Erstellt am 17. Oktober 2011, 00:00

Gratislesen ist out. ZEITUNGSKONGRESS / Print bleibt, Online kommt und Gratis ist schon wieder out – so sehen Verleger aus aller Welt die Zukunft der Nachrichten.

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VON MICHAELA FLECK

Wann die letzte Zeitung gedruckt wird? „Nicht in 20 und nicht in 40 Jahren.“ Sagt der Präsident des weltgrößten Zeitungsverbandes (kurz: WAN-IFRA). Der lud letzte Woche – gemeinsam mit Österreichs Zeitungsverband – zur „News paper Week“ nach Wien. Und diskutierte mit Zeitungsmachern, Chefredakteuren und Medienexperten von Algerien bis Zimbabwe über die Zukunft der Nachrichten.

Die sind, trotz Werbe-Krise, Online-Hype und Gratis-Konkurrenz, vor allem eines: gedruckt. 2,3 Milliarden Menschen lesen, so die jüngste Studie, jeden Tag gedruckte Nachrichten, im Internet surfen dagegen nur 1,9 Milliarden. 70 Sekunden brauchen Online-User für ihre durchschnittliche Dosis Nachrichten, während sich Zeitungs-Leser im Schnitt 20 Minuten Zeit nehmen.

Weltweit wurden allein im Vorjahr 14.853 Zeitungstitel verlegt – um 200 mehr als 2009, allerdings auch um neun Millionen weniger, was die Auflagezahlen betrifft. Und: „Für Gratistitel ist der Hype vorbei“, so WAN-IFRA-Geschäftsführer Christoph Riess. Die mobile Revolution hat dagegen gerade erst begonnen. Mit WikiLeaks zum Beispiel (Spiegel-Chefredakteur Matthias Müller von Blumencron: „Wenn wir das alles veröffentlicht hätten, hätten wir einen ganzen Kleiderschrank füllen können“). Mit Twitter (Il Sole 24 Ore-Chefredakteur Luca de Biase: „In Italien sind 60 Prozent der getwitterten Artikel aus Zeitungen“). Mit Google (Google-Deutschland-Chef Stefan Tweraser: „Soziale Medien brauchen Inhalte zum Diskutieren“). Und nicht zuletzt mit Smartphones, Tablets und Co.

Was Zeitungen in Zukunft für all das brauchen? „Qualität“, sagt Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid. „Sinn“, sagt School-of-Economics-Lehrer Charlie Beckett. „Ihre Kernaufgaben“, sagt The Strait Times-Chef Han Fook Kwang, „nämlich: Geschichten erzählen“. Und vor allem, meint Christoph Riess: „Einen offenen Geist!“

Willkommen in der mobilen Revolution: Auch die NÖN soll es demnächst als elektronische Zeitung (ePaper) geben – und zwar am iPad (im Bild) und iPhone.