Erstellt am 17. August 2013, 01:03

"Rockmusik ist eine körperliche Angelegenheit". Es wurde getanzt, das "Falsche" getrunken, gesprungen, ineinandergerannt, Fast-Food gegessen und kaum geruht: "Rockmusik ist eine körperliche Angelegenheit", fasste es Thees Uhlmann am zweiten Frequency-Tag zusammen.

 |  NOEN, Gerti Schöllhammer

Eben! Und wenn es eine Gemeinsamkeit in dem Programm aus Indie-Rock, Teenager-Sounds, Elektronik, aber auch Metal und Punk gab, dann war das die gute Laune, die am Freitag vorherrschte. Mit rund 1.500 Einsätzen bis zum Abend hatte das Rote Kreuz alle Hände voll zu tun, gröbere Zwischenfälle blieben aus.

Punk-Veteranen Pennywise gaben Vorgeschmack auf Samstag

Höhepunkte waren die gefeierten Auftritte von Thees Uhlmann, Madsen und Casper, einem deutschen Triplepack, sowie die massenkompatiblen und -anlockenden Imagine Dragons und Awolnation. Dazwischen gaben die Punk-Veteranen Pennywise einen Vorgeschmack auf das mit Bad Religion und System Of A Down doch sehr harte Finale auf der Space Stage. Dubstep-Fans sollten in den Nachtstunden beim Kontrastprogramm Nero (live) auf ihre Kosten kommen.

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Willy Moon hatte das zweifelhafte Vergnügen, bei hochsommerlichen Temperaturen als einer der ersten Acts auf der Bühne zu stehen, während viele Besucher noch ein kühles Bad in der Traisen genossen. "Macht nichts. Ich habe noch nie in Österreich gespielt und freue mich auf die Gelegenheit. Dank Internet kennt man heute Künstler wie mich auch in Ländern, wo unsere Songs nicht im Radio gespielt werden", sprach Moon backstage und rockte dann mit seiner Frauenband ohne Hemmungen.

Toller Britpop auf der Green Stage

Auf dem zweiten Hauptschauplatz, der Green Stage, absolvierte Miles Kane, am besten bekannt für seine Zusammenarbeit mit Alex Turner (Arctic Monkeys) als Last Shadow Puppets, einen tollen Britpop-Gig. Sein wunderbarer Gitarrensound und Hymnen wie "Come Closer" und "Give Up" überzeugten.

"Ich sehe mich mehr als Singles-Typ, weniger als Album-Künstler. Auf meiner neuen Platte gibt es mindestens sechs Songs, die ich als Singles auskoppeln möchte", sagte Kane. Die Zuschauer waren angetan, die zuhörende Menge allerdings überschaubar, während zu Imagine Dragons auf der Konkurrenzbühne die Massen strömten.

Unorthodoxes Lob für Österreich

Auch bei Awolnation, gepusht vom Radiohit "Sail", war viel los, vor allem die Kids fühlten sich von der Mischung aus Indie, härteren Klängen und 60er-Jahre-Surfsounds angetan. Live klang die US-Formation kantiger als auf LP, mit Fortdauer des Konzerts aber immer berechenbarer. Umjubelt der viel zu kurze Auftritt von Thees Uhlmann, der trotz sengender Hitze tapfer wie immer mit schwarzer Lederjacke auf die Bühne trat, einmal mehr durch seinen unorthodoxen Tanzstil auffiel (O-Ton: "Steher bin ich keiner") und alle unisono lobte: "Ach Österreich, wie Deutschland mit Steifen."

Dazu gab's alle Hits seiner ersten Solo-Platte, mit "Am 07. März" auch einen von der kommenden "#2" und augenzwinkernde Ansagen des 39-Jährigen u.a. für einen Teenager-Punk und die spärlich gesäte 40-plus-Generation. Später wagte er sich noch auf die große Space Stage und unterstützte Festival-Hero Casper bei "XOXO".

Madsen sprach Besuchern aus der Seele, RK-Kräfte "bis 4.00 Uhr" eingeteilt

Die vielleicht beste Show des Tages zogen Madsen ab. "Du schreibst Geschichte", gefolgt von "Wo es beginnt" - das rockte. In den vorderen Reihen bildete sich ein riesen Mosh-Pit, es wurde gehüpft und mitgesungen, was natürlich an der tighten Performance der deutschen Brüderband lag, die auch Raum für Disco ("Lass die Musik an"), Gassenhauer ("Love Is A Killer") und sehr unterhaltsame Coverversionen ("Heard It Through The Grapevine", "Rader Love") bot. Dann sprach Frontman Sebastian den Burschen und Mädchen auch noch aus der Seele: "Ich schlafe lieber im Zelt als im teuren Hotel", hieß es im Lied "Mein Herz bleibt hier".

Das Rote Kreuz behandelte unterdessen Patienten nach Insektenstichen und Hitzefolgen. "Viele trinken zu wenig oder das falsche, nämlich Alkohol", berichtete Wolfgang Brückler. "Auch eine Kopfbedeckung wäre zu empfehlen." Die 120 Sanitäter und drei Notärzte bereiteten sich auf eine intensive Nacht vor, "erst gegen 3.00 oder 4.00 Uhr" beruhigt sich erfahrungsgemäß die Lage.