Erstellt am 31. Dezember 2015, 05:13

Gisela Kramer: Burgenland isst Salami. Die BVZ präsentiert die Autorinnen und Autoren des Buches „Mein Burgenland“. Diese Woche: Pädagogin Gisela Kramer und ihre Tipps zur ungarischen Sprache.

Selfie. Die Autoren wurden aufgerufen, sich für das Buch selbst zu verewigen. Diesem Wunsch kam Gisela Kramer auf künstlerischem Wege nach.  |  NOEN, Selfie Gisela Kramer
Mein Burgenland ist das Nachbarland von Ungarn, mein Burgenland isst gern Salami. Pik (Pick) und Herz sind nicht nur Begriffe aus einem Kartenspiel, sie bezeichnen auch die wichtigsten Hersteller dieser beliebten Delikatesse. Das Burgenland und Ungarn waren seit jeher verbandelt, und in den Adern vieler Burgenländer fließt ungarisches Blut. Wir sind also so etwas wie Geschwister, Geschwister, die allerdings durch eine Sprachbarriere getrennt sind.

Es ist nicht unbedingt notwendig, ungarisch zu können. Viele Ungarn, vor allem in den Grenz- und Tourismusgebieten, sprechen deutsch. Aber würde sich ein Kellner, eine Verkäuferin oder ein Passant, den man nach dem Weg fragt, nicht freuen, ein paar Brocken in seiner Sprache zu hören?

Ein „köszönöm szépen“ kann Wunder wirken

Es ist ein Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung und schließlich auch eine Demonstration der eigenen Bildung, wenn man ein paar ungarische Worte sagen kann. Dieses Bemühen wird einem sofort Sympathien bringen. Ein schlichtes „köszönöm szépen“ kann Wunder wirken. Aber wenn man schon ungarisch spricht, sollte man es auch richtig aussprechen.

Um wieder auf die Salami zurückzukommen: Der Südburgenländer fährt nach Szomba-thely, um besagte Wurst zu kaufen. Er sagt dabei auch Sombo-theli, es heißt aber Sombothei. Die Nordburgenländer haben es da leichter, die fahren nach Sopron, das ist einfacher auszusprechen.

Um die Wurst korrekt zu ordern, sagt man auch Solami. Dem „a“ in Salami fehlt das entscheidende Strichchen auf dem Dach, um als reines „a“ durchzugehen. Das mag kleinlich klingen, aber in einer Sprache kann so einem kleinen Strich eine entscheidende Bedeutung zukommen. Ich erinnere nur an das berühmte Beispiel im Deutschen, wo die korrekte Platzierung eines Beistriches über Leben und Tod entscheiden kann. „Wartet, nicht hängen! – Wartet nicht, hängen!“

Demnach fahren Sie, liebe Leserin, lieber Leser, auch an den Boloton und nicht an den Balaton auf Urlaub. Dort trinken Sie einen pálinka (palinko, nicht polinka). Sie sehen, der Strich macht den Unterschied. – Sie sind also auf szabadság.

Das ist ein Beispiel, wie schön die ungarische Sprache sein kann. Wörtlich übersetzt heißt das „Freiheit“. Szabad bedeutet: „dürfen“. Was gibt es Schöneres, als Urlaub so zu definieren!

Bor (Wein) ist ein leichtes Wort, es wird so ausgesprochen, wie man es schreibt. Ich rate aber trotzdem davon ab, denn der ungarische Wein könnte sich auf einem in dieser Beziehung durchaus verwöhnten burgenländischen Gaumen etwas seltsam anfühlen.

Bestellen Sie besser sör (Bier), auch wenn hierzu wieder eine kleine Lektion vonnöten ist. Wenn Sie ein schlichtes „s“ lesen, so spricht man das wie ein „sch“ aus. Hús (husch) ist Fleisch, sör (schör), sonka (schonko) ist Schinken.

Haben Sie bemerkt, dass man das „a“ in sonka wie ein „o“ spricht? – Natürlich gibt es auch im Ungarischen ein rein ausgesprochenes „s“. Dazu braucht es aber zur Verstärkung ein geschriebenes „z“. Also, wenn Sie „sz“ lesen, sagen Sie „s“. Das alleinige „z“ wird wie ein stimmhaftes „s“ gesprochen. Zum Beispiel zöld (grün). Sie müssen es weich sprechen. – Sind Sie nun verwirrt?

Wer in Ungarn ein gulyás bestellt und ein Gulasch erwartet, der wird enttäuscht. Was wir darunter verstehen, nennt sich dort pörkölt. Oft werden die dazu verwendeten Fleischsorten (Schwein, Rind, Lamm) extra angegeben. Außerdem bedeutet ungarische Küche einen Löffel Rahm mehr, also Sie werden meist einen Klecks Rahm auf Ihrem Gericht finden.

Das gulyás ist suppig und wird oft in einem Kessel über offenem Feuer gekocht. Wer nicht scharf essen mag, hüte sich vor dem Wort „eros“. Das Gegenteil davon wäre „édes“, was wörtlich übersetzt süß bedeutet.

„Einfaches Beispiel“ zur Prüfung des Gelernten

Schwierig wird es sowohl beim Lesen als auch beim Aussprechen, wenn die Wörter ein „ny“, „gy“ oder „ty“ enthalten. Das wird dann wie eine Verschmelzung aus „n+j“, „d+j !“ oder „t+j“ gesprochen, zum Beispiel lány – lanj (Mädchen), nagy – nodj (groß) oder tyúk – tjuk (Huhn).

An einem einfachen Beispiel werden wir nun das Gelernte üben: Hódmezovásárhelykutasipuszta – der zweite Buchstabe wird wie ein „o“ gesprochen, der Strich ist nicht immer so wichtig. Der 6. Buchstabe ist ein stimmhaftes „s“, die beiden „á´s“ mit Strichen sind „a’s“. Buchstabe 25 und 26 werden als „s“ gesprochen. Dass Buchstabe 10 und 21 als „sch“ gesprochen werden, brauche ich wohl nicht mehr zu erwähnen.

Sie sehen, wenn Sie alle Regeln beachten, ist es gar nicht so schwer, und Sie können diese Bahnstation aus dem Film „Ich denke oft an Piroschka“ fehlerfrei aussprechen. In unserer modernen Zeit wird Gott sei Dank wieder Wert auf Volksstämmigkeit und regionales Kulturgut gelegt, ein wohltuender Kontrast zur Globalisierung.

Demnach wird im Burgenland wieder verstärkt auf die Pflege der ungarischen Sprache gesetzt. Natürlich darf man in diesem Zusammenhang auch nicht die Kroaten und Roma vergessen. Wir wollen schließlich auch ein „melting pot“ wie New York sein.

„Jaj, de jó!“ – die Herzen werden Ihnen zufliegen

Bereits im Kindergarten wird verstärkt Ungarisch angeboten. Zwei- bzw. Dreisprachigkeit entspricht unseren kulturellen Wurzeln und ist pädagogisch äußerst wertvoll. Dieser Trend findet in den Volks- und auch höheren Schulen seine Fortsetzung.

Wer nicht in den Genuss dieser schulischen Ausbildung kam, möge diesen kleinen Text lesen, um mit einem Minimalwissen wenigstens mitreden zu können. Man kann oder muss nicht alles wissen, und wenn Sie trotzdem Sombotheli sagen, ist das auch kein Beinbruch.

Ich rate Ihnen aber, sagen Sie, wenn Sie etwas mögen: „Jaj, de jó!“ – Sprechen Sie es fast singend, oder zumindest blumig und theatralisch, die paprikageformten Herzen unserer ungarischen Nachbarn werden Ihnen zufliegen!

Syksy. Syntyy tyly pyry, myrskyn rytkytys yltyy. Nyt tyydyn ryyppyyn. Das ist Finnisch. Es geht also noch viel „schlimmer“. So gesehen kann man gerade nur froh sein, dass die Ungarn unsere Nachbarn sind, sofern wir in deren Kultur und Sprache eintauchen wollen.

Das davorstehende Gedicht heißt übersetzt: Herbst. Ein unfreundlicher Windstoß erhebt sich, das Rütteln des Sturms wird stärker. Jetzt begnüge ich mich mit einem Schnaps.

Donkerschön für das Aufmerksamkeit …
 

Zur Person: Gisela Kramer, Pädagogin

  • In Sopron geboren, übersiedelte sie bald nach Loipersbach im Burgenland und wuchs zweisprachig auf. Ausbildung zur Kindergartenpädagogin, Sonderpädagogin, Frühförderin und Montessoripädagogin.

  • Sie arbeitet derzeit in der Bundesbildungsanstalt für Kindergartenpädagogik in Oberwart. Der Erhalt und die Pflege der ungarischen Sprache im Burgenland sind ihr ein großes Anliegen.

  • Sie verfasst und veröffentlicht eigene Lehrmittel für Kindergarten- und Volksschulkinder: „Játékos tanulás – Spielerisches Lernen“ – ein Arbeitsbehelf zum Erlernen der ungarischen Sprache für Pädagogen, Eltern und Kinder. „Vidám dalok, Vesele jacke, Fröhliche Lieder“ – ein Liederbuch, ungarisch, kroatisch und deutsch. „Die Geburt Jesu“ – ein fünfsprachiges Bilderbuch.

  • Gisela Kramer ist verheiratet und lebt jetzt in Oberwart.


Zum Buch: „Mein Burgenland“

25 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs für jene Menschen, die hier leben oder die eine engere Beziehung zu diesem Land haben? Was sind ihre Ansichten, Einsichten und Aussichten? Michael Gerbavsits,
Georg Pehm und Walter Schneeberger haben 50 plus eine Antwort erhalten.

x  |  NOEN, Fotos: Leykam

Mit Beiträgen von: Gabriele Ambros, Theodora Bauer, Konstanze Breitebner, Werner Dax und Johannes Wutzlhofer, Julia Dujmovits, Maggie Entenfellner, Heinz Fischer, Elisabeth Gamauf-Leitner, Michael Gerbavsits, Roland Hagenberg, Leo Hillinger, Georg Hoanzl, Norbert Hofer, Manfred Horvath, Stefan
Horvath, Paul Iby, Andreas Ivanschitz, Jason Allen Johnson, Saskia Jungnikl, Richard Karl Kanitsch, Barbara Karlich, Gisela Kramer, Andreas Liegenfeld, Eva Mayer, Peter Menasse, Paul Muehlbauer, Wolfgang Murnberger, Hans Niessl, Fritz Ostermayer, Josef Ostermayer, Elisabeth Pauer, Georg Pehm, Pia Pfneisl, Uta Prantl-Peyrer, Martin Pucher, Karl Reiter, Birgit Sauer, Maria Schaller, Dagmar Schellenberger, Walter Schneeberger, Anton Schubaschitz, Elfie Semotan, Tanja Stacherl, Markus Stefanitsch, Ingrid Tschank, Christian Uchann, Barbara van Melle, Joško Vlasich, Klaus Wölfer, Richard Woschitz, Uschi Zezelitsch

Herausgegeben von Michael Gerbavsits, Georg Pehm, Walter Schneeberger. ISBN 978-3-7011-7952-7

Weitere Infos zum Buch unter www.leykamverlag.at


Nächste Woche

In der kommenden Woche präsentiert Winzer Andreas Liegenfeld seinen „Regionalitäts-Song“.


Bisherige Teile der Serie: