Erstellt am 20. März 2013, 12:50

Historisches Cello erklingt bei Liebhaber-Concerten in Eisenstadt. Zu zwei "Liebhaber-Concerten" lädt 2013 die Esterhazy Privatstiftung ins Schloss Esterhazy in Eisenstadt.

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Mit den beiden Abenden im Haydnsaal im April und im Juli will man an eine in Wien um 1800 gepflogene musikalische Tradition anknüpfen. Im Mittelpunkt des ersten Konzerts mit dem amaranth ensemble am 6. April steht ein um 1720 von Antony Posch in Wien gebautes Violoncello, das 2006 in einem Depot entdeckt und nach zweijähriger Restaurierung dem Barockcellisten Michael Stahel für Konzertauftritte übergeben wurde.

"Das Cello wurde 2006 in der Sammlung als ein besonderes Instrument identifiziert", schilderte Florian Bayer, Leiter der Sammlung Privatstiftung Esterhazy bei der Präsentation am Mittwoch in Eisenstadt: Es befand sich mit wenigen anderen Instrumenten als "letzte Reste" der Esterhazyschen Hofkapelle in einem eher peripheren Depotbereich im Schloss.

Wegen eines Zettels im Inneren wurde das Instrument vorübergehen der Geigenbauerfamile Amati in Cremona zugeschrieben. Eine Fälschung des 19. Jahrhunderts, wie sich bald herausstellte. Nach und nach, anhand der Begutachtung der Schnecke und anderer Details, kristallisierte sich der Name Antony Posch heraus, schilderte Bayer.

In den Esterhazy-Archiven fand sich für das Jahr 1728 eine Rechnung über 26 Gulden für ein von Posch gebautes "Bassetl" - ein Violoncello - für den Esterhazyschen Hof. Eine Spur in die Richtung, dass einst Fürst Paul II. Anton selbst auf dem Instrument spielte, sei bisher nicht bestätigt. Um das Jahr 1813 herum dürfte der Gebrauch des Instruments eingestellt worden sein, da es nicht mehr den Anforderungen der Zeit genügte.

Die Restaurierung des Cellos dauerte zwei Jahre. Die Geigenbauerin Gerlinde Reutterer in Wien erweckte das Instrument, das - bis auf Spuren von Wurmfraß im unteren Bereich - grundsätzlich in gutem Zustand gewesen sei, wieder zum Leben.

"Liebhaberkonzert" ist ein musikhistorischer Begriff für Salonkonzerte, die im kleinen, privaten Raum bei aristokratischen Familien im 18. Jahrhundert stattgefunden haben, erläuterte Robert Tannenbaum, der Musikalische Intendant der Esterhazy Privatstiftung.

Bei den beiden Konzerten im Haydnsaal steht diesmal nicht Haydn im Mittelpunkt. Jedoch findet sich bei allen Komponisten eine Verbindung zum Hofe der Esterhazy. Zu hören sind Werke unter anderem von Joseph Weigl, Nicola Porpora, Joseph Umstett und Gregor Joseph Werner.