Erstellt am 04. Dezember 2012, 12:31

Erben wird nicht teurer. Die demografische Entwicklung lässt eine Erbschaftswelle bei Immobilien erwarten. Im Gesetz wird von Mehrkosten nun abgesehen.

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Von Bettina Eder und Wolfgang Millendorfer

Zehn Milliarden Euro werden jedes Jahr österreichweit vererbt; 300 Millionen davon steuern die Burgenländer zum Gesamtvolumen bei. Im kommenden Jahrzehnt wird die Generation der Babyboomer ein Milliardenerbe antreten – mit Wohnungen, Äckern, Häusern, Aktien und Spareinlagen.

„Die demografische Entwicklung führt dazu, dass von einer Immobilien-Erbschaftswelle gesprochen werden kann“, erklärt Manfred Url, Generaldirektor der Raiffeisen-Bausparkasse. Sein Institut gab zu diesem Thema eine Studie in Auftrag, die zeigt, dass 74 Prozent der Generation 50-plus Immobilien vererben werden, in 65 Prozent der Fälle wird es Geld sein.

Das meiste erben die Kinder …

Dennoch werde die zu vererbende Masse laut Url durch das steigende Alter eingeschränkt, da man vom Erbe mehr verbraucht. Der Besitz der sogenannten Babyboomer geht übrigens zu 82 Prozent an die Kinder. Nicht verwandte Personen oder Institutionen wie Kirche oder Vereine liegen dabei bei nur einem Prozent. Im Burgenland liegt der Durchschnittswert der vererbten Immobilien bei 210.000 Euro und damit im unteren Viertel der österreichweiten Zahlen. „Das ist auf den größeren Anteil der landwirtschaftlichen Flächen zurückzuführen“, erläutert dazu Raiffeisen-Burgenland-Generaldirektor Julius Marhold.

Protest der Anwälte zeigte Wirkung

Ruhe ist inzwischen an einer Front eingekehrt, die sich zuletzt auf politischer Ebene aufgetan hatte: Nach dem Protest der heimischen Rechtsanwälte und weiterer Organisationen sieht die Bundesregierung davon ab, mit einer Neuregelung der Gerichtsgebühren eine befürchtete „Erbschaftssteuer durch die Hintertür“ einzuführen. Auch Burgenlands Rechtsanwaltskammer-Präsident Thomas Schreiner ist zufrieden: „Im aktuellen Entwurf wurden unsere Forderungen berücksichtigt.“ Vor allem geht es dabei um die Gerichtsgebühren für die Grundbucheintragung bei Erbschaft und Schenkung.

Entwarnung will Schreiner aber noch keine geben: „Da derzeit die Grunderwerbssteuer geprüft wird, könnte es im kommenden Jahr auch in dieser Frage Diskussionen um die Bemessungsgrundlage geben.“


Gerichtsgebühren: Auch 2013 sollen die Gebühren für die Grundbucheintragung im Zuge von Erbschaft und Schenkung im näheren Familienkreis wie bisher vom dreifachen Einheitswert bemessen werden (Steuersatz: 1,1 Prozent). Die Pläne, den wesentlich höheren Verkehrswert als Bemessungsgrundlage heranzuziehen, wurden fallen gelassen. Beispiel: Für die Schenkung eines Hauses im Verkehrswert von 150.000 Euro sind derzeit rund 780 Euro zu bezahlen (Eintragungsgebühr und Grunderwerbssteuer).