Erstellt am 08. März 2013, 18:24

Journalisten-KV: "Unhaltbare Situation" dank Kompromiss abgewehrt. Angesichts der Einigung über die künftige Ausgestaltung des Kollektivvertrags für Journalisten in Tages-und Wochenzeitungen sowie Online-Medien zeigte sich der Präsident des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ), Thomas Kralinger, "sehr glücklich darüber, dass nach mehreren Jahren die Verhandlungen ein Ende gefunden haben".

 |  NOEN, VÖZ
Es sei zwar "nicht immer ganz einfach" gewesen, man müsse aber von einem "großen Erfolgserlebnis" sprechen, so Kralinger.

"Eine gute Vereinbarung ist jene, wo beide Vertragspartner aus ihrer Sicht Erfolg gehabt haben", unterstrich der VÖZ-Präsident. Gleichzeitig wies er aber auch darauf hin, dass es "eine ganze Fülle an Dingen" gibt, mit denen der VÖZ nicht zu hundert Prozent glücklich ist - etwa die Gehaltstabellen, die man sich "so nicht gewünscht" habe. Aber: "Die Freude über die Einigung überwiegt. Ich gehe davon aus, dass es grosso modo eher ein Vorteil sein wird."

Auch Gewerkschaftsvorsitzender Franz C. Bauer resümierte am Freitag vorsichtig positiv: Gab es ursprünglich zwei Positionen, "die sich überhaupt nicht deckten", habe man sich nun soweit angenähert, dass es zu einer Einigung kommen konnte. "Dinge, die ursprünglich für beide Seiten ein absolutes 'No-Go' waren, mussten übersprungen werden", erklärte er im. Die Alternative wäre aus seiner Sicht eine "unhaltbare Situation" für beide Seiten gewesen: "Nämlich die Kündigung des KV." Nun dürfe man dank des Kompromisses auf "Ruhe und Sicherheit in der Branche" hoffen. "Es ist keine erfreuliche, aber eine notwendige und sichere Entscheidung."

Bauer strich auch die Eingliederung sämtlicher digitaler Angebote in den KV hervor, was neben Online-Inhalten auch jene für Smartphones oder Tablets inkludiere. Möglich wird dies durch eine Regelung für "außerordentliche Mitglieder" beim VÖZ. Auch Kralinger betonte, dass der neue Kollektivvertrag nicht mehr nur für Printjournalisten, sondern "für alle journalistisch tätigen Mitarbeiter" gelte.

Da der KV aber nur Anwendung auf Mitglieder des VÖZ finde, könne man durch die außerordentliche Mitgliedschaft nun auch andere Online-Anbieter an Bord holen. Wie viele das tatsächlich auch in Anspruch nehmen werden, wollte Kralinger noch nicht abschätzen. "Wir werden unter unseren Mitgliedern eine Erhebung durchführen, um festzustellen, welche zusätzliche Mitarbeiterzahl dem neuen KV unterliegen wird. Dies ist mit der Hoffnung verbunden, dass möglichst viele Unternehmen davon Gebrauch machen."

Gratulationen gab es am Freitag auch von Gewerkschaftschef Wolfgang Katzian. "Die Verhandler haben Ausdauer bewiesen, die sich lohnen wird", so Katzian in einer Aussendung. Er hoffe nun auf das endgültige "Aus" für die "stark kritisierten Umgehungsdienstverhältnisse im Medienbereich" und sprach von einem Vorzeigemodell, um das uns halb Europa beneide.