Erstellt am 11. Mai 2016, 15:23

von APA Red

Haydn Philharmonie: Neuausrichtung ohne Haydntage. Die von Adam Fischer gegründete "Österreichisch-Ungarische Haydn Philharmonie" unterzieht sich einer Neupositionierung.

Wessely, Rhomberg, Reise, Altstaedt, Ottrubay  |  NOEN, Andreas Tischler
Nach der Bestellung des neuen künstlerischen Leiters Nicolas Altstaedt ändert man den Namen, die Zusammensetzung und die inhaltliche Orientierung, wie es am Mittwoch bei einem Pressegespräch hieß. Ermöglicht wird das durch eine Kooperation mit der Esterhazy Privatstiftung.

Die 28-jährige Zusammenarbeit mit den Internationalen Haydntagen ist ab 2017 vorerst passé. Das Orchester trägt künftig den Untertitel "orchestra in residence Schloss Esterhazy Eisenstadt", der Kooperationsvertrag läuft zunächst bis 2020. "Es beginnt nun eine neue Epoche", so Karl Wessely, Tourismus- und Kultursprecher der Esterhazy Gruppe.

Acht Konzerte pro Jahr geplant

Die Neuerungen umfassen regelmäßige, über das Jahr verteilte Konzerte im Schloss, eine internationale Ausrichtung sowie Einbindung der Stadt und der Region. Die österreichisch-ungarische Zusammensetzung des Orchesters wird durch junge internationale Musiker aufgebrochen, weiters will man sich auch der Musik des 19., 20. und 21. Jahrhunderts öffnen, so Altstaedt. Auch ein mittelfristiger Umstieg auf historische Instrumente im klassischen Kernprogramm wird angestrebt.

Stefan Ottrubay, Generaldirektor der Esterhazy Betriebe, sprach von einer "Weiterentwicklung der Stadt Eisenstadt und des Schlosses Esterhazy". Man habe als Privatstiftung "die besondere Verantwortung, in die Zukunft zu blicken". Für das Orchester werde ein "Generationswechsel sowie ein Auffassungswechsel" angestrebt.

Pro Jahr sollen vier Konzerte in der Reihe "classic.Esterhazy" sowie vier Konzerte im Rahmen eines neuen Herbstfestivals - dessen Titel und Programm erst präsentiert werden sollen - stattfinden. Fix ist jedenfalls der Termin: 7. bis 17. September 2017. Das Eröffnungskonzert in neuer Aufstellung findet am 14. Jänner 2017 statt, auf dem Programm steht Haydns Oratorium "Die Schöpfung".

Die Haydntage seien rund um die Philharmonie herum gegründet wurden, unterstrich Orchesterdirektor Geza Rhomberg, es habe sich stets um zwei unabhängige Institutionen gehandelt. "Die Haydntage haben uns von Jahr zu Jahr eingekauft", hieß es kurz und bündig. Für die Zeit nach 2016 habe man bisher keinerlei Aufträge bekommen. Das Sponsoring der Esterhazy Stiftung ermögliche nun - anders als bisher - langfristige Planungssicherheit. Der Anteil des Sponsorings am Budget betrage rund 25 bis 30 Prozent.

Mit neuen Formaten will man "Schwellenängste überwinden", so Ottrubay, der auch Gattungserweiterungen in Richtung Jazz ankündigte. Zu dem Umstand, dass das künftige Herbstfestival ausgerechnet zur üblichen Zeit der Haydntage stattfindet, sagte Ottrubay: "Es geht um Inhalte, nicht um Namen. Wir wissen, dass der September ein geeigneter Zeitraum ist. Und wir haben die Freiheit zu entscheiden, was in unserem privat finanzierten Schloss passiert."

Mit der Ankündigung der Esterhazy Privatstiftung im vergangenen September, den Vertrag der Haydnfestspiele nicht zu verlängern, kam den Haydntagen ab 2017 der zentrale Aufführungsort abhanden. Weil ein Gespräch keine Annäherung brachte, soll nun der von Intendant Walter Reicher entwickelte "Plan B" zum Tragen kommen, sobald die Gremien Grünes Licht zur Umsetzung geben. Die heurige Ausgabe findet noch von 8. bis 18. September unter dem Motto "Haydn & Böhmen" am gewohnten Schauplatz statt.