jahr für Jahr Kindheitserinnerungen in mir wecken. Ich weiß, wie der Sommer riecht. Wenn die Mähdrescher unterwegs sind, die Luft trocken ist und staubig von der Getreideernte. Ganz anders nach einem ausgiebigen Sommerregen. Einzigartig.

Ich liebe den Geruch von frischen Grammeln, die im Kessel vor sich hin bräunen. Genauso wie das Röstaroma der Kaffeebohnen, das aus dem Lieblingscafé strömt und die Vorfreude auf den Cappuccino noch größer macht.
Vielfältig. Köstlich. Spannend. So schmeckt das Burgenland. Nach frischen Hollerschöberln mit einer dicken Staubzuckerschicht. Oder herzhaftem Speck und deftigen Hauswürsteln. Nach Grammelpogatscherln und Hochzeitsbäckerei. Nach knackigem Obst und Gemüse aus dem Familiengarten – verarbeitet von der Mutter. Entweder gleich verzehrt oder konserviert für den Winter.

Ich liebe den Geschmack vom ersten Sturm. Genossen mit Freunden in der nostalgischen Kellergasse, während im Keller der neue Jahrgang gluckst. Bald ist er auf internationalen Weinkarten zu finden.

„Ich liebe die Stille im kleinen Dorf“

Und ich liebe den ganz speziellen Klang dieser Region. Die Ziehharmonika, gespielt vom Vater. Begleitet von der sanften Altstimme der Mutter. Der Marsch der Blaskapelle beim Frühschoppen, der feurige Csárdás, die Tamburicaklänge oder das sentimental anmutende Volkslied der Roma gehören genauso zu diesem ganz speziellen Klangmix wie der Rocksound meiner Band.

Auch irgendwie Musik – die Stimmen der Nachbarinnen am Bankerl vor dem Haus, die den neuesten Dorftratsch austauschen. Der Gesprächsstoff geht eigentlich nie aus. Und aus dem kleinen Wäldchen hinter dem Haus ruft der Kuckuck. Und dann, am Abend, ist es ganz still. Ich liebe die Stille im kleinen Dorf. Wenn alle schlafen und der Sternenhimmel wieder mal atemberaubend schön ist. Es fühlt sich gut an, hier zu leben.

Unbeschreiblich, das Gefühl, in der Früh barfuß durch die taufrische Sommerwiese zu gehen oder über weiches Moos. Den Blick über die Landschaft streifen zu lassen, wenn sanfter Sommerwind die Haut streichelt. Einfach nur schön.

Aber auch die eisige Kälte beim Winterspaziergang hat ihren Reiz. Beißend kalt, wie Nadelstiche auf dem Gesicht, das sich nach der Heimkehr sofort erholt und gut durchblutet im rosigsten Rot erstrahlt.

Sie fühlt sich gut an … die Umarmung des Liebsten, wenn man nach einigen Tagen wieder nach Hause kommt. Dann der sanfte Willkommenskuss, der den ganzen Körper wärmt und eintaucht in dieses wohlige Gefühl – ich bin zuhause.

Burgenland ist viel. Burgenland ist meine Heimat. Mit allen Sinnen.
 

Zur Person: Elisabeth Gamauf-Leitner, Moderatorin

  • Wurde 1976 geboren und wuchs in Neustift bei Schlaining auf. Nach einem mehrjährigen Studium der Rechtswissenschaften in Graz wechselte sie in den Journalismus und begann eine Ausbildung als Redakteurin und Moderatorin.

  • Sie arbeitete von 1998 bis 2000 beim Privatradio Antenne 4 und wechselte dann in das ORF Landesstudio Burgenland. Nach einem Zwischenspiel beim Burgenländischen Kabelfernsehen ist sie seit 2007 Moderatorin bei Sky-Sport Austria

  • Parallel zum Journalismus widmet sie sich ihrer Gesangsausbildung und absolviert zahlreiche Auftritte als Sängerin der Rockgruppe KIXX. Zusätzlich ist sie als Studiosängerin und Sprecherin für Radiospots tätig.

  • Elisabeth Gamauf-Leitner ist verheiratet und lebt in Oberwart.


Zum Buch: „Mein Burgenland“

25 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs für jene Menschen, die hier leben oder die eine engere Beziehung zu diesem Land haben? Was sind ihre Ansichten, Einsichten und Aussichten? Michael Gerbavsits,
Georg Pehm und Walter Schneeberger haben 50 plus eine Antwort erhalten.

x  |  NOEN, Fotos: Leykam

Mit Beiträgen von: Gabriele Ambros, Theodora Bauer, Konstanze Breitebner, Werner Dax und Johannes Wutzlhofer, Julia Dujmovits, Maggie Entenfellner, Heinz Fischer, Elisabeth Gamauf-Leitner, Michael Gerbavsits, Roland Hagenberg, Leo Hillinger, Georg Hoanzl, Norbert Hofer, Manfred Horvath, Stefan
Horvath, Paul Iby, Andreas Ivanschitz, Jason Allen Johnson, Saskia Jungnikl, Richard Karl Kanitsch, Barbara Karlich, Gisela Kramer, Andreas Liegenfeld, Eva Mayer, Peter Menasse, Paul Muehlbauer, Wolfgang Murnberger, Hans Niessl, Fritz Ostermayer, Josef Ostermayer, Elisabeth Pauer, Georg Pehm, Pia Pfneisl, Uta Prantl-Peyrer, Martin Pucher, Karl Reiter, Birgit Sauer, Maria Schaller, Dagmar Schellenberger, Walter Schneeberger, Anton Schubaschitz, Elfie Semotan, Tanja Stacherl, Markus Stefanitsch, Ingrid Tschank, Christian Uchann, Barbara van Melle, Joško Vlasich, Klaus Wölfer, Richard Woschitz, Uschi Zezelitsch

Herausgegeben von Michael Gerbavsits, Georg Pehm, Walter Schneeberger. ISBN 978-3-7011-7952-7

Weitere Infos zum Buch unter www.leykamverlag.at

Bisherige Teile der Serie:

Liebeserklärungen an das Burgenland – Vorschau

Ab Mittwoch in der BVZ-Printausgabe: In der kommenden Ausgabe der BVZ schreibt Energie-Burgenland-Vorstandsdirektor Michael Gerbavsits über die Hügel des Südburgenlandes und wirtschaftliche Erfolgsstorys.