Erstellt am 03. September 2013, 07:24

Jedes vierte Kind hat Förderbedarf. Jedes vierte Kindergartenkind hat sprachlichen Förderbedarf.

Das zeigen die im Kindergartenjahr 2012/13 durchgeführten Sprachstandsfeststellungen. Insgesamt wurden heuer rund 80.200 Kinder getestet, bei rund 18.700 (23,3 Prozent) wurde Förderbedarf festgestellt. Das sind in etwa jene Werte, die bereits vor Auslaufen der sprachlichen Frühförderung im Jahr 2010 festgestellt wurden.

Derzeit würden jährlich 3,5 Mrd. Euro für Arbeitslose aufgewendet, davon rund eine Mrd. Euro allein für Arbeitsmarkt- und Arbeitslosenverwaltung, aber nur zehn Mio. Euro für sprachliche Frühförderung im Kindergarten. "Das ist eine totale Schieflage, das kann es nicht sein", so Kurz in einer der APA übermittelten Stellungnahme. Besser sei es, "Arbeitslosigkeit früher zu verhindern als später zu verwalten": "Wir müssen früher investieren anstatt später reparieren." Bis 2020 müsse daher das Budget umgeschichtet werden, und zwar "von der Arbeitslosenverwaltung in Frühförderung und Schulbeginn".

Verpflichtendes, kostenloses zweites Kindergartenjahr

Konkret verlangt Kurz ein zweites Kindergartenjahr. Dieses solle gratis sein und - unabhängig vom Migrationshintergrund - für jene verpflichtend, die Sprachprobleme haben. Die Kosten dafür beziffert er mit 70 Mio. Euro pro Jahr. Außerdem müsse es kleinere Gruppen, mehr Begleitpersonal und einen stärkeren Fokus auf die Grundkompetenzen Sprache, Lesen, Schreiben und Rechnen geben. Auch höhere Gehälter für Kindergartenpädagogen und Volksschullehrer sind für ihn denkbar. Diese Aufwertungsmaßnahmen würden noch einmal 100 bis 200 Mio. Euro kosten.

Gegen eine Budgetumschichtung von für den Arbeitsmarkt bestimmten Finanzmitteln hin zur sprachlichen Frühförderung spricht sich SPÖ-Bundesgeschäftsführer Darabos aus. "In Zeiten eines europaweiten Anstiegs der Arbeitslosigkeit davon zu sprechen, dass das Budget für Arbeitslose und AMS-Verwaltung gekürzt werden soll, ist eine weitere Verunsicherungs-Idee der ÖVP", so Darabos.