Erstellt am 14. Januar 2013, 09:05

Golden Globes: Beide Österreicher konnten Triumph von 2010 wiederholen. Die in der vergangenen Nacht zum 70. Mal verliehenen Trophäen des Verband der Hollywood-Auslandspresse (HFPA), brachten einige Überraschungen und einen klaren Verlierer.

 |  NOEN, ANDREW GOMBERT (EPA)
Für Doubles sorgten die Österreicher Michael Haneke und Christoph Waltz. Beide konnten ihren Triumph von 2010 wiederholen und können nun optimistisch auf die am 24. Februar zur Vergabe anstehenden Oscars blicken, wo sie (Hanekes "Amour" gleich fünffach) ebenfalls nominiert sind.

Waltz musste nicht lange warten: Der Globe für die beste Nebenrolle, den er für seinen Kopfgeldjäger King Schultz in dem Western "Django Unchained" von Quentin Tarantino (der Regisseur erhielt überraschend den Drehbuchpreis) erhielt, war der erste Preis, der in der Nacht zum Montag bei der von den Komikerinnen Tina Fey und Amy Poehler pointiert moderierten Filmgala im Beverly Hilton Hotel vergeben wurde. “Ich habe das nicht erwartet. Als mein Name aufgerufen wurde, haben meine Knie nachgegeben. Es ist unglaublich", meinte der 56-jährige Wiener, dessen steile internationale Karriere mit Tarantinos "Inglorious Basterds" begonnen hatte, bei den Backstage-Interviews.

Eineinhalb Stunden später war Michael Haneke dran, der sich mit seinem französischsprachigen Altersdrama "Amour" (Liebe) gegen den französischen Hit "Ziemlich beste Freunde", den norwegischen Historienfilm "Kon-Tiki", dem Cannes-Konkurrenten "Der Geschmack von Rost und Knochen" von Jacques Audiard sowie dem dänischen Film "Die Königin und der Leibarzt" durchsetzen konnte. Den Golden Globe für den besten nicht-englischsprachigen Film überreichten Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger, die beide Scherze über ihr schlechtes Englisch machten, das sie für diese Kategorie prädestiniere. "Ich habe nie gedacht, dass ich eine Auszeichnung in Hollywood von einem Österreicher bekomme", lachte Haneke und bedankte sich vor allem bei seinen Hauptdarstellern Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva: "Ich denke, ohne sie würde ich nicht hier sein. Und wenn dieser Preis in meiner Hand ist, glaube ich: Der Sockel ist vielleicht für mich und mein Team - aber der goldene Globus ist für diese überaus fantastischen Schauspieler."

Kurz vor halb sechs Uhr früh trafen bereits Gratulationen des österreichischen Bundeskanzlers Werner Faymann (S) ein: "Michael Haneke gehört nicht erst jetzt zu den bedeutenden Protagonisten seiner Branche. Aber durch eine solche Auszeichnung muss nun wirklich jedem klar sein, dass er in einem Atemzug mit den ganz großen Filmschaffenden zu nennen ist", hieß es in seinen Aussendungen. Und: "Ich freue mich sehr, dass die schauspielerische Leistung von Christoph Waltz in 'Django Unchained' mit einem so prestigeträchtigen Preis gewürdigt wurde."

Während "Argo" und "Django Unchained" je zwei Trophäen einheimsen konnten und der meiste Applaus des Galaabends dem Ex-Präsidenten Bill Clinton und der Gewinnerin des Cecil B. DeMille Ehrenpreises für ihr Lebenswerk, Hollywoodstar Jodie Foster (50), galt, gewann Tom Hoopers Filmmusical "Les Misérables" gleich drei Golden Globes - in der Sparte "Musical/Komödie" siegte der Film ebenso wie die Darsteller Hugh Jackman und Anne Hathaway. Beste Schauspielerin in einem Filmdrama wurde Jessica Chastain ("Zero Dark Thirty"). Die britische Sängerin Adele (24) holte mit dem Bond-Titelsong "Skyfall" den Golden Globe für den besten Filmsong. Und schließlich gingen je zwei der insgesamt 25 Kategorien auch an die TV-Serien "Homeland" und "Girls".

Politik gratuliert zu Double, Haneke-Produzent mahnt

Die Golden Globes für Michael Haneke und Christoph Waltz haben am Montag euphorische bis stolze Reaktionen von politischer Seite gezeitigt. Vom Bundespräsidenten Heinz Fischer abwärts trudelten im Laufe des Vormittags die Gratulationen ein, auch die ORF-Spitze lobte die "Unbeirrbarkeit" der österreichischen Filmschaffenden. Einzig Haneke-Produzent Veit Heiduschka wollte den Ball hinsichtlich der Oscar-Verleihung vorerst "flach halten" und mahnte gegenüber der APA, dass die politischen Reaktionen nicht nur Lippenbekenntnisse bleiben dürften. Die Highlights der Globes-Gala sind am Montagabend in ORF 2 zu sehen.

Heiduschka freute sich am Montag immens über den zweiten Golden Globe für eine seiner Koproduktionen, doch vor der Oscar-Verleihung gab er sich trotz fünffacher Nominierung für "Amour" (Liebe) vorsichtig. "Die Konkurrenz ist stark, auch die Amerikaner machen gute Filme", so Heiduschka, "da brauchen wir schon auch Glück." Für "Das weiße Band" habe man vor drei Jahren ja ebenfalls den Golden Globe bekommen, sei bei den Oscars dann aber leer ausgegangen. Hoffnungen hege man aber natürlich trotzdem - und allein dass man heute über mehrfache Nominierungen sprechen könne, zeuge vom hohen Niveau, auf dem man sich in Österreich bewege.

Diesem Urteil schloss sich die Politik gerne an. Bundespräsident Fischer sah einen "weiteren Beweis dafür, dass Österreich als Filmland große internationale Anerkennung findet", Bundeskanzler Werner Faymann (S) nennt Haneke "in einem Atemzug mit den ganz großen Filmschaffenden", Kulturministerin Claudia Schmied (S) lobte Waltz ob "seiner herausragenden Empathie" und Staatssekretär Josef Ostermayer (S) hält die beiden Prämierten für "Weltstars". ÖVP-Kultursprecherin Silvia Fuhrmann freute sich über "wunderbare Nachrichten für Österreich", Grünen-Kultursprecher Wolfgang Zinggl über einen "neuen Höhepunkt", auch das BZÖ und das Team Stronach gratulierten. Für Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) steht "den Oscars nun nichts mehr im Wege".

"Natürlich nehmen wir die Gratulationen gerne an", sagte Heiduschka dazu, "aber wir müssen auch auf die Schwachpunkte hinweisen." Österreich nenne sich eine Kulturnation, aber die Kultur werde immer geringer dotiert. "Für Kultur muss mehr Geld ausgegeben werden - und das Jahr ist noch nicht zu Ende!" Die Budgetaufstockung beim Österreichischen Filminstitut von 16,5 auf 20 Millionen Euro begrüßte der Produzent zwar. "Aber 'Das weiße Band' allein hat 13 Millionen Euro gekostet", stellte er die Relation her. "Ein Film von Michael Haneke wird auch künftig nicht ohne ausländische Partner möglich sein." Die Oscar-Verleihung findet am 24. Februar in Los Angeles statt.