Erstellt am 24. Dezember 2011, 19:48

Johannes Heesters 108-jährig verstorben. Johannes Heesters, Grandseigneur der Operette und legendärer Filmschauspieler, ist tot. Er starb am Samstag im Alter von 108 Jahren. Am Vormittag des Heiligen Abends verstarb er im Beisein seiner Frau im Klinikum Starnberg friedlich.

ARCHIV - Der Entertainer, Sänger und Schauspieler Johannes Heesters (l) spielt bei der Probe zum Stück «Heesters - eine musikalische Hommage» im Marquart Theater in Stuttgart sich selbst (Archivfoto vom 17.09.2003). Heesters ist tot. Er starb am Heiligabend (24.12.2011) im Alter von 108 Jahren im Klinikum Starnberg, wie die Klinik der Nachrichtenagentur dpa mitteilte. Foto: Bernd Weissbrod dpa/lby (zu dpa 0244 vom 24.12.2011) +++(c) dpa - Bildfunk+++  |  NOEN, Bernd Weissbrod (dpa)
Heesters, der den Spitznamen "Jopie" trug, galt als der älteste aktive Schauspieler, Sänger und Entertainer der Welt. Er gehörte zu den populärsten Bühnendarstellern des 20. Jahrhunderts und wurde vor allem durch zahlreiche Operettenrollen bekannt.

Seine Paraderolle war der leichtlebige Graf Danilo aus Franz Lehars Operette "Die lustige Witwe". Aber auch auf der Leinwand war Heesters in zahlreichen Filmen zu sehen wie "Gasparone", "Hallo Janine" und "Die Csardasfürstin". Einen seiner letzten großen Erfolge feierte Heesters 2008 im Singspiel-Klassiker "Im weißen Rössl" in Hamburg als österreichischer Kaiser Franz Joseph.

Der gebürtige Niederländer, der mit seiner 45 Jahre jüngeren Ehefrau Simone Rethel-Heesters am Starnberger See lebte, war eine Operettenlegende des 20. Jahrhunderts und trat auch als über Hundertjähriger mit erstaunlicher Vitalität und Sangesfreude auf.

Noch zum 107. Geburtstag sang er bei einer Gala in Erfurt die Lieder seines Lebens wie sein Paradelied aus dem "Bettelstudenten", "Ich knüpfe manche zarte Bande" und verkündete: "Ich werde 108, das könnt ihr mir glauben!" Eine Woche vor seinem 108. Geburtstag (am 5. Dezember 2011) erlitt er einen Schwächeanfall und musste im Spital ärztlich behandelt werden.

Zuvor hatte er noch in einem Kurzfilm die Rolle des Petrus übernommen, der Ende November in München Premiere hatte. Auch die Verfilmung einer Tschechow-Erzählung stand zuletzt noch in seinem Terminkalender. Noch im Juli 2010 war Heesters im Berliner Ensemble in einer kleinen Rolle als greiser König in einem Stück von Rolf Hochhuth umjubelt worden.

Am 5. Dezember 1903 im niederländischen Amersfoort als Johan Marius Nicolaas Heesters geboren, begann der Künstler seine Bühnenlaufbahn als 17-Jähriger in Amsterdam. Die eigentliche Karriere begann aber 1935 in Berlin, wo er rasch zum Frauenliebling und unwiderstehlichen Charmeur aufstieg.

Abseits dieser dandyhaften Bühnenauftritte, fasste der Niederländer aber auch bald in der unter den Nazis florierenden deutschen Filmwelt Fuß. Bis zum Ende des Krieges trat er in 20 Operetten und harmlosen Liebeskomödien der UFA auf - eine Karriere, die der Künstler nahtlos auch in die 1950er Jahre rettete, in denen er jährlich teils für mehrere Filme vor der Kamera stand.

Filmisch gesehen wurde es in den 1960ern und 1970ern dann allerdings völlig ruhig um den einstigen Star, der dafür umso häufiger im Fernsehen zu sehen war. Zugleich wollte Heesters bis ins hohe Alter nicht von der Bühne lassen und ging als greiser Casanova in Karl Gassauers "Casanova auf Schloss Dux" ab 1986 auf Tournee. Ab 1996 stand er erstmals mit seiner Ehefrau, der Schauspielerin Simone Rethel, auf der Bühne am Berliner Kurfürstendamm in dem eigens für ihn geschriebenen Stück "Ein gesegnetes Alter" von Curth Flatow.

Zum 105. Geburtstag spielte Heesters noch in Hamburg den greisen Kaiser Franz Joseph im Singspiel "Im weißen Rössl", 2009 die Stimme Gottes im "Jedermann" in Stuttgart und 2010 den König in Rolf Hochhuths "Inselkomödie" am Berliner Ensemble. Dabei erinnerte sich der betagte Künstler auch noch an die allerersten Auftritte: "Ich habe den ersten Applaus noch in den Ohren." So viel Engagement wurde gewürdigt: Zehn Bambis gewann Heesters im Laufe seines Leben, 2001 kam die Platin-Romy für sein Lebenswerk hinzu.

Am 16. Februar 2008 konnte Heesters seinen ersten Auftritt nach fast einem halben Jahrhundert in seiner Geburtsstadt Amersfoort absolvieren. Wegen seiner Karriere in Nazi-Deutschland war Heesters von den niederländischen Bühnen jahrzehntelang boykottiert worden. Aber politische Filme habe er in der NS-Zeit nie gedreht, beteuerte er später.

"Ich hab mein Leben gelebt und bin zufrieden mit meiner Karriere, ich habe mich auch stets bemüht, den Weg meines Lebens gerade zu gehen, auch im Sturm der Zeit", sagte Heesters rückblickend auf sein langes Leben. Seinen künstlerischen Nachlass hat er der Berliner Akademie der Künste übergeben.